Größenwahnsinnige Genossen: Die SPD sieht in Klingbeil den Erben von Willy Brandt – und meint das ernst
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In schweren Zeiten muss man auf den Putz hauen, na klar! Aber man kann es auch übertreiben.
Wie das geht, zeigt sich jetzt in einem Werbevideo der SPD auf Instagram. In kleinen Happen wird geschnipselt, was die 15 Prozent-Partei angeblich alles kann, was andere nicht können. Das ist leicht verdauliche Kost, etwas grotesk, aber eigentlich zum Schmunzeln (O-Ton: „Während andere nur heiße Luft produzieren, geht uns nicht die Luft aus“).
Hier sehen Sie das Video, das die SPD auf Instagram hochgeladen hat:
Dann aber, ziemlich zum Schluss des 40-Sekunden-Videos, schreckte ich geradezu hoch. Ich habe das Video noch mal abgespielt, weil ich es nicht glauben konnte. Da sieht man eine weltberühmte kurze Filmsequenz – den Kniefall von Warschau. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt kniete am 7. Dezember 1970 am Mahnmal des Warschauer Gettoaufstands nieder – eine Geste, die um die Welt ging.
Ein Vergleich, an dem alles falsch ist, was nur falsch sein kann
In dem neuen Werbevideo sieht man Brandt für zwei Sekunden. Danach einen lachenden Lars Klingbeil, einen der beiden Vorsitzenden der Partei (Saskia Esken wird in dem Video verschwiegen). Der Text lautet: „Wo einst Willy Brandt kniete, baut er (Klingbeil) eine neue sozialdemokratische Ostpolitik.“

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist.
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: An diesem Vergleich ist so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann. Lars Klingbeil, der brave Parteisoldat aus Soltau in Niedersachsen, baut gar nichts auf, vor allem keine neue sozialdemokratische Ostpolitik.
Und was ist mit dem Wort „wo“ gemeint – in Warschau (die polnische Republik wird sich freuen)? Am Mahnmal des Warschauer Gettoaufstandes – dort, wo sich jüdische Freiheitskämpfer heldenhaft gegen eine Übermacht der SS tagelang verteidigten, obwohl sie wussten, dass sie dem Tod geweiht waren?
Die SPD steht nicht mehr für das, was sie einst war
Man muss kein Fan von Willy Brandt sein, um bei einem solchen Vergleich zu erschaudern. Der Kniefall – egal ob geplant oder spontan – war historisch, wie man gerne sagt. Hier stimmt der Begriff, finde ich. An Lars Klingbeil ist nichts Historisches. Jedenfalls nichts, von dem man etwas mitgekriegt hat. Vor allem ist er kein legitimer Nachfolger von Willy Brandt. Und die SPD steht auch nicht mehr für das, was sie einst war. Für was sie eigentlich steht – ich weiß es nicht.
Wahrscheinlich ist der Werbespot auf jugendliche Zuschauer ausgerichtet. Aber auch die haben Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Ich habe nichts gegen Lars Klingbeil. Aber er ist nicht der neue Willy Brandt. Wirklich nicht.
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