Mit ihrem Wahlaufruf schaden die Kirchen sich selbst – und nutzen der Demokratie nicht
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In der letzten Woche vor den Bundestagswahlen geben die Parteien alles. Auch die Kirchen lassen sich nicht lumpen. Auch sie sind Partei geworden. Ihre Spitzenvertreter stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Wie ruft man zur Wahl der Grünen auf, ohne ausdrücklich zur Wahl der Grünen aufzurufen?
Die aktuelle Folge „Kissler Kompakt“ sehen Sie hier:
Formal steht man über den Parteien. Und so ist nun ein Meisterwerk der subtilen Anbiederung entstanden, ein „Gemeinsamer Aufruf“ zur Wahl. Wer ihn liest, kann nur zu einem Schluss kommen: Die deutschen Kirchen wollen eine linke Politik.
Ohne geistlichen Impuls
Wovon reden wir, wenn wir von den deutschen Kirchen reden? Gemeint sind jene Großinstitutionen, die von der Kirchensteuer profitieren und die sich in Konzerne der Mildtätigkeit verwandelt haben. Die römisch-katholische Kirche also mit der Bischofskonferenz und deren Vorsitzendem Georg Bätzing. Die evangelische Kirche mit ihrem Rat und dessen Vorsitzender Kirsten Fehrs.

Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD
Bätzing und Fehrs haben den „Gemeinsamen Aufruf“ unterzeichnet und den orthodoxen Erzpriester Radu Constantin Miron dazu gebeten, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Drei Geistliche zeichnen also verantwortlich für den „Gemeinsamen Aufruf zur Wahl des 21. Bundestages.“
Die Überschrift ist Programm, der Inhalt verfolgt eine Mission. Doch weder die Überschrift noch der Inhalt sind von einem geistlichen Impuls getragen. Die Kirchen politisieren, weil sie kaum noch etwas anderes beherrschen. Die geistliche Sprache kam ihnen – von Ausnahmen abgesehen – ebenso abhanden wie die Bereitschaft zur Seelsorge. Wer gar nach Seelenheil fragt, muss zu alten Büchern greifen.
Eigennutz und Nächstenliebe
Der „Gemeinsame Aufruf“ der Kirchensteuerkirchen trägt die Überschrift: „Einstehen für unsere Demokratie“. Wenn man schon für Demokratie einstehen will: warum muss es „unsere Demokratie“ sein? Offenbar ist die Demokratie der anderen nicht gemeint – und die anderen sind all jene, die politisch nicht ganz so weit links positioniert sind wie die Kirchensteuerkirchen.
An ihrer Agenda lassen Bätzing, Fehrs und der dazu gebetene Miron keinen Zweifel: „Unser Land“, heißt es, „muss einer humanitär orientierten Flüchtlingspolitik und einer guten Integration von Zuwanderern verpflichtet bleiben.“ Das aber bedeutet: Die großen Kirchen mit ihren angeschlossenen diakonischen und caritativen Werken wollen weiterhin Flüchtlingsheime betreiben und Integrationskurse anbieten dürfen.
Robert Habeck freut das
Kirchen, denen sonst kein moralischer Imperativ über die Lippen kommt, erklären mit großem Getöse, was sein muss: „Unser Land darf beim Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht nachlassen. (…) Unser Land muss auch weiterhin den Blick auf die globalen Erfordernisse und Nöte richten und zur Überwindung von Armut und Unterdrückung in aller Welt beitragen. (…) Unser Land muss Teilhabe und Gerechtigkeit im Blick halten. (…) Bitte wählen Sie Parteien, die sich für unsere Demokratie einsetzen!“

Robert Habeck, Kanzlerkandidat der Grünen
Und natürlich wird vor sogenannten autoritären Kräften gewarnt und vor sogenannter gezielter Desinformation. Robert Habeck hätte es nicht schöner formulieren können.
Ein Relikt namens Kirchensteuer
Die Kirchen fordern letztlich, dass die Parteiprogramme der Grünen und der SPD weiterhin das Regierungshandeln bestimmen. Die Kirchen begnügen sich damit, Lautverstärker der Linken zu sein. Sie tun alles, um nicht als Kirchen, sondern als linke Vorfeldorganisationen wahrgenommen zu werden.
Weil das alles so ist und weil das schon lange so ist, erhebt sich eine einzige Frage: Warum halten die Kirchen am Kirchensteuersystem fest? Die evangelische und die römisch-katholische Kirche sollten ihren Mitgliedern einen letzten Dienst erweisen und sich wie jeder weltanschauliche Verein finanzieren: mit freiwilligen Spenden. Nichts ist so sehr aus der Zeit gefallen wie die Kirchensteuer.
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