Der einsame Corona-Tod im Krankenhaus: Die Würde des Menschen wurde 312.897 mal angetastet
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Der wichtigste Satz des Grundgesetzes steht ganz am Anfang unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Diese sechs Worte sind die Grundlage unseres Zusammenlebens, es ist eine unverrückbare Selbstverpflichtung, wie der Staat auf uns Bürgerinnen und Bürger zu blicken hat: Egal, wie schlimm die Krise ist, egal wie groß die Not – der Staat und seine Institutionen dürfen die Würde des Menschen nicht antasten.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – dieser wunderbar wichtige Satz ist seit der Corona-Krise nichts mehr wert. Er wurde mit Füßen getreten von unseren Regierungen – erst die Große Koalition, dann die Ampel. Sie haben sich während der Pandemie jeder Kritik verwehrt und entziehen sich jetzt jeder Verantwortung.
Besuchsverbote waren wichtiger waren als die Würde des Menschen
Während der Corona-Krise sind 312.897 Männer, Frauen und Kinder in deutschen Krankenhäusern gestorben, ohne dass ihre Angehörigen sich von ihnen verabschieden konnten. Und umgekehrt. Die Würde des Menschen – sie wurde 312.897 mal angetastet, weil der Regierung Besuchsverbote im Krankenhaus wichtiger waren als ein würdevoller Tod. Die Zahl berichtet die Welt unter Berufung auf Krankenhausdaten des Abrechnungsportals INEK, die während der Lockdowns erhoben wurden.

Eine ältere Frau schiebt ihren Rollator.
Brisant: Weder die Regierung damals noch die heute will davon etwas wissen. Sie interessiert sich nicht für das staatliche Versagen. Eine Anfrage des BSW-Politikers Andrej Hunko an das Gesundheitsministerium lief ins Leere: „Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele dieser Menschen einem Besuchsverbot unterlagen, sodass keine angemessene Verabschiedung durch Angehörige stattfinden konnte?“, wollte Hunko wissen. Die Antwort aus dem Ministerium, das während der Pandemie von Jens Spahn (CDU) und jetzt von Karl Lauterbach (SPD) geleitet wird: „Nein, darüber hat die Bundesregierung keine Kenntnis.“
Der einsame Tod: für die Politik bis heute uninteressant
312.897 Menschen, die einsam sterben mussten und deren einsamer Tod die Politik bis heute nicht interessiert. Wohlgemerkt – wir sprechen hier nur über Krankenhäuser, nicht über Alten- und Pflegeheime, in denen ebenfalls rigorose Besuchsverbote durchgesetzt wurden. Hunderttausende Familien kennen diesen Schmerz, sich nicht von ihren Eltern, Geschwistern oder Freunden verabschiedet zu haben. Ich teile ihn. Im Januar 2021 ist mein Onkel im Altenheim verstorben. Wir durften nicht mehr zu ihm.

Viele Personen mussten in der Corona-Zeit alleine sterben.
Damals habe ich geschrieben: „Peter wusste wegen seiner Demenz nicht, warum er so einsam sterben musste. Er hat nicht verstanden, warum ihn am Ende keiner mehr besucht hat. Ihn schon vorher niemand mehr umarmt hat. Warum auf einmal alle eine Maske trugen. Und was diese Beatmungsmaschine soll. Peter wurde aggressiv. Vielleicht dachte er, dass wir ihn vergessen haben. (…) Als Angehöriger keinen Abschied nehmen zu können, fühlt sich hilflos an. Aber sich auf dem Sterbebett allein gelassen fühlen – das ist einfach unwürdig.“
Der Text wurde in BILD gedruckt, die Reaktionen waren bemerkenswert: Hunderte Leser meldeten sich bei mir, schilderten ähnliche Geschichten. Sie waren in ihrer Trauer unfassbar wütend auf die Regierung. Sie konnte nicht fassen, dass das in Deutschland möglich sein könnte.
In diesen Tagen ist bei mir das Grundvertrauen in den Staat verloren gegangen. Hätten Sie mich vor der Corona-Krise gefragt, wie stabil die Lage der Grundrechte in Deutschland ist, hätte ich gesagt: In keinem Land, das ich kenne, fühle ich mich besser vor dem Staat geschützt. Dieser Satz geht mir heute nicht mehr über die Lippen. Das Gegenteil ist der Fall: Corona hat mir gezeigt, dass selbst das heiligste aller Grundrechte nichts mehr wert ist, wenn die Regierung es will.
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