Ich will mich nicht für meinen Kanzler schämen müssen!
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Es ist schon ein paar Tage her, aber die Szene geht mir nicht aus dem Kopf. Bundeskanzler Scholz spricht mit Bürgern bei der RTL-Sendung „Am Tisch mit Olaf Scholz“. Einer der drei Gäste, er heißt Michael Kyrath, ist der Vater von Ann Marie (17). Sie und ihr Freund Danny wurden von einem Islamisten im Regionalzug bei Brokstedt mit einem Messer ermordet – eine Tat, die ganz Deutschland aufgewühlt hat.

Bundeskanzler Olaf Scholz im Gespräch mit Bürgermeister Mirko Geißler (links), Handwerkerin Sandra Hunke (dritte von links) und Michael Kyrath (zweiter von rechts). Moderiert wurde die Sendung von Pinar Atalay.
Jetzt, bei der Sendung, konfrontierte Michael Kyrath Bundeskanzler Scholz zum ersten Mal mit seinen Gedanken und Gefühlen zum Mord an seiner Tochter.

Ann-Marie war erst siebzehn Jahre alt und zum ersten Mal verliebt, als der Islamist Ibrahim A. sie und ihren Freund Danny im Regionalzug brutal ermordet.
Bundeskanzler spricht von „Leuten“, als er die ermordete Ann Marie und ihren Freund erwähnt
Als ich sah, was in der Sendung geschah, glaubte ich meinen Augen und Ohren nicht zu trauen, ich muss es so formulieren. Die Frage der Moderatorin, „welche Maßnahmen kann man ergreifen, damit es sicherer wird?“ beantwortete Scholz langatmig und fast einschläfernd. Dann aber formulierte er:
„Ich will ihnen gerne sagen, dass ich jedes Mal, wenn ich daran denke und darüber rede, dass es auch in mir hochkommt. Das ist etwas, wo man kaum fassen kann, was die jungen Leute erfahren haben, indem sie praktisch in ihrer jungen Liebe getötet worden sind. Dafür kann man keine Verzeihung aussprechen.“
Was Scholz sagte, wirkte kühl und routiniert und nicht wirklich mitfühlend. Vater Michael Kyrath sagte dem Kanzler ins Gesicht: „Ein Punkt, der mich wirklich ärgert, Herr Bundeskanzler ist, es geht hier nicht um Leute! Diese Menschen hießen Ann Marie und Danny.“
Und Michael Kyrath sagte noch: „Herr Scholz, wir haben jeden Tag zwischen 24 und 32 Messerattentate in Deutschland. Viele davon enden tödlich. Jeden Tag, wo wir weiter diskutieren, sterben Menschen. Es sterben Kinder. Es sind Eltern, die am Sarg ihrer Kinder stehen. Sie haben keine Kinder, Sie können sich das nicht vorstellen. Ich kann Ihnen erzählen, dass ich nach 20 Monaten dieses Gefühl in den Fingern immer noch habe – es ist das Schlimmste, was sie jemanden antun können.“
Scholz spricht in Platitüden
Dies war der Moment, an dem ich mich schämte. Ich schämte mich, dass der Vater eines ermordeten Mädchens diese wunderbar menschlichen Worte gefunden hat und nicht der Bundeskanzler. Worte, die jeder verstanden hat, weil sie tief aus dem Herzen kamen. Und genau das Gegenteil von den Platitüden waren, die der Bundeskanzler von sich gegeben hatte.

„Am Tisch mit Olaf Scholz“: Die Gäste konfrontierten den Bundeskanzler sehr direkt mit ihren Anliegen.
Es ist in Ordnung, dass ich mich über den Kanzler ärgere, nicht seiner Meinung bin. Aber mich für ihn und wegen ihm zu schämen oder schämen zu müssen, ist indiskutabel. In so einer Situation erwarte ich vom Bundeskanzler, dass er auf menschliche und empathische Weise mit dem Vater einer ermordeten Tochter spricht, dass er echtes Beileid zeigt. Er wusste, wer da neben ihm saß, er hätte die Opfer wirklich beim Namen nennen können, da gebe ich dem Vater Recht. Aber Scholz hat sich offenbar so weit von den Bürgern entkoppelt, dass ihm eine ehrliche Beileidsbekundung nicht möglich ist.
Die schönsten und bewegendsten Worte sagt Michael Kyrath zu meiner NIUS-Kollegin Zara Riffler: „Wenn ich meine Tochter Ann Marie irgendwann wiedertreffe, möchte ich nicht, dass sie sagt: ´Papa, warum hast du nichts getan´- sondern ich will, dass sie sagt, `Danke, dass du so gekämpft hast, Papa!´“
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Ute Oelker
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