Don Scholz und seine Bande: Diese Regierung ist unterhaltsamer als jedes Theaterstück
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Dass das Theatersterben in vollem Gange ist, weiß inzwischen jeder. Gründe gibt es viele: Während der Corona-Krise durften wir nicht hin, nach Corona hatten wir uns mit Prime Video, Netflix und Disney eingedeckt, sodass wir es uns in unserem Heimkino gemütlich machen konnten. Und wir haben uns daran gewöhnt.
Was aber als Sargnagel für die etablierten Bühnen hinzugekommen ist und uns „Kabale und Liebe“ täglich frei Haus liefert, ist das Berliner Sommertheater. Don Scholz und seine Bande, angetreten, die Welt zu retten. Mit Burgfräulein Annalena, die für den Frieden mit und unter den Nachbarn ihre Minnendienste leistet. Dem zünftigen Ritter Christian, der für seinen Herrn die Steuern eintreiben soll, die Graf Robert dann wieder ausgibt. Mit Marco, dem obersten Richter – mit seiner Scharfrichterin, der schönen Nancy.
Bevor ich den braven Volker als Herrn der Kutschen und Magd Lisa als Herrin der Herde annonciere, breche ich lieber ab. Zu groß ist die Versuchung, zwischen den Protagonisten irgendwelche Skandale hinzuzudichten, den schwarzen Ritter Friedrich und Lady Alice als große Gefahr für die Trutzburg ins Spiel zu bringen und der Fantasy-Saga „Game of Thrones“ Konkurrenz zu machen.

Minister Baerbock und Habeck, Kanzler Scholz
Aber es ist schon erstaunlich, was diese Regierung uns täglich bietet. Wenn die grüne Familienministerin Lisa Paus und FDP-Chef Christian Lindner öffentlich und beinahe hysterisch ihre Zwistigkeiten über Wachstumschancengesetz und Kindergrundsicherung austragen, SPD-General Kevin Kühnert Justizminister Marco Buschmann lautstark die Blockade des Mieterschutzgesetzes vorwirft und Kanzler Scholz es nicht schafft, den Kindergarten mit einem Machtwort zur Ruhe zu bringen, ist – außer der offenbaren Führungsschwäche – nur noch bedenklich, dass CDU-Chef Friedrich Merz es nicht schafft, diese Punkte für sich zu verbuchen.
Er werde alles anders machen, wenn die CDU an die Macht komme, hörten wir kürzlich im Sommerinterview. Die Cannabis-Legalisierung werde er stoppen, Habecks Heizungsgesetz kippen und andere Gesetzesvorhaben einer genauen Prüfung unterziehen. Alles große Ankündigungen. Der Funke mochte aber nicht überspringen.
Während Merz die Pässe nicht verwandelt, die ihm Rezession und Regierungskrach vor die Füße und frei vors Tor legen, feixt die AfD über ungeahnte Höhenflüge. Wenn drei sich streiten, freut sich der Fünfte.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Merz' Parteifreund Hendrik Wüst und möglicherweise wieder CSU-Chef Markus Söder im Nacken sitzen und ihn vor dem leeren Tor über die eigenen Füße straucheln lassen.

Minister Lemke, Paus, Baerbock, Habeck
Einen größeren Verlust von Contenance und Respekt haben wir seit langem nicht beobachten können. Die Ampel schafft es nicht mehr, ihre Signale zu ordnen. Kein Wunder, dass der Wähler mit Kopfschütteln nach Berlin schaut und die Reputation der Koalition nie so am Boden war.
Dass sich deutlich über die Hälfte des Wahlvolkes eine neue Regierung wünscht, ist nach der Hälfte der laufenden Legislatur nichts Besonderes. Aber dass eine Fortschrittskoalition dem vor sich her getragenen Fortschritt wegen persönlicher Befindlichkeiten so wirksam im Wege stehen kann, wird nicht zur Konsolidierung ihrer Umfragewerte beitragen.
In Meseberg treffen sich die Kabinettsmitglieder nun zur Theaterfreizeit. Mal sehen, wer die Regie übernimmt und wie die Rollen dort verteilt werden.

Ankunft zur Kabinettsklausur in Meseberg: Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und Finanzminister Christian Lindner (beide FDP)
Lesen Sie auch: „Davor kann ich nur warnen“: Machtwörtchen von Regierungschefchen Scholz
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