Friedrich Merz ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt.
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In den unsterblichen Worten von Forrest Gump: Friedrich Merz ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.
Oder wie Christian Lindner vor wenigen Monaten geradezu prophetisch gesagt hat:
Friedrich Merz sieht sich selbst als die Lösung und die Bürger als Problem
Eine der gefährlichsten Auswirkungen von Macht ist, Dinge zu sehen, die nicht da sind, und dafür nicht mehr zu sehen, was direkt vor einem ist. Normalerweise erfasst dieses verhängnisvolle Phänomen Politiker gegen Ende ihrer Herrschaft.
Die aktuelle Folge „Achtung, Reichelt!“ sehen Sie hier:
Friedrich Merz aber ist schon am Anfang, im ersten Jahr seiner Kanzlerschaft, davon befallen. Der Mann will das Amt verändern, aber das Amt verändert den Mann – das ist fast immer so, aber nie ging es schneller als bei Friedrich Merz. Weggefährten erkennen ihn nicht wieder. Vertraute berichten, dass man sich auf ihn nicht mehr verlassen kann. Freunde glauben nicht mehr, was er sagt, und halten ihn für unberechenbar. Fast täglich erzählt er Dinge, die schlicht nicht stimmen. Nach einem halben Jahr im Amt lebt Merz in seiner eigenen Welt. Der Bundeskanzler versteht die Zeit und die Welt nicht mehr, in der er regiert, und wird zunehmend wütend auf das Volk, das sich von ihm nicht in den großen Stimmungsumschwung hinein hypnotisieren lassen will.
Friedrich Merz sieht sich selbst als überlebensgroße Schicksalsgestalt für Deutschland, was er nicht ist, und er sieht nicht, dass unsere Volkswirtschaft kurz vor dem Kollaps steht, was jeder erkennen kann, nur nicht der Bundeskanzler.
Je dramatischer die Lage, desto entkoppelter beschwört Merz die eigene historische Bedeutung, die herbeihalluzinierte und gefährliche Rolle als Erlöser der veränderungsunwilligen und sturen Deutschen. Merz macht zahllose Fehler, aber der größte ist, sich selbst als Lösung und die Bürger als Problem zu betrachten, aus seinem Wirken die egomanische Heldensaga von Friedrich gegen das Volk zu machen.
Friedrich Merz hat sich selbst verführt, besessen daran zu glauben, schon jetzt eine historische Gestalt zu sein.
Die Wohlwollenden sagen über Merz: „Er hört auf niemanden.“ Die, die schon mit ihm abgeschlossen haben, sagen: „Er hört nur noch auf Lars Klingbeil.“ Niemand in Berlin würde es wagen zu behaupten, dass der Bundeskanzler für Rat und ehrliche Botschaften noch zugänglich wäre.
In der FAZ hat Friedrich Merz ein großes Interview gegeben, weil niemand noch so sehr an die Macht der auf Papier gedruckten Zeitung glaubt, wie Friedrich Merz. Schon nach der ersten Antwort muss man schwerste Zweifel an der Selbstwahrnehmung des Bundeskanzlers bekommen:
Die FAZ fragt: Herr Bundeskanzler, als die CDU vor 80 Jahren gegründet wurde, lag Deutschland wirtschaftlich und moralisch am Boden, blickte aber mit Zuversicht nach vorn. Jetzt geht es uns relativ gut, aber wir gucken zunehmend bang in die Zukunft. In welcher Zeit ist es leichter zu regieren für einen Kanzler?
Friedrich Merz antwortet: „In aller Bescheidenheit: Vermutlich war es damals leichter. In der jungen Bundesrepublik konnte jede politische Entscheidung das Land nach der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nur besser machen. Heute beobachten wir sehr viel Angst vor Veränderungen. Viele im Land fürchten, dass es ihnen in Zukunft schlechter gehen könnte.“
Früher war alles besser
Merz denkt ernsthaft, Adenauer hatte es 1949 leichter als er heute. Zunächst einmal: Es ist historisch grotesk, ja geradezu infam, zu behaupten, Adenauer habe es 1949 leichter gehabt als Merz. Lebensmittel waren 1949 rationiert, Deutschland war immer noch eine Trümmerwüste, die Gräber waren frisch, die Scham erdrückend, die Trauer überwältigend, die Männer waren tot oder versehrt oder in Gefangenschaft, unzählige Frauen lebten mit dem Trauma der Vergewaltigung, ausgemergelte Kinder erholten sich mühsam vom Hungerwinter 47/48, Berlin wurde aus der Luft versorgt, Heizung, Strom und fließend Wasser waren noch nicht flächendeckend wiederhergestellt, Adenauer musste jede Entscheidung mit den Alliierten abstimmen, weil niemand auf der Welt den fanatischen Deutschen traute. Es war das Deutschland der Entbehrung und der Trümmerfrauen, der Schutthalden und der Sprachlosigkeit, des Entsetzens über Auschwitz und sich selbst; erst sechs Jahre später wurde Friedrich Merz überhaupt geboren.
Jeder Medienberater, der noch bei Verstand ist, hätte Friedrich Merz gesagt: Herr Bundeskanzler, das können Sie nicht ernsthaft bringen, die Leute werden denken, sie wären übergeschnappt. Aber niemand sagt Merz sowas, und wenn doch, dann hört Merz auf niemanden.
Noch entlarvender aber ist, wie Merz es begründet, dass er es schwerer habe als Adenauer: „Heute beobachten wir sehr viel Angst vor Veränderungen. Viele im Land fürchten, dass es ihnen in Zukunft schlechter gehen könnte.“
Merz behauptet, die Deutschen würden Reformen scheuen aus Sorge, dass es ihnen dadurch schlechter gehen könnte. Merz sieht das Volk als Gegner seiner übermenschlichen Mühen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die überwältigende Mehrheit der Menschen hat Angst, ihren Wohlstand zu verlieren, WEIL Bundeskanzler Merz keine Reformen durchsetzt, weil er vor Klingbeil und der SPD verzagt, weil er sich weigert, die Stimmen der Wähler zur Gestaltung des Landes einzusetzen. Die Mehrheit wünscht sich den Ausbruch aus der zerstörerischen Ideologie der letzten zehn Jahre, aber Merz behauptet stur, das Volk wäre zu bequem:
Der mutige Merz und das träge, wehleidige Volk – man kann der Realität kaum energischer entschweben
Es ist nicht weniger als ein Wunder, dass die deutsche Volkswirtschaft der wahnwitzigen Politik der Deindustrialisierung noch immer standhält. Jeden Tag stehen Millionen Menschen früh auf, um sich mit letzter Kraft der linken Agenda des Lars Klingbeil entgegenzustemmen. Wenn die Bürger nicht mehr über die Regierung nörgeln, sondern die Regierung über die Bürger, kommt jede Herrschaft an ihr Ende. Und genau da steht Friedrich Merz.
Vor wenigen Tagen sprach Friedrich Merz im Bundestag und bekannte sich noch einmal leidenschaftlich zum deutschen Untergang namens Klimapolitik:
Die sogenannten Klimaziele, zu denen Friedrich Merz sich hier noch einmal bekennt, weil er den Furor links-grüner Medien fürchtet, existieren nicht einmal mehr. Sie sind längst hinweggefegt worden von der Macht des Faktischen, von einer globalen Renaissance fossiler Energien. Für Deutschland bedeuten Klimaziele nichts anderes als vollkommen nutzlose Verarmung.
Friedrich Merz versteht die Zeit nicht mehr, in der er lebt. Das hat nichts mit dem Alter zu tun, wie Donald Trump mit seinen 79 Jahren zeigt, sondern mit der Leistungsfähigkeit des Geistes.
Merz lebt gefangen in einem Kanon der gescheiterten Gewissheiten
Corona betrachtet er als Episode, nicht als Erschütterung der Gesellschaft, als Erschütterung des Glaubens an einen Staat, der Grundrechte achtet und schützt. Alles, was bei Meinungsfreiheit außer Kontrolle ist, hält Merz für Einzelfälle, all die Durchsuchungen und Einschüchterungsprozesse. Er ist ein Opfer des Weaponized Consensus, des waffenfähig gemachten Konsens einer mächtigen Minderheit, der sich gegen Rechte und wirtschaftliche Existenz einer Mehrheit richtet. Er ist geistige Geisel der Milliarden, die in den NGO-Komplex geflossen sind und durch ständige Wiederholung auch sein Denken geprägt haben. Merz ist unfähig, außerhalb der politischen Glaubensbekenntnisse, die in Berlin jeder ablegen muss, auch nur zu denken. Es ist vollkommen unvorstellbar, dass Merz es wagen würde, auszubrechen aus einer Klimapolitik, die ein totaler Irrweg war und jeden Menschen jeden Tag ärmer macht. Lieber wohnt Merz dem Untergang bei, als sich den öko-sozialistischen Fanatikern entgegenzustellen.
Man kann es ihm vielleicht nicht mal vorwerfen: Merz kann einfach nicht denken, was man denken müsste, um das Schlimmste noch abzuwenden. Amazon baut gerade sein erstes eigenes Atomkraftwerk, um den Energiebedarf der Zukunft zu decken, Merz bekennt sich zur gescheiterten Energiewende, zu einem Land der Windmühlen. Der Mann, der Anführer in die Zukunft sein sollte, ist ein Untertan der Vergangenheit. Auf wundersame Weise erinnert Merz mich an den linken Protestsong „The Times They Are A-Changin’“ von Bob Dylan, an die Eltern, die eine neue Generation nicht mehr verstehen: „Kritisiert nicht, Mütter und Väter, was Ihr nicht begreifen könnt. Euer überkommener Weg altert rasant, geht wenigstens aus dem Weg, wenn Ihr die neuen Zeiten nicht versteht.“ Merz erinnert mich an diese Generation, die ihre Kinder per Lotterie zum Militärdienst einziehen wollte für ein Land, das seinen leuchtenden Weg längst verloren hatte.
Merz fehlt die Fähigkeit, wirtschaftlichen Kollaps und gesellschaftlichen Umbruch direkt vor seinen Augen zu sehen.
Die wohl größte Schwäche dieses Bundeskanzlers ist, dass er sich ständig hineinsteigert in Unwahrheiten, die ihm dienlich sind, und die Wahrheit meist nur aus Versehen ausspricht – und sich dann davor erschreckt, um sofort das Gegenteil zu behaupten. Nichts verfolgt Merz so energisch wie das Gegenteil seiner Überzeugungen und Versprechungen. Gegen nichts stellt er sich entschiedener als gegen das, was er eben noch selbst gesagt hat. Niemals würde er Schulden machen, was er nun tut. Niemals würde er gemeinsam mit der AfD abstimmen, was er bereits aus voller Überzeugung und mit sturer Ansage getan hat.
Sein Verhältnis zu Klingbeil ist hasenfüßig, sein Verhältnis zu den Fakten leichtfüßig.
Es ist erst wenige Tage her, da verkündete Friedrich Merz eine spektakuläre Trendwende in der deutschen Wirtschaft. Die Gesamtinvestitionen seien nicht mehr netto-negativ, also Geld wandert ab, sondern hätten sich umgekehrt. Unterm Strich fließe also wieder Geld nach Deutschland:
Das Märchen von der Trendwende
Es wäre in der Tat eine Sensation, wenn das, was der Kanzler hier verkündet, stimmen würde. In den letzten zwei Jahren sind schließlich rund 220 Milliarden Euro aus Deutschland geflüchtet. Allein, es stimmt schlicht nicht. Es ist frei erfunden. Wir haben das Kanzleramt angefragt. Erst bekamen wir die Antwort, die Worte des Kanzlers stehen für sich. Damit ließen wir uns nicht abspeisen, weil es schließlich um eine Tatsachenbehauptung geht und die Regierung Merz laut Koalitionsvertrag die Verbreitung falscher Tatsachen unter Strafe stellen will. Dann bekamen wir diese Antwort: „Die Aussage des Bundeskanzlers steht im Zusammenhang mit der Meldung der Initiative „Made for Germany“ vom 30.09.2025, wonach deren Mitgliedsunternehmen bis 2028 insgesamt 735 Mrd. Euro investieren WOLLEN. Laut Initiative umfasst diese Summe sowohl bereits geplante als auch Neuinvestitionen am Standort.“ Merz bezieht sich auf eine Absichtserklärung von Unternehmen ohne jede bindende Wirkung. Zu diesen Investitionen sagt uns das Wirtschaftsministerium: „Zu den angekündigten privaten Investitionen der Unternehmen liegen keine Vereinbarungen vor. Verbindliche Zusagen für die angekündigten Investitionen bestehen nicht.“
Friedrich Merz erfindet sich seine Welt, er sagt ständig Dinge, die nicht stimmen.
Manchmal wirkt es geradezu skurril:
Wahrheit und Fakten
Der Bundeskanzler hat ein massives Problem mit Wahrheit und Fakten, und wenn er die Wahrheit spricht, dann oft ohne Absicht. Von den kleinen Paschas über die Ausländer, die sich die Zähne machen – Merz’ berühmteste Sätze wollte er eigentlich gar nicht sagen. Vor wenigen Tagen erkannte Merz, dass sich nach einem Jahrzehnt der illegalen islamistischen Massenmigration das Stadtbild in Deutschland verändert hat:
Was Friedrich Merz da meint, ließe sich sehr leicht belegen und umfüttern. Zum Beispiel hatten wir früher im „Stadtbild“ keine kleinen Kinder, die mit Allahu-Akbar-Gebrüll Heiliger Krieg im Skaterpark gespielt haben. Jetzt aber schon:
Und hier ist das Stadtbild-Problem von Friedrich Merz: Zunächst einmal hat er vollkommen recht damit, dass man die Folgen der illegalen Massenmigration im Stadtbild sieht. Und ja, das ist ein massives Problem. Millionen Bürger fühlen sich fremd in den Städten, in denen sie aufgewachsen sind, und verlieren rasant das Vertrauen in ihren Staat, der seine Grenzen nicht schützt.
Leider spricht der Bundeskanzler Friedrich Merz Wahrheiten immer nur unkontrolliert und aus Versehen aus.
Durchdacht, vorbereitet und ausformuliert hätte er niemals den Mut dazu, zum Beispiel zu einer wirklich harten migrationspolitischen Rede im Bundestag. Politischer Mut ist bei Merz keine Eigenschaft, sondern ein unkontrollierter Impuls. Das führt dazu, dass er immer wieder apodiktische Formulierungen wählt, die seinem Amt nicht gerecht werden. Der Gedanke Stadtbild ist zu groß und zu emotional, um ihn einfach mal auf einer spontanen Pressekonferenz rauszuballern. Message Control braucht durchdachte Formulierungen. „Stadtbild“ kann man natürlich so verstehen, wie es wohl gemeint war, nämlich dass unsere Städte plötzlich dominiert sind von Shisha-Bars und jungen Araber-Gruppen. Es gibt aber eben auch ganze Stadtteile, die geprägt sind von der türkischen Arbeitseinwanderung, die ein historisches Vorbild der Integration ist.
Als Bundeskanzler kann man nicht einfach mal so sagen, dass man nach Augenschein abschieben will, zumal Abschiebung in Deutschland so katastrophal schlecht funktioniert, dass wir Lichtjahre davon entfernt sind, dadurch irgendwas am Stadtbild zu verändern. Emotional hat Merz recht, aber politisch trifft er mit seiner Aussage natürlich auch Millionen bestens integrierte Menschen, die jahrzehntelang für Deutschland gebuckelt haben. Wenn man sich die Aussagen von Markus Söder zum Stadtbild anhört, dann sind die inhaltlich sogar noch härter als bei Merz, aber sprachlich deutlich durchdachter und kontrollierter. Deswegen erschreckt Söder sich nicht ständig vor seinen eigenen Aussagen.
Wenn Merz den Mut hätte, die wichtigsten Themen und Wahrheiten des Landes in harten, aber wohlformulierten Reden auszusprechen, statt im Bundestag immer wieder unkonsumierbares Staatspolitische-Verantwortung-EU-Technokratie-Gemöhre abzuliefern, dann würde sich in ihm nicht immer wieder dieser Frust aufstauen, der dann plötzlich aus ihm herauspoltert und ihm Probleme bereitet.
Ein Bundeskanzler ist dafür verantwortlich, die wichtigsten Debatten des Landes anzustoßen, zu führen und zu formen
Das funktioniert nicht, indem man mal einen raushaut, den Pressesprecher dann zurückrudern lässt und intellektuell nicht bereit ist, einen legitimen Punkt mit Argumenten zu unterfüttern. Von Merz bleiben immer nur kurze Ausbrüche, aber nie kluge Reden in Erinnerung. Wer die Wahrheit nur aus Versehen ausspricht, dem fehlt die intellektuelle Kraft zu wahrer Gestaltung. Niemand ist von den Debatten, die Friedrich Merz anstößt, jedes Mal so überrascht wie Friedrich Merz.
Es gibt kein mulmigeres Gefühl in der Demokratie, als von Narren regiert zu werden, die sich offenkundig in ihre eigene Welt verabschiedet haben. Wenn Sie in einem Bus sitzen und auf einen Abgrund zurasen, ist es eine sehr schlechte Nachricht, wenn der Busfahrer glaubt, er könnte fliegen.
Diese Bundesregierung ist längst in ihre eigene Welt geflüchtet. Friedrich Merz sieht Adenauer gegen sich verblassen und sich selbst als historische Figur, während man ihn beim Gaza-Friedensgipfel in die hinterste Reihe neben die Topfpflanze setzt. Lars Klingbeil gibt sich als Investitionsminister aus, während Deutschland das Geld ausgeht.
Die neue deutsche Großmannssucht hat einen Namen: Friedrich, der Kleine.
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