„Woke“ Meerjungfrau – Disney cancelt Arielle-Song
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- Der Disneykonzern gab schon im Juli 2019 bekannt, dass in der Realfilm-Neuauflage des Zeichentrickklassikers „Arielle, die Meerjungfrau“ die schwarze Schauspielerin und Sängerin Halle Bailey die Hauptrolle spielen würde.
- Der daraus resultierende Shitstorm war vorhersagbar und sollte eigentlich schon längst verflogen sein.
- Gäbe es nicht noch das eine oder andere „woke“ Osterei abseits von der Rollenbesetzung zu entdecken.
Von Karsten Kastelan
Um ein Thema gleich in den virtuellen Raum zu schmeißen: Für mich ist Halle Bailey die perfekte Besetzung für die kleine Meerjungfrau Arielle. Sie ist rührend naiv, frech verspielt und kann so gut singen, wie es sich für einen Beyoncé-Protegé gehört. Die ursprüngliche Arielle ist zwar rothaarig, bleichhäutig und sieht eher dänisch als afro-amerikanisch aus, und doch spielt die junge Frau hervorragend – auch, wenn man zurecht den Verdacht haben kann, dass Arielle – wie bei so vielen anderen Disney-Verfilmungen – absichtlich „divers“ besetzt wurde.
Und das betrifft nicht nur die Hauptrolle: Baileys dunkle Pigmentierung wird gleich zu Beginn des Films gewissermaßen wegerklärt, als König Triton – gespielt von dem auch nicht gerade dänisch aussehenden Javier Bardem – ein Treffen mit seinen Töchtern eröffnet, die zu diesem besonderen Vatertag aus allen Weltmeeren herangeschwommen sind. Es ist ein bunt gemischtes Treffen von beflossten Schönheiten, bei denen nur die Dame aus dem kaspischen Meer durch Gesichtsbleiche und blonde Haare heraussticht.
Von den offensichtlichen Aspekten abgesehen, beginnt nun der Spaß, nach weiteren, versteckten „woken“ Elementen zu suchen – für Kenner des Originals ein patentes Gegenmittel gegen den sonst zu befürchtenden Schlaf im Kinosessel.
Ein adoptierter Prinz, Müll sammelnde Prinzessinnen
Und da gibt es reichlich Material: Gleich zu Anfang des Films weist eine wenig subtile Dialogzeile darauf hin, dass Prinz Erik von seinen Eltern nur adoptiert wurde – was etwas verwundert, da dies einer royalen Nachfolge im Weg stehen würde. Die Lösung dieses kleinen Rätsels kommt dann aber mit dem Auftritt der Königin, die von der in Swasiland geborenen Schauspielerin Noma Dumezweni dargestellt wird. Offensichtlich brauchte man hier mehr Diversität in der Besetzung und das besser nicht in einer Dienstbotenrolle – so dass nichts näherlag, als einen im Animationsfilm ausgesparten Part hier einzufügen und damit ein Kreuzchen mehr im Fleißheft des Antirassismus zu erhaschen.
Als nächstes wird der Zuschauer dann auf mehr oder weniger subtil Weise auf die Umweltverschmutzung durch die bösen – wahrscheinlich weißen – Seefahrer hingewiesen: Tritons Töchter räumen nämlich die Überreste von untergegangenen Schiffen weg und beschweren sich dabei lautstark darüber, wie die Menschen den Meeresgrund verschmutzen. Dass dies sicherlich ohne bösen Willen geschah, muss man sich hinzudenken, ist aber nicht abzustreiten – schließlich heißt es beim Schiffbruch normalerweise „Rette sich wer kann“ und nicht „Pfandflaschen und Plastikbesteck in die Rettungsboote“.
Küssen nur nach expliziter Erlaubnis
Die schönste (sprich: dämlichste) Erneuerung des Films findet sich aber in dem Song „Kiss the Girl“, in dem die Krabbe Sebastian – zusammen mit Fröschen und einem Flamingo – den Prinzen auffordert, die schöne Arielle nun endlich zu küssen. In der Originalversion wird explizit angedeutet, dass er sie nicht fragen soll, ob er das nun dürfe („It don’t take a word, Not a single word; Go on and kiss the girl“).
Was hier als patenter Rat gemeint ist – Arielle ist aufgrund eines Zauberspruch stumm und der Prinz kann sich nicht sicher sein, ob sie alles, was er sagt, auch versteht – haben es diese Zeilen selbstverständlich nicht in die bereinigte Neuversion geschafft. Das Küssen ohne die vorher eingeholte Einwilligung der Frau nicht die feine Art ist, wissen wir inzwischen alle. Dummerweise weiß jeder Mann mit einem Hauch an Lebenserfahrung auch, dass es keinen größeren Stimmungskiller gibt, als die verbale Frage nach einer dezidierten Kusserlaubnis – und das selbst in Situationen, in denen dies beidseitig erwünscht wäre.
Aber das behält man besser für sich – die Gefahr eine wild um sich küssende Generation von jungen Männern heranzuziehen ist ja doch zu groß – und eine niedrige Geburtenrate, die mögliche Folge einer Gesellschaft der Ungeküssten, ist ja bekanntlich gut fürs Klima.
Ein Ende wie eine Werbung von „United Colors of Benetton“
Abgerundet wird der Film dann in einer seiner letzten Einstellungen, als plötzlich lauter Meerjungfrauen und –männchen aus dem Meer auftauchen und das Happy End herbeiwinken. Besagte Szene gab es auch im animierten Original – dort passte sie allerdings besser rein, als in den Realfilm, in dem sie eher wirkt wie eine deplatzierte Werbung für die „United Colors of Benetton“-Bademode.
All dies macht „Arielle, die Meerjungfrau“ zu einem Paradebeispiel der woken Neuverfilmungen – das einen Teil der bislang gezeichneten Figuren nun durch Menschen aus Fleisch und Blut ersetzt, dabei aber leider ziemlich blutleer wirkt.
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