Wie woke Promis Vergewaltigungsopfer Gisèle Pelicot für ihre eigene Agenda umwerben
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Sie hat unglaubliche Verbrechen überlebt und gilt als mutige Heldin: Gisèle Pelicot.
Zehn Jahre lang wurde Gisèle Pelicot von ihrem eigenen Ehemann betäubt und vergewaltigt. Der Elektriker lud per Internet Dutzende andere Männer ein, seine Frau zu missbrauchen, und filmte die Taten auch noch. Ihre Geschichte hat Gisèle Pelicot jetzt in einem 256 Seiten dicken Buch niedergeschrieben: „Eine Hymne an das Leben: Die Scham muss die Seite wechseln“ erscheint am 17. Februar in Pelicots Heimat Frankreich sowie in Deutschland und 20 weiteren Ländern.
Und so fliegt vor knapp sechs Jahren alles auf: Am 2. November 2020 wird ein Mann in einem kleinen Supermarkt im südfranzösischen Mazan von einem Mitarbeiter dabei erwischt, wie er drei Frauen unter den Rock filmt. Durch Zufall kommt die Polizei Dominique Pelicot und seinen monströsen Verbrechen auf die Spur: Ein Jahrzehnt lang hat er seiner Frau starke Medikamente ins Essen gerührt und sie dann von Fremden vergewaltigen lassen. Erst, als die Polizei Fotos und Videos beschlagnahmt, die der Handwerker selbst gemacht hat, wird klar, was Gisele angetan wurde. In ihrem Buch erzählt die Mutter dreier erwachsener Kinder von dem Schock und den Zerreißproben für die Familie. So muss immer noch geklärt werden, ob auch ihre Tochter Caroline Opfer von Missbrauch wurde.
Eine glücksbegabte Frau
Während des zweieinhalb Monate dauernden Strafprozesses im Spätherbst und Winter 2024 kommen immer mehr Frauen vors Gerichtsgebäude, um sich mit Gisèle Pelicot zu solidarisieren. Unter immer lauterem Applaus geht sie täglich zur Verhandlung. Ihr Ex-Mann wird zu 20 Jahren Haft verurteilt, weitere 51 Männer müssen hinter Gitter. Gisèle Pelicot verzichtet während des Prozesses auf ihr Recht auf Anonymität, um die „Scham von der Seite des Opfers auf die Seite des Vergewaltigers zu verlagern“, und wird dadurch zu einer Symbolfigur für Resilienz und Mut.
Dass sie ihr persönliches Glück heute wiedergefunden hat, würde ihr wohl jeder Mensch auf der Welt gönnen. Sie sei, so erzählt Pelicot, schon immer eine glücksbegabte Frau gewesen, die Spaziergänge und Zeit mit ihren Enkelkindern genießt. Sie wolle sogar ihren Ex-Mann im Gefängnis aufsuchen und ihn fragen, warum er das getan habe. WarnerBros. und HBO produzierten schon Dokumentationen.
Jetzt wird Pelicots Geschichte auch von prominenten Gutmenschen gekapert, die ihre ganz eigene Agenda verfolgen: von der britischen Königin Camilla, Schauspielerin Emma Thompson sowie von Feministinnen weltweit. Mit Slogans wie „We are all Gisèle“ oder #GisèlePelicot stellten sich Hunderttausende Frauen an die Seite der Französin. Den Prozess nutzten wütende Aktivistinnen aber auch, um das Patriarchat und „Rape Culture“ ganz allgemein anzuprangern.
Brief von Königin Camilla
Gegenüber der BBC offenbarte Gisèle Pelicot, sie habe Tausende Briefe erhalten, sogar einen der britischen Königin Camilla: „Es war mir eine Ehre, diesen Brief zu erhalten, ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet“, so Pelicot. Die Frau von König Charles, die sich seit Jahren gegen häusliche Gewalt engagiert, würdigte die 73-Jährige und dankte ihr: „Ich wollte Ihnen unbedingt schreiben, um Ihnen meine aufrichtige Bewunderung für den Mut und die Würde auszudrücken, mit denen Sie den schrecklichen Verbrechen begegnet sind, die an Ihnen begangen wurden.“ Pelicot habe, so schreibt Camilla, „Frauen auf der ganzen Welt inspiriert und ein starkes Vermächtnis geschaffen, das die Erzählung rund um Scham für immer verändern wird“.

Pelicot erhielt sogar einen Brief der britischen Königin Camilla.
Das trifft alles ohne Zweifel zu: Gisèle Pelicot ist eine Frau, vor der man den Hut ziehen muss. Sie sollte nur darauf achten, wer sie mit ihrer Geschichte vor seinen ideologischen Karren spannen möchte. Oscarpreisträgerin Emma Thompson, die für Body Positivity, Klimaschutz und Flüchtlinge kämpft, soll das Hörbuch zum Buch einsprechen.
Laut eigener Aussage gibt es einen neuen Partner im Leben von Gisèle Pelicot. In Hamburg und München stellt sie das Buch am 24. und 26. Februar persönlich vor. Es hat gute Chancen, ein Bestseller zu werden.
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