Die Regierung in der Chaos-Hauptstadt glaubt ernsthaft: „Berlin hat das Potenzial, zur Blaupause für Metropolen auf der ganzen Welt zu werden“
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Im berühmten Theater „Volksbühne“ läuft zurzeit ein Stück, das man wie ein Gleichnis auf die Stadt Berlin sehen kann. Es heißt „Das Leben ein Traum“, es stammt ursprünglich vom spanischen Dichter Calderon de la Barca (1600 bis 1681) und ist in unsere Zeit versetzt. Inhalt: Ist das, was ich sehe, ein Traum oder ist es wahr?
Ich habe das Stück gesehen und musste zwangsläufig an Berlin denken. Genauer an das, was der Wirtschaftsstaatssekretär Michael Biel (SPD) gerade über die deutsche Hauptstadt von sich gegeben hat. Es sind Sätze, die so weit von der Wirklichkeit entfernt sind, dass sie eigentlich auf eine Theaterbühne gehören – als böser Traum.
Wie weltfremd kann man sein?
Biel wörtlich: „Berlin hat das Potential, zur Blaupause für Deutschland und die Welt zu werden.“ Und: „New York, Tokio, Rio, London – die werden sich alle eines Tages Berlin zum Vorbild nehmen.“

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Wie weltfremd kann man sein, um solche Sätze zu sagen? Der Mann ist Wirtschaftsstaatssekretär – er sollte wissen, was er behauptet. Er meldete sich in der Online-Plattform Watson zu Wort. Zum Beispiel sagt er dort: „Berlin ist ein Zugpferd, das benennen wir auch deutlich.“ Er spricht von einem einzigartigen „Start-up Ökosystem“. Wenn jemand solche Sätze in einer Kneipe sagt, mag man gutmütig nicken. Ich als Berliner habe aber kein Verständnis für so viel Angeberei eines Politikers.

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Eine unerfreuliche Bilanz
Hier ein paar Fakten, die belegen, was die Realität ist – und ich meine nicht die von Staatssekretär Biel:
- In Berlin fehlen mehr als 320.000 Wohnungen.
- Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung gibt es in Berlin rund 17.000 Kitaplätze zu wenig. Um den Betreuungsbedarf zu decken, müssten 3.800 Fachkräfte neu eingestellt werden.
- In den Berliner Schulen fehlen 1.460 Lehrkräfte.
- Berliner Verwaltungen sind völlig überfordert. Beispiel Marzahn-Hellersdorf: Hier gehen 48,3 Prozent der Mitarbeiter in den nächsten acht Jahren in Rente. Ersatz wird verzweifelt gesucht.
- Verkehr: 2021 standen Fahrzeuge insgesamt 90.854 Stunden in Staus, die sich auf 140.728 Kilometer Länge erstreckten.
- Berüchtigt und weltberühmt ist das Versagen beim Berliner Flughafen (BER). Er sollte in fünf Jahren Bauzeit fertig sein – es wurden 14 Jahre. Kosten für den Steuerzahler: sieben Milliarden Euro, fünf Milliarden Euro mehr als ursprünglich geplant.

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Eine unerfreuliche Bilanz in Zahlen. Ganz anders, als das, was der Staatssekretär Biel uns vorgaukelt. Manches funktioniert aber doch in Berlin – und das sage ich mit einem bitteren Beigeschmack. Zum Beispiel Gaslaternen, die es in Berlin noch an vielen Plätzen gibt. Seit Jahrzehnten brennen sie zuverlässig und spenden ein natürliches Licht mit warmer Flamme. Viele von ihnen haben aber einen Nachteil. Sie brennen nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Und keiner kann etwas dagegen machen.
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