Esst Nutella, solange ihr noch dürft!
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Boris Becker strich es sich grinsend aufs Frühstücksbrot, unsere Fußball-Nationalmannschaft mit Kevin Kurany genoss es in den Trainingspausen, 98 Prozent aller Deutschen kennen es – Nutella, die berühmteste und meistverkaufte Nuss-Nougat-Creme der Welt.
Jetzt ist Nutella 60 Jahre alt geworden – und ist gefährdet wie nie. Der Kultbrotaufstrich der Familie Ferrero aus Alba im Piemont ist allen Ernährungsfanatikern der Welt ein Dorn im Auge, Gesundheitsexperten der EU warnen immer eindringlicher – und unser Ernährungsminister Özdemir will Werbung für Süßwaren grundsätzlich verbieten. Mein gesunder Menschenverstand sagt: Esst Nutella, solange ihr noch dürft!

Süß und fettig, am besten mit dick Butter drunter ...
Nutella ist alles, was heute nicht mehr geht: Es ist eigentlich eine Zucker-Fett-Paste, vermengt mit ein paar Haselnüssen, Milchpulver und Kakao. „Wer sich morgens zwei Scheiben Brot mit Nutella streicht, hat die von Ernährungsexperten empfohlene Tagesmenge schon nach dem Frühstück locker überschritten“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.
Nutella ist alles, was der Zeitgeist heute verbietet
Tatsächlich musste Nutella seine Werbung mehrfach ändern. In den USA durfte Nutella nicht mehr behaupten, „Teil eines nahrhaften Frühstücks“ zu sein. Die größte Kontroverse steckt im Glas selbst: Nutella besteht zu einem Fünftel aus Palmöl. Für diesen Rohstoff werden große Mengen von Regenwald gerodet, sagen Kritiker. Palmöl könne Krebs erregen, wenn es bei hohen Temperaturen verarbeitet wird, sagt die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Eine andere Kritik der Umweltschützer: Durch die große Menge von Haselnussstrauch-Plantagen (Haselnuss ist ein wichtiger Bestandteil der Nutella-Creme) verödeten in Italien ganze Landstriche. In einem 400-Gramm-Glas Nutella stecken 80 Gramm Palmöl, 50 Gramm Haselnüsse – und 56 Stück Würfelzucker, wenn man den Zuckergehalt in Würfel umrechnet.

Nutella ist Kult. Am leckersten direkt aus dem Glas ...
All dies zusammen bedeutet: Nutella dürfte heute gar nicht mehr erfunden werden, es hätte keine Chance, eine Marktzulassung zu bekommen. Aber nun ist es immer noch da – süß, fettig, wohlschmeckend. Nutella ist alles, was der Zeitgeist heute verbietet. Es ist alles, was einem schmeckt, finden Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Ich auch. Trotzdem wird Nutella behandelt, als wäre es eine Zigarette oder Alkohol.
Während ich dies schreibe, freue ich mich schon auf mein nächstes frisches Glas Nutella. Vielleicht gönne ich mir heute mal das Riesenglas. Wenn ich den Deckel aufschraube, gibt es dieses herrliche Knacken – das vergoldete Silberpapier, das Nutella frisch hält, zerreißt, wenn man das Glas öffnet. Als Experte verwässere ich den Geschmack nicht mit Brot, ich will es pur genießen. Einfach einen Löffel rein, Löffel füllen und … mmhhm.
Sollen die Spaßverderber doch morgen kommen – heute lass’ ich’s noch mal krachen!
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