Die Leistungsgesellschaft schafft sich ab
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Dass ohne Leistungsbereitschaft in der Gesamtgesellschaft unser Wohlstand langfristig nicht zu halten ist, dürfte jedem verständlich sein und muss eigentlich nicht ständig wiederholt werden. Tatsächlich scheint dieses Mantra aber noch nicht bei jedem angekommen zu sein. Besonders nicht – und das ist das Problem – bei den aus unserer Mitte gewählten Volksvertretern.
Im Ernst: Deutschland steht wirtschaftlich so schlecht da wie seit Jahrzehnten nicht. Immer mehr Insolvenzen, Abwanderung von Schlüsselindustrien und Facharbeitskräften ins attraktivere Ausland. Wir sind dabei, vom ehemals Klassenbesten bis in die hinterste Reihe durchgereicht zu werden.
Gleichzeitig aber wächst bei uns das Anspruchsdenken: Dadurch, dass sich unser Sozialsystem immer besser und vor allem leichter nutzen lässt, um die eigene Leistung möglichst zu umgehen, ist der Ehrliche der Dumme und derjenige gewinnt, der es am besten versteht, die Systeme zu seinen Gunsten zu nutzen.
Facebook, Instagram und Twitter tun ihr Übriges, um Selbstüberhöhungsparolen zu verbreiten wie „Lebe Deinen Traum“ oder „Fake it, until you make it“… Diese Sätze verfangen leider bestens bei denen, die am wenigsten zu ihrer Verwirklichung fähig sind.
Es scheint wie eine Blase, wie der Filter beim Instagram-Selfie: Aus dem hässlichen Entlein wird durch ein paar Klicks ein Schwan – falsche Wimpern oder ein paar Liegestütze pimpen den Rest. Die Realität wird geschönt und wird – schwupps – zur neuen Realität.
Dass fleißige Arbeitnehmer ihre „Work-Life-Balance“ prüfend im Auge haben und das „Home-Office“ seine Hochzeit erlebt – völlig in Ordnung. Aber es ist eben die „Work-Life-Balance“ und nicht die „Life-Life-Balance“. Und in „Home-Office“ dominiert das „Office“ und nicht das „Home“.
Die wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Julia Klöckner, hat es so ausgedrückt: „Weniger arbeiten, weniger Wettbewerb, weniger Anstrengung – dafür mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Wohlstand. Das wird nicht lange gut gehen.“ Sie hat recht: Leistung und Anstrengung sind weder unmenschlich noch eine kalte kapitalistische Erfindung. Sie sind Voraussetzung dafür, eine Gesellschaft stabil und auf einem Wohlstandsniveau halten zu können.

Julia Klöckner
Dass Familienministerin Lisa Paus das Entlastungspaket blockiert, das Wirtschaftsminister Christian Lindner geschnürt hat, um die Wirtschaft mit neuen Perspektiven zu versehen und einen Sozial-GAU zu verhindern, spricht eine deutliche Sprache. Woher soll denn das Geld kommen, das mit Hochdruck in die Sozialsysteme gepumpt wird, wenn nicht aus den Steuerzahlungen und Sozialabgaben von Industrie und Mittelstand?

Christian Lindner und Lisa Paus
Natürlich wünschen wir uns Sicherheit, gerade für die Kleinen. Aber wie sollte denn eine von der SPD geforderte Kindergrundsicherung nachhaltig funktionieren, wenn auf der anderen Seite alles dafür getan wird, dass die Mittel versiegen, die sie tragen sollen?
Leistung sollte sich wieder lohnen, das Streben nach einer besseren Zukunft belohnt werden. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Leistungsgesellschaft schafft sich ab. Mit absehbaren, dramatischen Konsequenzen. Für alle.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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