Ich habe ja nichts gegen Radfahrer, aber... die Straße gehört nicht euch allein!
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Damit wir gleich auf Betriebstemperatur sind, muss man zunächst einmal ganz grundsätzlich feststellen, dass Fahrräder keine Verkehrsmittel sind, sondern Hilfsmittel für Fußgänger. „Richtiger“ Verkehr für Erwachsene muss schließlich einen Mehrwert haben: deutlich schneller sein, mehr transportieren können und weitere Distanzen überwinden als getretene Muskelkraftgefährte. So!
Das ist keine Diskriminierung, sondern entspricht offenbar auch der Weltsicht vieler Radfahrer, die sich im größten Großstadtgetümmel selbst nicht als Verkehrsteilnehmer sehen, sondern als eine Art radelnde Ausflügler, die sich freihändig und mit fetten Beats auf den mit Noise-Cancelling gekapselten Ohren heiter und beschwingt durch die Straßen treiben lassen.
Nun hat man sich als Autofahrer im Laufe der Jahre daran gewöhnt, dass die Straßenverkehrsordnung fahrzeuggebunden ist und für Radfahrer nicht gilt. Man richtet sich darauf ein, dass Kampfradler in farbenfrohen Wurstpellen diagonal über die Kreuzung geschossen kommen – und die jeweils aktuelle Ampelphase dabei eher die Funktion einer wechselnden Lichtdekoration im Stadtbild einnimmt.
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Der gutmütige Wagenlenker nimmt’s mit Gelassenheit, weist lediglich von Zeit zu Zeit darauf hin, dass ein kurzfristig herausgehaltener Arm zur Fahrtrichtungsanzeige auch bei Radfahrern keine Befehlsgewalt auf den restlichen Straßenverkehr ausübt oder vom Schulterblick befreit, ob denn die angestrebte Route überhaupt frei ist. Üblicherweise wartet derjenige, auf dessen Spur sich das zu umfahrende Hindernis befindet. Aber solche Feinheiten muss man sich von spießigen Regel-Nazis im Auto nun wirklich nicht erklären lassen und grüßt mit einem freundlichen Hieb aufs Blechdach.

Ein Fahrradfahrer rast über eine rote Ampel
Leider hat sich die handelsübliche Fahrradklingel ebenso wenig am modernen Rennrad durchgesetzt, wie funktionierende Beleuchtung an City Bikes. Das fördert natürlich die Kommunikation in der anonymisierten Großstadt, und wenn man unversehens von hinten angeschrien wird („Halllooo!“), fühlt man sich auch gleich als Bürger und Mitmensch wieder angesprochen.
Wenn allerdings wieder einmal schwarze Radler auf schwarzem Rad in schwarzer Nacht vor mir unterwegs sind, können sie sich auf meinen Wildwarner verlassen, der alles mit einer Temperatur von 37 Grad per Infrarotsensor aufspürt und im Verein mit dem Bremsassistenten sogar selbstständig in die Eisen geht, wenn ich zu langsam bin. Wie viele Menschenleben diese Technik schon gerettet hat, habe ich nicht gezählt. Es waren jedenfalls mehr als das eine Reh und der Fuchs von letzter Woche.
Bitte Abstand halten!
Eine hübsche Gedulds- und Konzentrationsaufgabe hat man als Autofahrer auch zu lösen, wenn sich Radfahrer nach einem undurchschaubaren Zufallsprinzip auf Fahrbahn, Rad- und Fußweg verteilen, um im ungeahnten Augenblick überraschend hervorzuschießen, wenn man zwei Spuren Autoverkehr und Fußgänger so weit im Blick hat und denkt, die Fahrbahn sei frei. Das Ganze gern auch in Kreisverkehren, wo die verschiedenen Verkehrsmittel in kreisrunden Umlaufbahnen wie ein verwirrendes Geschwirr von Planeten rotieren.

Ein Radfahrer fährt an abgestellten E-Rollern vorbei.
Und wenn endlich keine Autos, Radfahrer oder fröhlich illegal doppelt besetzte E-Scooter mit Bierflasche mehr die Vorfahrt beanspruchen, wird der Zebrastreifen in der Nebenstraße von einem Genuss-Schlenderer in Anspruch genommen, der das städtische Leben mal so richtig genüsslich auf sich wirken lassen will und der schlimmen Alltagshektik den Kampf angesagt hat.
Warum allerdings manche Radfahrer die empfohlenen 1,50 Meter Abstand zu meinem Auto nicht einhalten, kann ich mir auch nicht erklären. Ein richtiges Verkehrsmittel hat wohl doch seinen Reiz…
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