Pippi, Otto, Asterix und Die drei ???: Kulturgüter nur mit Warnhinweis!
Otto Waalkes ist nur noch mit Vorsicht zu genießen – jedenfalls wenn es nach dem WDR geht: „Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen mit diskriminierender Sprache und Haltung“, erscheint als Warnhinweis vor dem Programm (NIUS berichtete).
Doch der Ostfriese ist nicht die einzige Kunstfigur, die aufgrund der heutigen Political Correctness mit derlei Warnhinweisen versehen wurde, um Augen und Ohren der Zuschauer auf mögliche Verletzungen oder Diskriminierungen aus vergangenen Zeiten vorzubereiten.

Der Warnhinweis, der beim WDR vor Otto-Filmen gezeigt wird.
NIUS nennt einige Beispiele, bei denen vor Kinderbüchern, Film- und Serienklassikern gewarnt wird – oder Stellen sogar inhaltlich verändert wurden:
Pippi Langstrumpf und der Südsee-König
Das wohl bekannteste Beispiel: Pippi Langstrumpf. Der weltberühmte Roman von Astrid Lindgren wurden 2009 wegen Rassismus-Vorwürfen gar abgeändert. In der 1945 erschienenen Originalfassung wird Pippis Vater als „Neger-König“ beschrieben. Der Verlag, in dem Astrid Lindgrens Kinderbücher erscheinen, entfernt die rassistische Bezeichnungen aus den Pippi-Langstrumpf-Bänden. In den Neuauflagen ist nur mehr vom „Südseekönig“ die Rede.

Seit 1945 erleben Kinder mit Pippi Langstrumpf Abenteuer.
Erst vor kurzem hatte sich die Enkelin von „Pippi Langstrumpf“-Autorin Astrid Lindgren, Annika Lindgren, zu Wort gemeldet. Ihre Großmutter sei alles andere als eine Rassistin gewesen: „Im Gegenteil, sie hat es verachtet, wenn Menschen ihre Macht über andere missbraucht haben. Und sie hat sich immer bemüht, allen den gleichen Respekt entgegenzubringen – egal ob jemand ein Kind war, ein Taxifahrer oder eine Königin“, so die Lindgren-Enkelin zur Zeit.
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Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, umstrittene historische Bücher und Filme mit Warn-Hinweisen zu versehen (NIUS berichtete): „Ich bin dafür, Probleme auf jeden Fall sichtbar zu machen in Vor- und Nachworten und mit Hinweisen im Text“, sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Man solle deutlich machen, so Scholz, „was so heute nicht mehr in Ordnung ist“.

Tim und Struppi ist vor 94 Jahren erschienen.
An den „Tim und Struppi“-Comics wurde unter anderem kritisiert, dass in dem 1930/31 entstandenen Album „Tim im Kongo“ Afrikaner als dumm, arbeitsscheu und unfähig, Weiße hingegen als überlegene Kolonialherren dargestellt würden. Die Klage des kongolesischen Studenten Bienvenu Mbutu Mondondo in Belgien (dort kommen die Comics her) wurde 2012 abgelehnt. Begründung: Autor Hergé habe mit dem Comic nicht zum Rassenhass aufstacheln wollen, vielmehr hätte die Darstellung der Afrikaner die damalige Zeit widergespiegelt.
ARD warnt vor „Ein Herz und eine Seele“
Die Dialoge mit „Ekel-Alfred“ waren legendär. Nun findet sich bei der ARD der folgender Warnhinweis beim Serienklassiker „Ein Herz und eine Seele“:
„Das folgende fiktionale Programm wird in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen, deren Sprache und Haltung aus heutiger Sicht diskriminierend wirken können.”

Die Schauspieler von „Ein Herz und eine Seele“
Winnetou verletzt Gefühle
Der wohl bekannteste Fall in deutschsprachigen Raum, bei dem ein Klassiker mit Warnhinweis eingeordnet wurde, ist der Karl May-Western „Winnetou“. Der MDR wollte die Filme mit einordnenden Hinweisen versehen, nachdem eine Debatte um kulturelle Aneignung und Rassismus entstanden war. Der Ravensburger Verlag hatte zwei Bücher zum gleichnamigen Film „Der junge Häuptling Winnetou“ sowie ein Puzzle und ein Stickerbuch aus dem Verkauf genommen. In einem Instagram-Post begründete der Verlag seine Entscheidung mit dem Feedback von Nutzerinnen und Nutzer, das gezeigt habe, „dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben“.

Eine Szene aus dem Western-Klassiker Winnetou
Der MDR wollte die Filme zwar weiter zeigen, jedoch hieß es: „Wichtig dabei ist aus unserer Sicht jedoch auch eine begleitende Berichterstattung und zeitgemäße Einordnung, die eine Debatte ermöglicht, die dem Thema gerecht wird.“
„Rassistische, sexistische und diskriminierende Stereotype“ bei Asterix und Obelix
Auch die Comic-Verfilmungen von Asterix und Obelix sind inzwischen nur noch mit Vorsicht zu genießen. Der Kinder-Sender Super-RTL hatte Anfang des Jahres, als einmal pro Woche zur Primetime um 20.15 Uhr bekannte Asterix-Zeichentrickfilme wie Asterix und Kleopatra oder Asterix bei den Briten gezeigt wurde, einen äußerst ausführlichen Warn-Hinweis vorangestellt:
„Der folgende Film ist ein Produkt seiner Zeit. Er kann rassistische, sexistische und diskriminierende Stereotype darstellen. Diese Stereotype waren damals falsch und sie sind auch heute noch falsch. Auch wenn das Folgende die Sicht und die Wertvorstellungen von SUPER RTL nicht wiedergibt, wird der Film so gezeigt, wie er ursprünglich entstanden ist. Wir möchten anregen, aus den Inhalten zu lernen und darüber zu sprechen, um gemeinsam eine integrative, vielfältige Zukunft zu gestalten.“

Asterix und Obelix sollen unter anderem „rassistisch“ sein.
„Die drei ???“ können „diskriminierende Darstellungen enthalten“
Noch ausführlicher entschuldigen sich die Macher der Hörspielserie „Die drei ???“:
„Dieses Hörspiel wurde vor vielen Jahren entwickelt und aufgenommen. Es ist ein Produkt seiner Zeit. Daher kann es diskriminierende Darstellungen enthalten, die in der Gesellschaft zu wenig infrage gestellt wurden. Jegliche Art von Diskriminierung ist damals wie heute falsch und passt nicht zu unserer heutigen Auffassung von einer vielfältigen und gleichberechtigten Gesellschaft. Wir haben uns dennoch entschlossen, das Hörspiel in seiner Originalfassung zu belassen und die kulturellen Versäumnisse der Vergangenheit nicht zu verbergen. Wir empfehlen, sich kritisch mit dem Thema Diskriminierung auseinanderzusetzen.“

Die Hörspiele von „Die drei ???“ sind die erfolgreichsten der Welt.
Diese fast 40-sekündige Ansprache ertönt beim Streaming-Dienst Spotify, bevor Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews in Rocky Beach auf Verbrecherjagd gehen – jedenfalls bei den älteren Folgen wie Folge 1 „Die drei ??? und der Super-Papagei“ aus dem Jahr 1979. Heute sind Die drei ??? mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern und über 150 Gold- und Platin-Schallplatten die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt.
„Disney +“ warnt vor zahlreichen Disney-Klassikern
Der neue Streaming-Anbieter „Disney +“ warnt vor einer ganzen Reihe an Disney-Klassikern:
„Dieses Programm beinhaltet negative Darstellungen und/oder Misshandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind heute falsch. Anstatt diese Inhalte zu entfernen, wollen wir ihre schädliche Wirkung anerkennen, aus ihnen lernen und Gespräche anregen, um eine stärker integrative, gemeinsame Zukunft zu schaffen.“

Dumbo erschien 1941 erstmals.
Diese Warnung erscheint etwa vor dem 1941 erschienenen Comic „Dumbo“. Die Namenswahl der Krähe „Jim Crow“ sei fragwürdig, nachdem die „Jim-Crow“-Gesetze in den USA die Rassentrennung manifestiert hatten. Zudem spräche die Krähe in der englischen Version mit einem schwarzen Akzent, genauso wie ihr Chor.

Peter Pan, wie er mit Captain Hook kämpft
Auch der Kinderfilm-Klassiker „Peter Pan“, der 1953 erschienen ist, wurde mit dem Warnhinweis versehen. Möglicher Grund: In „Peter Pan“ sucht der gleichnamige Held nach den verlorenen Kindern, die von einem Indianerstamm entführt wurden. Dabei werden die indigenen Ureinwohner im Original nicht nur „Injuns“ – zu deutsch „Rothaut“ – genannt, sondern auch als tollpatschig und dumm dargestellt.
Mit „Aristocats“, „Susi und Strolch“ und „Das Dschungelbuch“ sind weitere Klassiker mit dem Warnhinweis versehen.
Die Liste der historischen Kulturgüter, Kinderfilme und Comic-Klassiker, die nur noch mit Warnhinweisen oder bereits verändert gezeigt werden, ließen sich noch lange weiter fortführen.
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