Berliner Traditionslokal „Loretta am Wannsee“ muss schließen: Lasst unsere schönen Kneipen leben!
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Wer da rein ging, wollte nie wieder raus: Das Ausflugslokal „Loretta am Wannsee“ – jahrzehntelang das coolste Haus im Berliner Südwesten, Edelkneipe vom Feinsten. Vom Wannsee kamen die Dampferfahrer und Ruderer, Fahrradfahrer aus ganz Berlin kehrten ein, Touristen kamen aus allen Kontinenten. Nun muss das Gasthaus mit den 1200 Plätzen im Garten schließen, wie die Berliner BZ meldet.
Die Gründe nennt Pächter Steffen Kirchner: Inflation, Energiekosten, fehlendes Personal und vor allem – die wieder auf 19 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer. „Es trifft jetzt leider zu, was wir ein Jahr lang befürchtet hatten“, sagt Thomas Lengfelder, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). „Wir hatten die schwere Corona-Krise, Inflation und jetzt auch noch die Mehrwertsteuer-Erhöhung.“

Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V. Berlin (Dehoga), auf der Terrasse des Restaurants Ständige Vertretung in Berlin Mitte.
Adieu Kneipe?
Wie traurig: Es gibt immer weniger Gaststätten, immer weniger Kneipen. Und die, die es noch gibt, werden mit 19 Prozent Mehrwertsteuer gepeinigt. Seit Jahrzehnten sind Kneipen Treffpunkt, Zuflucht und Glücksort zugleich. Flaschensammler trifft Häusermakler, Fußballfan trifft Damenrunde. Prost, Kneipe! Andreas Rock, Chef der deutschen Traditionsbrauerei Ziegler: „An Kneipentischen entstehen Ideen, verlieben sich Menschen.
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In Restaurants belohnen sich Familien mit schönem Essen. Schluss mit Geselligkeit ist Schluss mit Made in Germany.“ Nach Branchenberechnungen sind zurzeit mehr als 15.000 Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés insolvenzgefährdet – das sind 12,6 Prozent der analysierten Betriebe. Immer wieder genannte Begründung: die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent.

Eine Institution in Berlin: der Biergarten Loretta am Wannsee
Besonders schlimm ist das Kneipensterben auf dem Land – jede vierte Gaststätte musste in den letzten Jahren schließen. Allein in Niedersachsen sind in den letzten 20 Jahren 40 Prozent aller Gasthöfe verschwunden – und mit ihnen ein besonderes Lebensgefühl, das es nur dort gab und gibt. Früher war die Kneipe das Herzstück der Dorfgemeinschaft. Heute kommunizieren die Menschen lieber über soziale Medien, und Kaffee trinken sie „to go“. Der gute alte Kegelabend – Vergangenheit!
Und doch: Was eine Kneipe ausmacht, hat sich tief in unsere Seelen eingebrannt, weiß mein gesunder Menschenverstand. Mein Kollege Jan formuliert es so: „Kneipe – das ist Zapfhahn, Tulpenglas, Spielautomat, Wohnzimmer. Die Welt verändert sich, die Kneipe bleibt.“
Hoffentlich behältst du Recht, lieber Jan.
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