Liebe Luisa Neubauer: Wer nicht arbeitet, kann auch nicht streiken!
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Zum Backen brauchen Sie Mehl, zum Fußballspielen einen Fußball und zum Streiken eine Arbeit, die Sie niederlegen können.
Keine Ahnung, ob Luisa Neubauer Mehl oder Fußball hat. Aber Arbeit hat sie definitiv nicht. Deswegen sei ihr von dieser Stelle völlig unironisch zugerufen: Liebe Luisa Neubauer, wer nicht arbeitet, der kann auch nicht streiken!
Genau das behauptet die Freundin von WDR-Moderator Louis Klamroth („Hart aber fair“) aber immer wieder freitags im Namen des Klimas – und am heutigen Freitag besonders öffentlichkeitswirksam im Namen des Proletariats: An der Seite von Bus- und U-Bahn-Fahrern „streikte“ (sorry, geht nicht ohne Anführungszeichen) Neubauer. Natürlich nicht alleine, die Rebellin ohne Risiko schickte ihre Öko-Genossen von Fridays for Future mit auf die Straße.
Ja, richtig gelesen: Verdi und Fridays for Future, vereint im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen im Nahverkehr.
Streik, eine der wichtigsten Errungenschaften der Moderne
Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat. Aber jeder, der ein Arbeiterherz hat, sollte mal in der Gewerkschaftszentrale anrufen und nachfragen, ob die Bosse sich vorher mit den Zielen von Fridays for Future auseinandergesetzt haben. Ehrliche Arbeiter, die jeden Tag Millionen Menschen zur Arbeit und wieder zurück bringen, demonstrieren mit politischen Geisterfahrern für Mobilität.
Das Streikrecht ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Moderne. 1865 wurde in Deutschland die erste zentral organisierte Gewerkschaft gegründet, bis heute gilt: Gemeinsam sind Arbeitnehmer stärker als alleine, können die Mächtigen unter Druck setzen und bessere Ergebnisse erzielen. Auch wenn Streiks bei der Bahn oder von Pflegern nerven: Streiken und streiken lassen ist Teil unseres demokratischen Grundkonsenses.
Umso absurder ist es, dass das stolze Wort „Streik“ von der grünen Szene gekapert wurde. Und jetzt auch noch mit der Arbeiterschaft verschmilzt.

Verdi und Fridays for Future – vereint im Klassenkampf
Immerhin: ein Händchen für Selbstdarstellung hat sie
Luisa Neubauer hat noch nie in ihrem Leben gearbeitet. Sie stammt aus der schwerreichen Reemtsma-Dynastie, musste sich in ihrem Leben noch nicht einen Tag um einen leeren Kühlschrank oder die fällige Miete sorgen. Wenn im Supermarkt der vegane Fleischersatz teurer wird, lächelt sie zufrieden und zückt die Girokarte. Probleme mit dem Chef? Kennt sie nicht. Hatte sie noch nie. Sie ist das Gesicht einer wohlstandsverwahrlosten Generation, die ohne Hemmungen ihre totalitären Gedanken in die Welt posaunt: „Die Wahl zwischen Zeit und Demokratie haben wir nicht.“
Luisa Neubauer ist das plakatmalende Gegenteil eines Arbeiters. Aber sie hat ein Händchen für Selbstdarstellung, das muss man ihr lassen. Verdi und Fridays for Future – von dieser Allianz profitieren auf den ersten Blick erst mal beide Parteien. Der Verdi-Streik wird auf einmal sympathisch, weil grün angehaucht. Und das kann ja nichts Böses sein, wenn man im Namen der Umwelt kämpft. Und die Aktivisten von Fridays for Future sind nicht mehr isoliert in ihren Streikformen, sondern mischen ihre totalitären Ziele in den Arbeitskampf.

Die Definition von Streik: „Eine gemeinsame, meist gewerkschaftlich organisierte Arbeitsniederlegung von Arbeitnehmern zur Durchsetzung bestimmter wirtschaftlicher, sozialer, die Arbeit betreffender Forderungen.“
Eine Allianz mit Risiko
„Zu Fuß, Rad, Bus und Bahn – Ende mit dem Autowahn!“ Dieser grüne Reim stand auf einem Banner der gemeinsamen Demo in Berlin, im Vordergrund werden rote Verdi-Fahnen geschwenkt. „Ende mit dem Autowahn“: Mich würde eine Umfrage unter den Verdi-Mitgliedern interessieren, ob sie diesen Satz unterschreiben würden. Ich zweifele es stark an.
Verdi geht mit dieser Allianz das Risiko ein, künftig nicht mehr FÜR den normalen Mann, sondern GEGEN die Mehrheit der Menschen mit gesundem Menschenverstand einzutreten. Das kann sich weder die Gewerkschaft noch die Gesellschaft leisten: Für unbequeme Gewerkschafter gibt es Akzeptanz. Für angepasste Öko-Arbeitskämpfer nur ein Ende mit Ansage.
Und damit nachher niemand sagt, das sei überspitzt oder ungerecht – so definiert der unbestechliche Duden das Wort „Streik“: „Eine gemeinsame, meist gewerkschaftlich organisierte Arbeitsniederlegung von Arbeitnehmern zur Durchsetzung bestimmter wirtschaftlicher, sozialer, die Arbeit betreffender Forderungen.“
Liebe Verdi-Mitglieder, liebe Verdi-Bosse: Drei mal taucht in dieser Definition das Wort „Arbeit“ auf. Das ist drei mal mehr als im Lebenslauf von Luisa Neubauer.
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