Jan Böhmermann wollte einen Menschen vernichten
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Auch spektakuläre Dinge ereignen sich manchmal in aller Stille und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Vor dem Landgericht München 1 gab es am Donnerstag so einen spektakulären Moment. Der frühere Chef des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm (CDU), hatte gegen das ZDF geklagt, weil der sich als Satiriker verstehende Jan Böhmermann vor knapp zwei Jahren mit einer Falschmeldung den völlig unbescholtenen IT-Experten Schönbohm gewissermaßen über Nacht gesellschaftlich erledigt hatte.
Als Satire verbrämt, hatte Böhmermann ausgerechnet den obersten Cyber-Abwehr-Beamten der Bundesrepublik dubioser Kontakte zu Russland bezichtigt. Eine völlig unhaltbare Behauptung, die bis heute auf der Webseite des ZDF abrufbar ist. Schönbohm wird dort als Clown gezeigt und in russischer Sprache gefragt: „Ist Arne Schönbohm noch ihr Ansprechpartner für Cybersicherheit in Deutschland?“

Arne Schönbohm als Clown: Für Jan Böhmermann und das ZDF läuft das unter Satire.
Alles nur Spaß
Ein Spaß, der nach sehr seltsamen Kontakten aus dem Umfeld von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zustande kam und der Schönbohm den Job kostete. Die Bundesinnenministerin selbst entließ ihn aufgrund von Zweifeln an seiner Verlässlichkeit und versetzte ihn später auf einen anderen Posten.
Für Schönbohm selbst, den ich lange und gut kenne, waren die folgenden Wochen und Monate die Hölle. Ein einziges Spießrutenlaufen, wie er bei der Verhandlung in München zu Protokoll gab: Nach der Sendung hätten seine Nachbarn die Straßenseite gewechselt. Er sei gefragt worden, ob Putin sein Haus finanziere. Am schlimmsten sei aber gewesen, dass seine Kinder in der Schule gemobbt worden seien. Man habe ihm schlicht unterstellt, ein russischer Spion zu sein.
Das sieht offenbar jetzt, zwei Jahre später, auch das Gericht so. Der Vorsitzende Richter Bernhard Zeller sprach von einer „im schweren Maße herabwürdigenden Tatsachenbehauptung“. Wenn das kurz vor Jahresende erwartete Urteil diesem Umstand Rechnung trägt, wäre das eine herbe Klatsche für den von den Gebühren der Bürger finanzierten Sender und seinem Intendanten, Norbert Himmler.
Schönbohms Anwalt Markus Hennig wird in der „Welt“ mit dem Satz zitiert: „Durch die Sendung und die nachfolgende Berichterstattung im ZDF wurde unter Ausnutzung der vermeintlichen Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine geradezu hysterische Hexenjagd inszeniert, die den Ruf und die Karriere eines verdienten Staatsdieners zerstörte.“
Allein die Tatsache, dass der Sender den ehrabschneidenden Beitrag des vermeintlichen Komikers nicht von der Webseite nimmt und damit die Verunglimpfung Schönbohms öffentlich fortsetzt, ist ein Skandal. Warum der ZDF-Verwaltungsrat, in dem neben Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) noch drei weitere CDU-Mitglieder sitzen, dem Satire-Spuk nun schon seit Monaten zusehen, ist ebenfalls nicht zu erklären.
„Das kommt einer gesellschaftlichen Hinrichtung gleich“
„Ich bin sehr überrascht, wie der Sender bei der Verhandlung aufgetreten ist“, sagt Schönbohm zu NIUS. „Obwohl die mangelhafte und ehrverletzende Recherche längst widerlegt ist, verteidigt das ZDF den Beitrag weiterhin.“ Dann wird er noch deutlicher: „Das ZDF hat als öffentlicher Sender einen besonderen Auftrag. Es kann nicht sein, dass unbescholtene Menschen willkürlich an den medialen Pranger gestellt werden wie im Mittelalter. Das kommt einer gesellschaftlichen Hinrichtung gleich.“
Satire darf alles, heißt es gemeinhin. Menschen gesellschaftlich zerstören darf sie nicht. Ob Böhmermanns Sendung tatsächlich Satire ist, darüber scheiden sich seit langem die Geister. Die Schönbohm-Geschichte war es definitiv nicht. Sie war eine Sauerei.
Wenn das Gericht nun zwei Jahre später zumindest ein wenig Gerechtigkeit in die Sache bringen würde, wäre das für Arne Schönbohm ein erster Schritt. Wiedergutmachung für ihn und angemessene Konsequenzen für die Verursacher und die Verantwortlichen im Sender müssen folgen.
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