Kein Mensch im Land versteht, wenn die Geister-Bahn an 42.000 Mitarbeiter „Erfolgsprämien“ bezahlt
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Du kommst in den Zug und freust dich. Nur 10 Minuten Verspätung, das geht ja. Jemand sitzt auf deinem Platz und will auch nicht runter. Nach längerer Diskussion – die Person hat das falsche Abteil besetzt. Du bist immer noch gut gelaunt. Früh aufgestanden, willst als Erstes mal Händewaschen. Oha – das Klo ist verstopft. Du sagst es einem Zugmitarbeiter. Der sagt: „Ich bin nicht zuständig. Gehen Sie zu …“ Dann will ich ins Bordrestaurant – ist geschlossen. Im Bordbistro will ich was essen: „Wir haben nichts mehr, ist zu wenig geliefert worden …“ Was dann funktioniert: die Fahrkartenkontrolle: „Wenigstens etwas“, denke ich.
Wer Bahn fährt, braucht Humor. Wenn im Sommer die Klimaanlage ausfällt. Oder im Winter die Heizung. Wenn du im Galopp mit Koffer hintendran den Lokomotivführer mit Handzeichen anbettelst, dich noch mitzunehmen – und er dann doch vor deiner Nase losfährt. Wenn Waggons ausfallen – und es deinen Sitzplatz nicht mehr gibt.

Verantwortlich für die Finanzen der Bahn, sprich Steuergeld, ist auch Verkehrsminister Volker Wissing.
Erfolgsprämien? Wofür bitte??
Aber am meisten Humor brauchst du armer Bahnfahrer, wenn du das Folgende liest: Die Deutsche Bahn will ihren 42.000 Beschäftigten eine „Erfolgsbeteiligung“ für das vergangene Jahr zahlen. Nach Recherchen des NDR sollen die Boni in Gesamthöhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags Ende April ausgezahlt werden. Dabei hatte die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro verbucht. Profitieren sollen davon rund 34.700 Tarifbeschäftigte, 4100 leitende Angestellte und 3400 außertarifliche Beschäftigte der Deutschen Bahn AG.

Wenn die Bahn wieder einmal nicht kommt, kann man im Konzern nur von einem erfolgreichen Jahr sprechen.
Mein gesunder Menschenverstand hat ein Einsehen mit schlecht bezahlten Angestellten, die unfreundlichen Fahrgästen erklären müssen, was nicht funktioniert und warum das so ist. Aber welcher Fahrgast soll verstehen, dass ein Unternehmen, das dem Staat gehört und so marode ist, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann, überhaupt „Erfolgsprämien“ zahlt? Und vor allem – wofür? Welchen Erfolg hat die Bahn im vergangenen Jahr verbucht? Sie ist nicht pünktlicher geworden, nicht besser, nicht sympathischer. Millionen Menschen fahren mit der Bahn, weil sie mit ihr fahren müssen. Und viele von ihnen fahren verzweifelt. Und dazu gehöre ich auch allzu oft.
Ich sag’ es mal in Kindersprache: Die Bahn sollte sich was schämen!
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