Schüler werden mit Intim-Fragebogen ausgeforscht: Staat will von 10-Jährigen wissen, ob Ausländer uns die Arbeitsplätze wegnehmen
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„Verstehst du dich gut mit deinem Vater?“
„Hat jemand in deiner Familie irgendwann mal wegen krimineller Delikte im Gefängnis gesessen?“
„Welche Sprache sprichst du zu Hause meistens?“
„Haben Deine Freunde in den letzten 12 Monaten Alkohol getrunken?“
All das möchte der Freistaat Sachsen von Schülern ab dem Alter von zehn Jahren wissen.
Ein Auszug aus dem Fragebogen.
Im Rahmen der Strategie PiT („Prävention im Team“) wird vom Land eine repräsentative Befragung durchgeführt. Befragt wurden Schüler ab Klasse 5 an allen weiterführenden Schulen der Landkreise Meißen und Zwickau sowie an einigen ausgewählten Schulen der übrigen Landkreise. Durchgeführt hat die Befragung das Meinungsforschungsinstitut Info GmbH im Auftrag des sächsischen Landespräventionsrates.
Laut PiT dient die Erhebung dazu, „Risiko- und Schutzfaktorenprofile zu erheben“. Dabei sollen explizit auch die „Kontexte Familie, Schule, Peer Group und Wohnumfeld/Nachbarschaft“ in die Daten einbezogen werden. Wer sich die Fragen ansieht, kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Schüler eher vor der Befragung selbst geschützt werden müssten.
So macht die Befragung nicht vor den intimsten persönlichen Bereichen halt. „Wenn dich etwas beschäftigt, erzählst du es deiner Mutter?“, werden die Schüler gefragt. Und: „Wie finden deine Eltern es, wenn du Cannabis nehmen würdest?“
Bei folgenden Aussagen sollen die Schüler angeben, ob sie zustimmen oder widersprechen:
„In unserer Familie kommt es oft zu einem schlimmen Streit.“
„Die Regeln in meiner Familie sind klar.“
„In meiner Familie schreien wir uns oft an oder beschimpfen uns.“
„Ich chatte nur mit Leuten, die mir persönlich bekannt sind.“
„Wenn ich zu spät nach Hause käme, dann würden meine Eltern es merken.“
Teilweise wird die Kommunikation innerhalb der Familie genau ausgeforscht:
Auch die privatesten Gefühle der Schüler sind vor der Erhebung nicht sicher:
Politische Ansichten werden ausgeforscht
Auch die politischen Ansichten der Schüler interessieren die Schulbehörden. Gleich die dritte Frage lautet: „Sorgst du dich um den Klimawandel?“. Auch wird abgefragt, ob die Schüler folgenden Aussagen zustimmen:
„Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“
„Ausländer erhöhen die Kriminalität.“
„Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“
Auch sexuelle Handlungen interessieren die Behörden
Schüler, die sich in einer Beziehung befinden, werden gefragt: „Hat dein Freund oder deine Freundin dich in den letzten 12 Monaten zu sexuellen Handlungen gezwungen, die du nicht wolltest?“ Dass dies bei Schülern, die von sexueller Gewalt betroffen sind, Retraumatisierungen auslösen könnte, scheint die Autoren des Fragebogens nicht stören.
Insgesamt 49 Fragenkomplexe auf 25 Seiten sollen die Schüler beantworten. Frage 49 lautet: „Hast du die meisten Fragen ehrlich beantwortet?“
Schüler sollen vor Drogen und Gewalt geschützt werden
PiT hat laut der offiziellen Website des Landes Sachsen das Ziel, Kinder und Jugendliche „in ihrer gesamten Persönlichkeit zu stärken, um Konflikte gewaltfrei zu lösen, auf Drogen zu verzichten, mit digitalen Medien sicher umzugehen, um respektvoll und demokratisch zu handeln und um sich insgesamt vor Gefahren schützen zu können.“ Es gehe darum, „negative Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und ihnen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken“.
Wie jedoch die Einstellungen der Kinder zu Klimawandel und Migration mit möglichem Drogenkonsum zusammenhängen sollen, bleibt schleierhaft.
Zwar wird im Fragebogen eingangs behauptet, die Teilnahme sei freiwillig. Allerdings findet die Befragung innerhalb eines Machtverhältnisses statt. Die Schüler sind von ihren Lehrern und dem Schulsystem abhängig, weil ihre Schulnoten ihr gesamtes weiteres Berufsleben beeinflussen könnten. Hinzu kommt, dass der Fragebogen auch die geheimen Gedanken der Schüler über den Unterricht ausforscht:
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