Bundestrainerin will trotz WM-Pleite weitermachen: Verantwortung ist in der Gesellschaft zum Auslaufmodell geworden
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Das Übernehmen von Verantwortung liegt leider nicht im Trend. Der deutsche Fußball ist dafür ein gutes Beispiel, wobei „gut“ nur das Beispiel ist, nicht der Vorgang: Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg will trotz der WM-Pleite weitermachen, sagt sie. „Ich bin noch nie weggelaufen, wenn es schwierig wird.“
Was uns hier als Mut und Tatkraft verkauft werden soll, ist Chuzpe, wenn man es nett formulieren will und eine Frechheit, wenn man es nüchtern betrachtet. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um den Frauen-Fußball oder die serienweise verlierenden Herren handelt oder Politiker, die nach handfesten Pleiten so tun, als sei es besonders heldenhaft, Top-Gehälter und Pensionsansprüche im Dienste der Sache weiter einstecken zu wollen.
Mir persönlich ist es egal, ob die Frauen-Bundestrainerin weitermacht. Es geht um das Prinzip und die verschleiernde Wortwahl. Um es mal klar zu sagen: Wer Mist gebaut hat oder an einer Aufgabe gescheitert ist, hat erstens nicht festzulegen, ob er seinen Führungsposten behält, sondern allenfalls mit erkennbarer Demut zu signalisieren, dass er bereit wäre und sich zutraut, den Schaden wieder gutzumachen. Und zweitens schon gar nicht in einer öffentlichen Vorbildfunktion die völlig absurde und im Grunde fremdscham-peinliche Botschaft auszusenden, als sei der Weiterbezug von Privilegien eine gesellschaftliche Heldentat.

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Es hat sich leider in den zurückliegenden Jahren eine Unkultur der Dreistigkeit gerade in Führungspositionen breitgemacht, die dem normalen Bürger vorlebt, wie man sich ausgerechnet in Spitzenposten selbst nach Fehlleistungen schamlos weiter selbst bedient und das auch noch mit einem mehr als dürftigen, durchschaubaren Moral-Mäntelchen verhüllt.
Wir brauchen keine überzüchtete Kultur der Ehre
Wer käme im Straßenverkehr nach einem verursachten Unfall auf die Idee, dem Polizeipräsidenten mitzuteilen, man wolle die Verantwortung übernehmen und trete das Fahrverbot nicht an, weil man nicht weglaufen werde, wenn es schwierig wird?! Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die verlotternden Sitten gerade von Eliten, wenn offenbar überhaupt kein Verständnis mehr dafür da ist, dass nach einer Pleite, einer nicht erbrachten Leistung, die zur Jobbeschreibung gehört, erst einmal Denkpause und Demut angesagt sind, statt jobsichernder Großsprecherei.
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Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir brauchen keine überzüchtete Kultur der Ehre und des gesellschaftlichen Harakiri nach japanischem Vorbild. Wer scheitert, darf und muss auch wieder aufstehen und neue Chancen bekommen. Die Nonchalance mit der sich Politiker, bestens abgefederte Manager und eben auch Funktionäre im Spitzensport inzwischen selbst Vertragsverlängerungen, Beförderungen und Schuldfreistellung nach Minderleistung zusprechen, sollte nicht zum gesellschaftlichen Standard werden.

Abfahrt nach Hause: Martina Voss-Tecklenburg, Bundestrainerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, steigt in den Teambus ein.
Wer den Sport als Vorbild für Leistungskultur pflegen will, der muss auch wenigstens die Grundbegriffe von Anstand und Moral ins Schaufenster stellen. Wir brauchen keine Kultur der Gnadenlosigkeit und Vernichtung, wir brauchen aber ebenso wenig eine Kultur der Selbstermächtigung und auskömmlichen Folgenlosigkeit von Fehlleistung auf Spitzenposten.
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Im Gegenteil: In herausgehobener Stellung darf die Gesellschaft mehr Demut vor dem Privilegium des Top-Postens erwarten und nicht weniger. Dreiste Selbstbediener gibt es schon genug.
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