Valentino Garavani im Alter von 93 Jahren gestorben: Ein Abschied von dem Mann, der Schönheit zum Maßstab der Mode machte
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Er war mehr als ein Modedesigner. Er war ein Lebensgefühl, ein Versprechen von Schönheit, eine Institution. Mit dem Tod von Valentino Garavani am 19. Januar 2026 verliert die Modewelt nicht nur einen der letzten großen Couturiers des 20. Jahrhunderts, sondern auch ihren wohl letzten echten Aristokraten – einen Mann, der Stil nicht nur entwarf, sondern lebte.

Archivaufnahme vom 28. Februar 2007: Valentino Garavani bei der Paris Fashion Week in Paris. Der Designer starb am 19. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren.
Kompromisslos schön
Valentino kleidete Königinnen, First Ladys, Schauspielerinnen, Prinzessinnen – gekrönte wie entthronte. Jacqueline Kennedy, Elizabeth Taylor, Sophia Loren, Julia Roberts, Cate Blanchett: Sie alle trugen Valentino in jenen Momenten, in denen Geschichte geschrieben oder zumindest für immer fotografiert wurde. Seine Kleider waren nie ironisch, nie distanziert, nie flüchtig. Sie waren feierlich. Absolut. Und kompromisslos schön.

Juni 1976, New York: Jacqueline Kennedy Onassis trifft gemeinsam mit dem Modedesigner Valentino Garavani ein.
Während andere Designer Moden jagten, verfolgte Valentino ein einziges Ziel: Schönheit. „I always look for beauty, beauty“, sagte er einmal – und meinte damit nicht Dekoration, sondern Haltung. Seine Entwürfe sollten Frauen nicht verkleiden, sondern erhöhen. Couture war bei ihm kein Experiment, sondern ein Versprechen: auf Perfektion, auf Glamour, auf Würde.

Model Sanique Dill auf dem Laufsteg der Valentino Haute Couture Show Frühjahr/Sommer 2025 in Paris
Markenzeichen Rot
Kaum ein Designer hat eine Farbe so konsequent in ein Markenzeichen verwandelt wie Valentino das Rot. Sein berühmtes Valentino Red war nie ein Trend, sondern ein leuchtendes, sinnliches und unübersehbares Statement. Es war das visuelle Äquivalent seiner Persönlichkeit: präsent, souverän, unverwechselbar.
Diese klare Handschrift machte ihn zu einem der ersten Designer, die Mode als kulturelle Macht begriffen. „In Italien gibt es den Papst – und es gibt Valentino“, sagte einst der ehemalige Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni. Und tatsächlich: Valentino war Hofstaat, Zeremonie und Krone in einer Person.

Der Modedesigner Valentino und Schauspielerin Anne Hathaway bei den 83. Academy Awards in Hollywood.

Julia Roberts in Valentino bei der Oscar-Verleihung 2001 in Los Angeles. Die Schauspielerin wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Ein Imperium, geführt zu zweit
Stets an seiner Seite: Giancarlo Giammetti. Geschäftspartner, Seelenverwandter, Stratege. Während Valentino sich ganz der Ästhetik verschrieb, hielt Giammetti das Reich zusammen – mit kaufmännischer Präzision und politischem Gespür. Gemeinsam machten sie Valentino zu einem der ersten globalen Luxuslabels Italiens, öffneten Paris für italienische Couture und ebneten den Weg für Armani, Versace und eine ganze Generation danach.

Models bei der Präsentation der Valentino Herbst/Winter 2025/26 Kollektion in Paris.
Besonders bemerkenswert: Valentino verstand sich nie als Unternehmer. Er wollte gestalten. Und als die Modeindustrie sich endgültig in Richtung Konglomerate, Zahlen und Geschwindigkeit bewegte, zog er sich elegant, aber selbstbestimmt zurück – und das auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Sabrina Carpenter in Valentino bei den MTV Video Music Awards 2025 in New York.
Kuratiertes Gesamtkunstwerk
Wer Valentino verstehen will, muss über Mode hinausblicken. Seine Häuser – in Rom, Paris, London, New York, Gstaad – sie waren Bühnen. Seine Dinner-Inszenierungen. Oder schlicht sein Alltag – ein kuratiertes Gesamtkunstwerk aus Kunst, Porzellan, Blumen, Hunden, Maßanzügen und Ritualen. Der Dokumentarfilm Valentino: The Last Emperor machte diese Lebensform sichtbar. Sie war eine Welt, die heute beinahe anachronistisch erscheint und gerade deshalb so fasziniert.
Valentino war nie minimalistisch, nie demokratisch, nie „casual“. Er glaubte an Hierarchie, an Etikette, an Schönheit als Disziplin. In einer Zeit, in der Mode immer schneller, lauter und beiläufiger wurde, blieb er standhaft. Und überdauerte Trends.

Undatierte Aufnahme: Valentino Garavani mit seinen Mops-Hunden in seinem Atelier.
Ein Vermächtnis jenseits von Trends
Valentino Garavani hinterlässt mehr als ein Modehaus. Er hinterlässt eine Idee von Stil als moralischer Größe. Von Eleganz als Haltung. Von Luxus als Verantwortung gegenüber der Schönheit.
„Ich hoffe, man erinnert sich an mich als einen Mann, der die Schönheit gesucht hat, wo immer er konnte“, sagte er einmal. Man wird sich erinnern. An den letzten Kaiser der Mode. Und an eine Zeit, in der ein perfekt gesetzter Schleifenwurf noch Weltpolitik sein konnte.
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