Die Hälfte des Jahres arbeiten wir für den Staat: Wir brauchen einen Robin Hood, der uns vom Steuer-Wahnsinn befreit!
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Jedes Kind kennt den Mann, der vermeintlich von den Reichen nimmt und es den Armen gibt: Robin Hood.
Würde eine Umfrage durchgeführt werden, hätte wohl fast niemand etwas gegen Robin Hood. Moralisch einwandfrei, mutig, durchsetzungsstark. Zeigt es den Reichen mal so richtig. Wer kann das nicht mögen? 2021 sah die Linke sich explizit als „Robin-Hood-Partei“, da sie die Superreichen endlich zur Kasse bitten und von oben nach unten umverteilen wollte. Aber diese Interpretation der Geschichte ist grundfalsch. Bei Robin Hood geht es um Tyrannen in staatlicher Position, die normal arbeitende Bürger bis zum geht nicht mehr steuerlich ausbeuten. Es geht eben um Robin Hood, der das Geld für die Steuerzahler zurückholt. Von den Steuereintreibern. Robin Hood ist kein Linker. Er ist ein Libertärer, ein radikaler Freiheitskämpfer. Zumindest in Steuerfragen. Seine Positionen zu Drogenlegalisierung oder Homo-Ehe sind mir ehrlicherweise nicht bekannt. Immerhin ein liberales Waffenrecht dürfte er befürworten.
Freilich geht es den deutschen Steuerzahlern nicht so miserabel wie den vom Sherriff von Nottingham bis aufs letzte Hemd ausgebeuteten Menschen. Aber die hiesige Abgabenlast ist doch weitaus dramatischer als viele denken.
Der Median-Bruttolohn liegt bei 3653 Euro. Das Arbeitgeberbrutto, der echte Bruttolohn, der auch die Sozialabgaben des Arbeitgebers für seine Mitarbeiter einbezieht, beträgt in dem Fall 4400 Euro. Gar nicht schlecht. Bedauerlicherweise gehen von diesem Bruttogehalt stolze 2023 Euro durch Steuern und Abgaben an den Staat. Beim Arbeitnehmer landen 2377 Euro. 46 Prozent muss er direkt abgeben. Damit arbeitet er schon mal die Hälfte des Jahres, vom 1. Januar bis Mitte Juni, jeden einzelnen Tag, direkt für den Staat.

Die Hälfte des Jahres arbeiten wir für den Staat – da macht die Steuererklärung noch mal mehr Spaß …
Leider ist das bei weitem nicht das Ende der Geschichte. Da sind noch keine Rundfunkgebühren dabei, keine CO2-Steuer, keine Mehrwertsteuer, all die Verbrauchsteuern fehlen. Bürokratische Regulierung und Besteuerung von Unternehmen wird natürlich auf die Kunden umgelegt. Ebenso sorgen Steuern, Regulierung und Bürokratie durch Angebotsverknappung für unnötig hohe Mietkosten. Der Strompreis ist dank genialster Energiewende einer der höchsten der Welt. Auch die vom Staat gewollte Inflation muss zur Abgabenlast gezählt werden. Darüber hinaus kostet, wie könnte es anders sein, jeder staatlich erzwungene Gang zum Bürgerbüro Geld. Falls der Arbeitnehmer doch mal was übrig haben sollte und Geld investiert, darf er den Gewinn nochmal versteuern. Selbst wer nach jahrelangem sparen ein Eigenheim erworben hat, muss Grundsteuer zahlen und darf das Haus bald teuer sanieren, damit er es behalten darf. Eigentlich das Gegenteil von Eigentum, oder?
Die Kosten dieses endlosen Griffs ins Portemonnaie der Bürger exakt zu taxieren ist fast unmöglich, selbst eine Annäherung würde den Rahmen sprengen. Sicherlich sorgt sie aber dafür, dass der Median-Arbeitnehmer nicht nur bis Frühsommer 160 Stunden pro Monat allein für Vater Staat arbeiten geht, sondern bis in den Spätsommer oder frühen Herbst hinein. Das ist die traurige Realität in Deutschland.
In Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm“, dessen Geschichte im 18. Jahrhundert spielt, regt der Parfümeur Giuseppe Baldini sich über die gewaltige Steuerlast seiner Zeit auf: „300.000 Livres kostet so ein Kriegsschiff gut und gerne, und versenkt ist es in fünf Minuten mit einem einzigen Kanonenschuß, auf Nimmerwiedersehn, bezahlt von unseren Steuern. Den zehnten Teil auf alle Einkünfte verlangt der Herr Finanzminister neuerdings, und das ist ruinös, auch wenn man diesen Teil nicht zahlt, denn schon die ganze Geisteshaltung ist verderblich.“ 10 Prozent Steuern, ruinös und verderblich. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ganz real ging es, ebenfalls im 18. Jarhrhundert, bei der amerikanischen Revolution gegen die Briten auch nur um ein paar Prozentpünktchen Steuerbelastung ohne aqäquate Gegenleistung.
Heute ist die Belastung ein Vielfaches des damals als skandalös empfundenen. Das Ausmaß der Steuergeldverschwendung, die schlechte Qualität der staatlichen Gegenleistung ist natürlich auf einem vergleichbaren Niveau geblieben. Wer das bestreitet, kann sich ja mal ehrlich fragen, wann er das letzte Mal, als er über eine deutsche Straße fuhr, von seinen Kindern Geschichten aus der Schule hörte, auf seinen Rentenbescheid blickte oder seine Stromrechnung bezahlte, himmelhoch jauchzend gedacht hat: „Man, das hat der deutsche Staat aber wieder super hinbekommen, dafür zahle ich gerne mehr als 50 Prozent Steuern und Abgaben.“

Bundesschatzmeister unter sich: Finanzminister Lindner mit seinem Chef, Amtsvorgänger und Kanzler Scholz
Wie kann es eigentlich sein, dass Menschen der Vergangenheit schon über ein paar Prozentpunkte Steuerbelastung empört waren, gar Revolutionen starteten, Millionen Menschen der Gegenwart hingegen weit über die Hälfte des Jahres für den Staat arbeiten, ohne darin ein fundamentales Problem zu erkennen? Und viele noch nie einen derart staatskritischen Gedankengang wie eben beschrieben hatten? Es liegt an Verschleierung und zermürbender Gewöhnung. Das erste Problem ist die geschickte, kriminell geniale Verschleierung der realen Belastung durch den Staat. Der Verteuerungseffekt aller staatlichen Handlungen ist kaum greifbar. Zudem ist das „Arbeitgeberbrutto“ eines der effektivsten Instrumente aller Staatsgläubigen. Es führt dazu, dass Millionen Arbeitnehmern gar nicht bewusst ist, wie viel der Arbeitgeber eigentlich für sie zahlt. Und wie wenig insgesamt bei ihnen ankommt. So wird nicht etwa dem Staat die Frage gestellt, warum er so viel wegnimmt, sondern der Arbeitgeber ist der Schuldige, weil er zu wenig überweist. Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten. Nützlicherweise neigen Menschen, die denken, dass sie gar nicht so viel an den Staat abgeben, dazu, den Staat nicht allzu kritisch zu betrachten.
Das zweite Problem ist der Gewöhnungseffekt. Gäbe es außerhalb unserer heutigen Realität eine Volksabstimmung über ein Steuersystem, so hätte niemals ein Vorschlag die Chance auf eine Mehrheit, der eine derartig hohe Abgabenlast beinhaltet. Aber Menschen können sich schlicht an alles gewöhnen, das nutzt der Staat aus.
Die Mehrwertsteuer lag anfangs bei 10 Prozent Prozent. Heute bei 19 Prozent. Der Solidaritätszuschlag sollte nur für kurze Zeit gelten. Haha. Für die CO2-Steuer wurde als Ausgleich ein Klimageld versprochen. Witz des Jahrhunderts. Die Schaumweinsteuer sollte die kaiserliche Marine mitfinanzieren. Einen Kaiser gibt es seit über 100 Jahren nicht mehr, die Schaumweinsteuer natürlich schon noch. 1965 musste noch das 15-Fache (!) des Durchschnittslohns verdient werden, um in den Spitzensteuersatz zu rutschen. Heute genügt schon das 1,5-Fache. Wer schlagartig eine 5-Prozent-Mehrbelastung einführt, hat erst Millionen Demonstranten auf der Straße und wird dann abgewählt. Wenn diese hingegen schrittweise, gemächlich, immer mit scheinbar wohlmeinenden Worten begründet, über die Jahre geschaffen wird, funktioniert es. Weil die ohnmächtige Bevölkerung zumeist weder Zeit noch Lust hat, wegen einer 0,5-Prozent-Mehrbelastung vehement zu protesieren. Dann wird sich im Status Quo eingerichtet und es fehlt jede Fantasie, dass es auch anders gehen könnte.

Kleiner historischer Exkurs: Die „Kladderadatsch“-Karikatur zeigt den Streit zwischen Sozialdemokraten und Befürwortern der Schaumweinsteuer. Die Steuer gilt bis heute …
Meine These ist, dass die Mehrheit der Bürger, würde sie die reale Belastung und die schlechte Gegenleistung wirklich bewusst wahrnehmen, für eine Maximalabgabenlast von weit unter 50 Prozent wäre. Wahrscheinlich nahe an die 25 Prozent. Mehr als die Hälfte, die Hälfte oder auch nur fast die Hälfte des Jahres für den schlechtesten Dienstleister der Geschichte, den Staat arbeiten, das verletzt einfach das Gerechtigkeitsempfinden der allermeisten Aufgeklärten. Deswegen braucht Deutschland einen Robin Hood, beziehungsweise die Parteien und Journalisten sein steuerpolitisches Gerechtigkeitsempfinden, seinen Freiheitsgeist. Ein Geist, der zum einen auf dieses moralisch bankrotte System hinweist, die Bürger über die reale Belastung aufklärt, zum anderen aber auch den Mut hat, es radikal zu bekämpfen.
Um dann von den Mächtigen, den Superreichen zu den Geschröpften umzuverteilen. Das im Übermaß gestohlene Geld des Staates zu den fleißigen Bürgern zurückzuverteilen. Denn die können damit in freier, marktwirtschaftlicher Interaktion miteinander besser umgehen als ein paar Politiker am grünen Tisch in Berlin, die planwirtschaftlich dirigieren. Die Umsetzung einer solch radikalen Steuerreform in Verbund mit dem Rückbau des ineffizienten, wohlstandverhindernden Nanny-Staats wäre ein freiheitlicher Befreiungsschlag, der in der deutschen Geschichte nur mit der Einführung der Sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig Erhard vergleichbar wäre. Mit dem, von Olaf Scholz versprochenen, neuen Wirtschaftswunder inklusive. Nur diesmal käme es wirklich.
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