Kaum jemand will noch zur Bundeswehr – kein Wunder
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Unser Verteidigungsministerium hat ein Problem. Es sieht Qualitätsprobleme bei der Auswahl der Bewerber auf sich zukommen. Der Grund: Die Zahl der Freiwilligen ist in letzter Zeit stark zurückgegangen.
Aus einem als intern bezeichneten Papier des Bundesverteidigungsministeriums ist es durchgesickert: Anfang bis Mitte des Jahres gab es ganze sieben Prozent weniger Bewerbungen als im Vorjahreszeitraum. Immerhin noch über 23.000 Frauen und Männer, die sich zum Dienst meldeten. Die angestrebte Zahl von 203.000, die bis 2031 erreicht werden sollen, ist aber gefährdet. 183.000 Soldatinnen und Soldaten dienen zurzeit, die Abgänge abgezogen wird es schwierig, dieses Ziel zu halten.
Die Gründe sind so offensichtlich wie vielfältig. Der demografische Wandel wird angeführt, die Corona-Pandemie oder der sich ändernde Arbeitsmarkt.
Wenn wir das Dilemma aber näher betrachten, sind es ganz andere Gründe, die eine Rolle spielen dürften. Die Bundeswehr hat einen derart schlechten Ruf, dass potenzielle Bewerber einen großen Bogen um die Meldestellen machen. Materialdesaster, Munitionsmangel, Meldungen über fehlende Ausrüstung, Radikalisierung und schlechte Stimmung in der Truppe sind nicht gerade Magneten für junge Leute. Vom Sold ganz zu schweigen.
Der Verteidigungsminister hat das bemerkt. Er nimmt die Soldatinnen und Soldaten, aber auch deren Probleme ernst. Thinktanks werden eingerichtet, Denkfabriken, die das desolate Image der Truppe aufpolieren sollen. Die Ansprache soll sich ändern, Deutschlands größter Arbeitgeber will die Uniform wieder attraktiver machen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)
Eine Mammut-Aufgabe für Boris Pistorius. Seine Vorgängerin Christine Lambrecht hat verbrannte Erde hinterlassen. Sie hatte nicht den Anstand, aus Überzeugung für die Truppe zu werben und mit Sympathiebekundungen für ihre Untergebenen zu stehen. Lambrecht hielt es ja nicht einmal für notwendig, sich die Ränge oder einzelne Dienstgrade einzuprägen. Respektlos. So etwas merkt man sich, auch draußen.
Dabei ist eine funktionierende Bundeswehr heute wichtiger denn je. Unser Verteidigungsbündnis ist in Bedrängnis, der Überfall auf die Ukraine hat gezeigt, dass wir uns nicht mehr allein auf die Strategie der Abschreckung verlassen können. Die Einschläge kommen sprichwörtlich näher.
Wir brauchen hoch qualifizierte Männer und Frauen, die bereit sind, den Dienst an der Waffe und den zugehörigen Systemen zu tun, Deutschland und seine Verbündeten wirksam zu verteidigen – und dies gegebenenfalls unter Einsatz ihres Lebens. Es darf nicht sein, dass nach Umfragen kaum ein Deutscher bereit ist, im Ernstfall sein Land zu schützen – lediglich fünf Prozent würden sich zum Kriegsdienst melden.
Um sich in diese Gefahr zu begeben, braucht es Überzeugung. Innerlich, wie auch von außen. Diese Überzeugung wird aber niemals entstehen, wenn Heer, Marine und Luftwaffe nicht den Respekt erhalten, der ihnen gebührt.
Der jedoch kommt nicht von allein. Den fehlenden Respekt muss sich die Bundeswehr wieder erarbeiten. Ein langer Weg.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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