„Vielfalt, Toleranz und Solidarität sind hoch geschätzte Werte“: Reutlinger Schule lädt AfD-Politiker von Diskussionsveranstaltung aus
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Eigentlich sollte das Event am 6. Februar ein Beweis für gelebte Demokratie werden: Bei der Veranstaltung „Kepi trifft Politik“ des Johannes-Kepler-Gymnasiums im baden-württembergischen Reutlingen sollten angehende Abiturienten die Möglichkeit bekommen, mit Vertretern aller Bundestagsfraktionen zu ausgewählten Themen zu diskutieren. Doch die Veranstaltung wurde zum Eklat, bevor sie überhaupt begonnen hatte: „Kepi trifft Politik“ fand am vergangenen Montag, jedoch ohne den AfD-Abgeordneten Dirk Spaniel statt. Der Schulleiter Thomas Moser hatte ihm am Mittwoch zuvor abgesagt.
„Sicherlich haben Sie von den jüngsten Ereignissen und dem medialen Aufruhr erfahren“, beginnt das Schreiben an die Elternschaft, das NIUS vorliegt. Darin wird begründet. „Die beiden Politikkurse der Kursstufe 1+2 haben heute Nachmittag die Gelegenheit, mit Bundestagsmitgliedern sämtlicher Parteien ins Gespräch zu kommen; den Abgeordneten der AfD haben wir hierfür ausgeladen.“
Brisant: Eigentlich unterliegen Schulen als Bildungsstätten, an denen Beamte arbeiten, dem staatlichen Neutralitätsgebot. Heißt: Sie dürfen in die (Willens)bildung nicht eingreifen – und Meinungen und Positionen, die sich im demokratischen Spektrum befinden, auch nicht ausschließen.
In dem Schreiben heißt es weiter: „Als Leitung einer zertifizierten „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ haben wir diese Entscheidung bewusst getroffen, da wir das Programm dieser Partei nicht mit unseren Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Einklang bringen.“ Und: „Vielfalt, Toleranz und Solidarität sind für uns als Schulleitung hoch geschätzte Werte, die unseres Erachtens von der AfD nicht mitgetragen werden.“

Dirk Spaniel wurde ausgeladen – und richtete hinterher eine Videobotschaft an die Schüler.
Auffällig dabei: Vielfalt gilt offenbar nicht im Meinungsspektrum und Toleranz nicht für abweichende Stimmen. Und inwiefern die AfD im Konflikt mit der Demokratie steht, wo sie doch nicht verboten ist, in Parlamenten sitzt und vermutlich von einer zweistelligen Millionenzahl in Deutschland gewählt würde, wird ebenfalls nicht ausgeführt. Auf Anfrage von NIUS, die genau das bei der Johannes-Kepler-Schule in Erfahrung bringen wollte, reagierte die Schule nicht.
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„Bleibt kritisch, auch eurem Schulleiter gegenüber“
Nach Informationen von NIUS ist die Absage der Diskussion mit Beteiligung des AfD-Politikers Spaniel nicht das erste Mal, dass die Schule gegen das Neutralitätsgebot verstößt. Bereits vor zwei Wochen soll der Direktor, Thomas Moser, dazu aufgerufen haben, sich an „Demonstrationen für Menschenrechte“ zu beteiligen. Der Aufruf wurde vom Schulaccount verschickt.
Derweil empfindet eine Mutter, deren Namen NIUS bekannt ist, das Vorgehen als fragwürdig. „Als Demokratin und Mutter“ könne sie nicht mehr glauben, was um sie herum passiere. Weiter fragt sich die Frau: „Ist das demokratisch? Darf ein Schulleiter so unverblümt Intoleranz und Demokratiefeindlichkeit ausüben? Ist das schon Indoktrination? Warum redet man nicht mit-, sondern übereinander?“, schreibt sie in einer Email.
Die Absage nutzte der AfD-Abgeordnete Spaniel derweil für eine Retourkutsche. In einem Video auf YouTube heißt es: „Ich wollte bei der Diskussionsrunde am Kepler-Gymnasium über viele wichtige Dinge für eure Zukunft sprechen. Beispielsweise über den Klimawandel und entsprechende Politikfelder, etwa Energie und Verkehrswende. Statt tatsächlich andere Positionen wie die, die jetzt die stets gleichen Positionen der neuen Deutschen Einheitspartei von CDU bis Grüne zu hören bekommen.“ Eine Botschaft habe er noch zum Schluss: „Bleibt kritisch, auch eurem Schulleiter gegenüber.“
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