Steinmeier, Bosetti, Strack-Zimmermann: Die Sprache der Mächtigen wird immer enthemmter
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die AfD als „Rattenfänger“ und damit ihre Wähler als Ratten bezeichnet. Derart Entmenschlichendes aus dem Mund des Bundespräsidenten aller Deutschen: Das ist der vorläufige Höhepunkt einer besorgniserregenden Entwicklung, bei der die Sprache immer mehr verroht.
„Ratten in ihre Löcher zurückprügeln“
Menschen als „Ratten“ bezeichnen: Steinmeier ist nicht er erste, der unter die sprachliche Gürtellinie geht, um Andersdenkende herabzuwürdigen. Auch ein Journalist der Tagesschau hielt es im November 2022 für eine gute Idee, Bürger, deren Meinung er nicht teilte, mit Abwassersystem-Bewohnern gleichzusetzen. In einem Meinungsbeitrag auf der Internet-Seite der Tagesschau schrieb der Journalist nach der Twitter-Übernahme durch Tech-Milliardär Elon Musk:
„Musk hat auch angekündigt, dass Twitter zum 'Marktplatz der Debatte' werden solle. Aber auf seinem 'Marktplatz‘ sollen offenbar auch rassistische oder verschwörerische Ratten aus ihren Löchern kriechen dürfen. Twitter kann nur relevant bleiben, wenn genau diese Ratten – um im Marktplatzbild zu bleiben – in ihre Löcher zurückgeprügelt werden.“
RATTEN, die in Löcher ZURÜCKGEPRÜGELT werden sollen. Ein unfassbare Entgleisung!
Später entschuldigte sich die Tagesschau dafür, nahm den Satz aus dem Artikel.
„AfD wie Endometriose“
Es war im Dezember 2023, als die SPD-Abgeordnete Leni Breymaier die AfD in einer Bundestagsrede mit krankhaft wuchernder Gebärmutterschleimhaut verglich.
„Heute Vormittag haben wir uns im Familienausschuss mit dem Thema Endometriose beschäftigt. Eine sehr schlimme Krankheit“, las Breymaier von ihrem Manuskript ab. „Sie stiehlt viel Zeit, sie ist sehr schmerzhaft und sie ist ohne jeden Nutzen, also völlig überflüssig.“
Dann schmetterte die Sozialdemokratin mit Blick in die Runde heraus: „Die AfD ist die Endometriose der deutschen Politik!“ Es folgte Lachen und Johlen bei Parteikollegen und Gleichgesinnten der Ampel-Parteien, Empörung bei der AfD.
„Nicht essenzieller Blinddarm“
Der Analogie einer wuchernden Krankheit bediente sich zwei Jahre zuvor auch Sarah Bosetti, als sie im Dezember 2021 Gegner der staatlich verordneten Maßnahmen, und Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollten, mit einem nutzlosen Organ gleichsetzte: dem Blinddarm.
„Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes“, sagte die in ihrer ZDF-Sendung „Bosetti will reden“ und schrieb eben jene Worte später auf X.

Bosetti war auf ihre Entgleisung offenbar so stolz, dass sie die menschenverachtenden Worte sogar twitterte
Später sah sie sich als Opfer von „Hass“, beschwerte sich über einen „orchestrierten Shitstorm“. Einsicht und Reue dafür, dass sie Menschen mit einem nutzlosen Organ gleichgesetzt und damit quasi als unwertes Leben bezeichnet hatte, äußerte Bosetti nie.
„Haufen Scheiße“
Die aktuellste Entgleisung vor Steinmeier geht auf das Konto der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Erst vor wenigen Wochen, Anfang Januar 2024, titelten zahlreiche Medien in Abwandlungen: „Strack-Zimmermann positioniert sich gegen rechts“.

FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Was erstmal nach starkem gesellschaftlichem Engagement klingt, entpuppte sich allerdings als sprachliche Entgleisung der unappetitlichsten Sorte: Die – zumindest nominell – Liberale hatte beim Neujahrsempfang ihrer Partei, der FDP, im Zusammenhang mit der AfD gewarnt:
„Je größer der Haufen Scheiße, umso mehr Fliegen sitzen drauf".
Egal was man voneinander hält: Den politischen Gegner mit Fäkalsprache zu beschimpfen, oder ihn gar als Ausscheidung zu bezeichnen: Für jeden, der über das Kindergartenalter hinaus ist, sollte hier die rote Linie sein.
„Bösartige Tumore“ und „Metastasen“
Die Grenzen des guten Geschmacks verließ auch eine Institution, für die Nächstenliebe eigentlich über allem stehen sollte: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).
Auf deren Internet-Portal evangelisch.de verglich Autor Matthias Albrecht das Wirken von Feministin und Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer und Schriftstellerin J.K. Rowling mit „bösartigen Tumoren“ – weil sie von Mann und Frau sprechen und sich von Gender-Ideologie distanzieren. Ihre Leser würden deren „Metastasen“ verbreiten.
Konkret sagte Albrecht: „Im Bild von Paulus gesprochen sind die Aussagen der ersten Gruppe bösartige Tumore und deren Weiterverbreitung durch die zweite Gruppe gleicht Metastasen.“
Das bizarre an all diesen entmenschlichenden Äußerungen: Oft stammen sie aus eben jener politischen Ecke, die sich über „Hass“ beklagt und diesen durch mehr Strafen und Zensur bekämpfen will.
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