Das kranke Land: Was Corona mit dem Krankenstand-Rekord zu tun hat
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Eine Befürchtung, die viele Kritiker der Corona-Maßnahmen geäußert hatten, scheint sich zu bewahrheiten.
Deutschland ist so krank wie nie: Eine derart hohe Krankheits-Quote von 5,5 Prozent wie im ersten Halbjahr 2023 wurde noch nie gemessen. Ebensowenig wie die Tatsache, dass es in den ersten sechs Monaten des Jahres unter 100 Beschäftigten bereits 99 Krankheitsfälle gab – das sind über 60 Prozent mehr als in den Vorjahren. Dabei hat sich die Zahl der Atemwegs-Erkrankungen verdoppelt!
Das alles zeigt eine Auswertung der Krankenkasse DAK.
NIUS erklärt, was diese Krankheits-Explosion mit der Corona-Pandemie zu tun hat, und welche Schuld die Maßnahmen der Bundesregierung tragen:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beschäftigt sich mehr mit Hitze als mit der Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen.
Für den Immunologen Prof. Andreas Radbruch, Leiter der Arbeitsgruppe Zellbiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin, ist dieser Krankheits-Anstieg eine Folge der Corona-Beschränkungen: „Zusammenfassend könnte man sagen: Wir holen an Erkrankungen nach, was wir während der Corona-Krise versäumt haben – das ist die logische Folge, wenn man versucht, eine Bevölkerung steril leben zu lassen.“
Radbruch erklärt das mit der sogenannten „Schleimhaut-Immunität“: Das ist die Fähigkeit des Körpers, mit Antikörpern in Nase oder Rachen Infektionen gar nicht erst ausbrechen zu lassen – und diese natürliche Barriere sei durch die Corona-Maßnahmen gestört.

Prof. Andreas Radbruch
Der Immunologe erklärt weiter: „Es gibt zwei Rezeptoren, den Poly-Ig-Rezeptor und den Neonatalen Fc-Rezeptor, die die Antikörper aus dem Blut sozusagen an die Körperaußenseite in die Schleimhäute verfrachten – als Schutz vor Erkrankung, sobald Viren an die Zellen andocken. Diese Rezeptoren müssen aber regelmäßig beansprucht werden, also mit Viren in Kontakt geraten, um gut zu funktionieren. Unser Immunsystem muss sozusagen trainieren.“
Radbruch erklärt, dass während der Corona-Pandemie mit all den Hygiene-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen viel weniger Virus-Exposition und somit weniger „Trainigs-Möglichkeit“ bestand.

Ein Bildschirm in einer Einkaufsstraße in der Innenstadt wirbt für die Booster-Impfung. Daneben erinnert ein Schild an die hier geltende Maskenpflicht. (Dezember 2021)
Das sei damals auch in Daten abzulesen gewesen – aktuelle Publikationen gebe es dazu wenig. „Diese Transportmechanismen der Antikörper sind eine Nische in der Forschung. Die Vermutung liegt aber nahe, dass aktuell viele Menschen dieses Training für das Immunsystem nachholen, indem sie eine Erkrankung durchmachen.“ Grund zu Sorge ist das aber nicht, so Radbruch: „Das wird sich schon bald wieder in einen Normal-Zustand einpendeln.“
Heißt zusammengefasst: Durch die heftigen Corona-Einschränkungen in Deutschland wurden die Menschen so sehr von ihrer Umwelt, anderen Menschen und somit auch Viren abgeschirmt, dass ihre Immunsysteme weniger gut mit Viren umgehen können – und diese „verhinderten“ Erkrankungen nun in großer Zahl nachholen.
Gesundheitsministerium bestätigt „Nachholen von Infekten“
Auch die DAK sieht diesen Effekt. „Zum einen kam es nach Ende der Pandemie zu einem Nachholen von Infekten und Immunisierungen“, heißt es in der Pressemitteilung zu den erschreckenden Zahlen. Selbst Lauterbachs Bundesgesundheitsministerium (BMG) bestätigte auf NIUS-Nachfrage diese These: „Auch die im DAK-Bericht genannten Gründe wie das Nachholen von Infekten“ werde als möglicher Grund angesehen.

Aktuelle Daten aus dem Wochenbericht für Atemwegserkrankungen des RKI – die dicke rote Linie zeigt, dass Ende 2022 und 2023 vergleichsweise viele Fälle vorlagen.
Ein Blick in die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt: Die Zahl der Atemwegserkrankungen liegt seit Winter 2022 durchgehend auf einem hohen Niveau im Vergleich zu den Vorjahren. Diese Wellen unterschiedlicher Atemwegserkrankungen sind auch für das BMG ausschlaggebend: „Der hohe Krankenstand ist aus Sicht des BMG vor allem durch die RSV-Welle, Influenza-Erkrankungen und SARS-CoV-2-Aktivitäten sowie den Anstieg von bakteriellen Infektionen durch Gruppe-A-Streptokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae in Deutschland seit Ende 2022 zu erklären.“
Weiterer möglicher Grund: „Zum anderen gab es in den Belegschaften eine gestiegene Sensibilität dafür, mit einer potenziell ansteckenden Erkrankung dem Arbeitsplatz besser fernzubleiben“, mutmaßt die DAK. Das bestätigt auch Lauterbachs Gesundheitsministerium auf NIUS-Nachfrage: „...eine gestiegene Sensibilität bezüglich der Weitergabe von Infekten am Arbeitsplatz werden als mögliche Ursachen angesehen“, heißt es da von einem Sprecher.
Ferner heißt es entwarnend: „Außergewöhnliche Erkrankungswellen werden aktuell jedoch nicht beobachtet.“
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