Linke und Rechte haben beide ein Hitler-Problem
Ein Beitrag von
Ich kann es nicht mit letzter Gewissheit sagen, aber ich bin mir doch einigermaßen sicher, dass die sechs Millionen ermordeten Juden, die in Auschwitz und Treblinka durch die Schornsteine gefeuert wurden, nicht unbedingt begeistert wären, wenn sie noch wissen könnten, dass sie 80 Jahre später als das beliebteste und leichtfüßigste Argument herhalten müssen für oder gegen nahezu alles, was in diesem Land politisch diskutiert wird.
Nun könnte man sich darauf einigen, die Opfer unserer Großväter und Urgroßväter einfach in Frieden ruhen zu lassen und nicht nahezu täglich wohlfeil zu vereinnahmen für die politischen Kämpfe der Gegenwart, besonders wenn viele Politiker und Journalisten sich so aggressiv und opportunistisch gegenüber jeder abweichenden Meinung verhalten, dass man ungefähr ahnen kann, auf welcher Seite sie zwischen 1933 und ’45 gestanden hätten.
Die aktuelle Folge „Achtung, Reichelt!“ sehen Sie hier:
Aber was wären deutsche Debatten ohne ermordete Juden – wie Sylt ohne das Pony, einfach nicht dasselbe.
Holocaust und Nationalsozialismus sind zur ultimativen Argumentationskrücke geworden
Egal, ob Impfpflicht oder Maskenpflicht, Kampf gegen den Klimawandel und Deindustrialisierung, Einschränkung der Meinungsfreiheit, fettgefütterte, antidemokratische NGOs, Hausdurchsuchungen im Morgengrauen, Zwangsgebühren für ein vollkommen außer Kontrolle geratenes Propaganda- und Erziehungsfernsehen, verrückte Queer-Politik, bei der dann Männer bei den olympischen Spielen Frauen verprügeln und Pädophile im Prostituierten-Fummel vor Kindern tanzen, antisemitisch-islamistische Masseneinwanderung oder Oppositionsverbot – es gibt in Deutschland so gut wie gar nichts mehr, was nicht irgendwie mit dem Holocaust gerechtfertigt und durchgesetzt wird.
Wer es wagt, zu widersprechen, wird durch das Wort „Leugner“, das sich vom Holocaust auf Klima und Pandemie ausgeweitet hat, in die Nähe des Dritten Reichs gerückt. Vor ein paar Wochen hat die taz mich mit Goebbels verglichen, weil NIUS auch Radio macht – genau wie die Nazis.
Holocaust und Nationalsozialismus sind zur ultimativen Argumentationskrücke für alle Denkfaulen und -lahmen geworden, die jede Widerrede ersticken wollen, ohne all ihre verrückten Ideen erklären zu müssen, ein Debatten-Talisman der Dummen, der Einfältigen, der ideologisch Verführten und der politischen Versager. Die moralische Selbstüberhöhung als Widerstandskämpfer gegen die unabänderbare Vergangenheit, in der viele von ihnen begeistert mitmarschiert wären, trägt sie voller Selbstherrlichkeit durch das klägliche Scheitern ihrer politischen Ideen in der Gegenwart.
Die deutsche Industrie mag kollabieren, Städte und Schulen mögen sich in Brutstätten des Islamismus verwandeln, die menschenverachtende Ausgrenzung der Pandemie-Jahre mag als bleierner Vertrauensbruch und epochaler Verstoß gegen die Grundrechte über dem Land liegen, unsere Weihnachtsmärkte mögen sich in Festungen aus Betonpollern und Panzersperren verwandelt haben, Juden mögen in Angst vor dem Aufstieg des Kalifats leben – aber natürlich, ohne die, die all das zu verantworten haben, wäre alles Hitler.
Sechs Millionen ermordete Juden, da lebt dieses Milieu in der totalen Gewissheit, geben ihnen immer Recht. Weite Teile der politisch-medialen Elite dieses Landes, die stets vollkommen zu Recht mahnen, man dürfe den Holocaust nicht relativieren, haben in den letzten Jahren nahezu ihre komplette politische Kommunikation auf Holocaust-Relativierung umgestellt.
Alles, was ihnen nicht passt, erinnert sie an den Holocaust, jeder, der anderer Meinung ist, ist ein Nazi, jede Abschiebung nennen sie Deportation.

Wer die Wortbrüche des Kanzlers nicht wortlos hinnehmen will, wird schon mal als „Vaterlandsverräter“ oder „vaterlandsloser Geselle“ verunglimpft.
Wenn wir nicht klaglos hinnehmen, dass Friedrich Merz wirklich jedes seiner Versprechen bricht, kommt danach Hitler. Wer sich gegen den Renten- und Schuldenwortbruch des Kanzlers stellt, will Weimarer Verhältnisse, wer das Bürokratismus-Monstrum EU infrage stellt, will wieder Krieg in Europa, wer sich gegen die Regierung stellt, ist wahlweise ein „Vaterlandsverräter“ (Jens Spahn) oder ein „vaterlandsloser Geselle“ (Nathanael Liminski). Mit locker sitzenden Nazi-Vergleichen, also mit der ultimativen Verharmlosung, planen die Spitzen unseres Staates und unserer Regierung ein Verbot der Opposition, während sie gleichzeitig denen, die sich durch ein Oppositionsverbot an die beiden deutschen Diktaturen erinnert fühlen, mit Verfolgung durch den Inlandsgeheimdienst drohen.
Hitlerhausen der politisch-medialen Elite
Die wahnhaft-autoritäre Gedankenwelt der politischen-medialen Elite in diesem Land ist zu einem einzigen Hitlerhausen geworden, in dem es nur noch Gehorsam, Bekenntnis, Regierungs- und Establishment-Treue auf der einen und Nazis auf der anderen Seite gibt. Ausgrenzung ist ihr Geschäft, die sogenannte „Brandmauer“ ist zu ihrem Schutzwall der tadellosen Gesinnung geworden.
Erstaunlicherweise ist es genau dieses Milieu, das über Parteigrenzen hinweg, von CDU über die SPD bis zu den Grünen, ganz allein verantwortlich ist für die massenhafte Einwanderung von Judenhassern und den furchterregenden Aufstieg von antisemitischer Barbarei, von den Universitäten bis auf die Straße. Dass jüdisches Leben in Deutschland in höchster Gefahr ist, dafür ist nicht die AfD verantwortlich, sondern die CDU mit ihrer politisch gewollten Masseneinwanderung, die bis heute anhält. Das unerbittliche, geradezu inquisitionshafte Einfordern geschichtspolitischer Bekenntnisse, dieses so erbärmlich selbstgerechte und gleichzeitig so erschütternd konsequenzlose Gedröhne von Parolen wie „In Deutschland ist kein Platz für Antisemitismus“ ist an die Stelle wahrer Taten zum Schutz von Juden getreten. Die CDU hat immer ein paar ermordete Juden zu bieten, wenn es gegen die AfD geht, aber Kai Wegner und Hendrik Wüst lassen die islamistischen Horden durch unsere Städte marschieren, während der Bundeskanzler sogar schriftlich bekennt, dass man Israel nicht mehr helfe, um die militanten Antisemiten von heute nicht zu verärgern.
Man kann nicht zehn Jahre lang mit Sozialleistungen eine islamistische Judenhasser-Invasion ins Land lotsen, um sich dann bei jeder politischen Debatte hinter ermordeten Juden und dem Holocaust zu verschanzen.
Dieses mit all seinen politischen Ideen gänzlich gescheiterte Milieu des gesellschaftlich-wirtschaftlichen Niedergangs und der hohlen, fast schon höhnisch klingenden Nie-wieder-Versprechungen schützt lieber tote als lebende Juden, weil die einfach leichter zu vereinnahmen sind, schließlich liegen sie als Asche verteilt über den Osten unseres Kontinents und können nicht mehr widersprechen.
Vor wenigen Tagen spielte sich im schönen Magdeburg eine Szene ab, von der Sie vermutlich noch gar nichts gehört haben, die aber alles, was Sie in den nächsten Monaten über die aufziehenden Wahlkämpfe, über gewaltige und fürs Land überlebenswichtige Richtungsentscheidungen lesen werden, medial prägen, vermutlich sogar dominieren wird.
Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, ein enorm beliebter, intelligenter und charismatischer Politiker, ging mit meinem Kollegen Gordon Repinski spazieren und gab ihm dabei ein Interview. Die Sache eskalierte, als es um die deutsche Vergangenheit ging.
Damit Sie sich erstmal selbst ein Bild machen können, ist hier die ganze, ungekürzte Szene:
Sie haben es gehört: Ulrich Siegmund wird hier vom Politico-Reporter gefragt, ob er den Holocaust als „schlimmstes Menschheitsverbrechen“ bezeichnen würde. Siegmund antwortet darauf, das maße er sich nicht an, weil er die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann. Vorher bezeichnet er den Nationalsozialismus als „Tiefpunkt der deutschen Geschichte“.
Die Welt machte daraus einen Artikel, in dem weggelassen wurde, was Siegmund zuvor gesagt hatte, nämlich „Tiefpunkt der Geschichte, der in den Schulen auch so gelehrt werden muss“. Auch die gesamte Interview-Passage wurde nicht gezeigt und nicht transkribiert, und das natürlich aus genau einem Grund: Man wollte sie nicht zeigen. Man wollte weglassen. Man wollte nicht, dass die Leser das vollständige Bild haben, weil es um einen AfD-Kandidaten ging. Hätte man es gewollt, hätte man den Clip einfach in den Artikel gepackt und das vollständige Zitat hineingeschrieben. Ganz einfach. Ich persönlich halte das in der oft fabelhaften Welt an dieser Stelle für politischen Aktivismus, nicht für Journalismus. Im Interview merkt man übrigens, dass mein Kollege Gordon Repinski Siegmunds Antwort gar nicht skandalös findet. Er fragt nicht nach, sondern geht ohne ein kritisches Wort dazu zum nächsten Thema über. Erst in der verkürzten Berichterstattung wurde ein Skandal draus.

Seitdem läuft, genau wie gewollt, ein massiver politisch-medialer Angriff auf Ulrich Siegmund, der in den Umfragen nahezu uneinholbar vor der CDU liegt.
Wer die letzten Jahre nicht durchgeschlafen hat, weiß ganz genau, was jetzt geschehen wird: Hauptstadtjournalisten und alle wahlkämpfenden Parteien werden bei jeder Gelegenheit mit dem Holocaust gegen Ulrich Siegmund argumentieren, statt über die Inhalte, die für Sachsen-Anhalt wichtig sind. Nahezu die gesamte Medienlandschaft wird gegen Siegmund mobilisieren und ihn in eine Reihe mit den Nationalsozialisten stellen. Jeder Artikel, jede Anmoderation, jede Rede wird fortan damit beginnen, dass Ulrich Siegmund angeblich den Holocaust relativiert.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, den ich persönlich sehr mag, versteigt sich zu folgender Aussage, die schlicht absurd ist: „Wer den Holocaust verharmlost, betreibt Geschichtsklitterung und schürt Judenhass. Dahinter steckt ein verwerfliches Verhältnis zur nationalsozialistischen Ideologie.“ Das ist ein so vernichtender wie durchschaubarer Vorwurf, der durch die Aussagen von Ulrich Siegmund schlicht nicht gedeckt ist.
Klingbeil und die SPD feiern ihr Treffen mit der Kommunisten-Partei Chinas, die für Millionen Tote verantwortlich ist
Ich finde diese Methoden nur noch befremdlich und vollkommen unverhältnismäßig, wenn man betrachtet, dass nie die Mächtigen, die Regierenden so hart befragt werden, wenn sie zum Beispiel wie CDU-Außenminister Jo Wadephul mit seiner „Zwangssolidarität“ offen dem Antisemitismus frönen und den Holocaust für ihre politische Agenda missbrauchen. Daran erkennt man, dass es nicht um den aufrichtigen Kampf um jüdisches Leben geht, sondern um den schieren Machterhalt des politisch-medialen Establishments, das vor allem fürchtet, eine AfD an der Macht könnte die Steuer- und Zwangsgebühren-Sümpfe von NGOs und öffentlich rechtlichen Medien trockenlegen.
Oder wenn man zum Beispiel betrachtet, dass die SPD, die ständig den politischen Anstand und ihre historische Reinlichkeit beschwört, in China Partei-Konsultationen mit der Kommunisten-Partei abhält. Hier sehen Sie eingeblendet die Flagge der SPD neben der Flagge der KP:

Die SPD-Flagge neben der Flagge der chinesischen KP während politischer Gespräche der beiden Parteien.
Angeführt wurden die Gespräche von Vize-Kanzler Lars Klingbeil, der sich natürlich auf Steuerzahlerkosten mit dem Regierungsjet zu den Partei-Gesprächen im fernen Peking fliegen ließ. Die Kommunistische Partei – von Mao bis heute – ist verantwortlich für 30, 40 Millionen Tote, vielleicht auch mehr, man kann sie nicht mehr wirklich zählen. Die KP lässt jedes Jahr mehr Menschen hinrichten als alle anderen Länder der Welt zusammen, zahllose für politische Vergehen. Im ganzen Land betreibt die Partei Arbeits- und Umerziehungslager und herrscht durch totale Überwachung.
Mit dieser Partei ist die SPD so dicke befreundet, dass der Parteichef sie in Peking besucht, während in Deutschland über zehn Millionen AfD-Wähler mitsamt ihrer Partei hinter die Brandmauer verbannt werden sollen. Die Arbeitslager der Vergangenheit, mit denen die AfD nichts zu tun hat, sind für die SPD offenbar schlimmer als die Arbeitslager der Gegenwart, in denen gefoltert, gehungert und mutmaßlich gemordet wird.
Ich muss zugeben, so ganz verstehe ich das alles nicht mehr, und ich glaube, das geht Millionen Menschen genauso, die um ihre politische Wahlmöglichkeit gebracht werden sollen, indem man geradezu lustvoll das Vierte Reich beschwört und Steuergeld- und Zwangsgebühren-finanziert marschieren und agitieren lässt, sobald die Parteien, die den deutschen Niedergang zu verantworten haben, ernsthaft in Bedrängnis geraten.
Ich möchte klar sagen: Die ermordeten Juden geben Euch nicht Recht, meine Freunde bei CDU, SPD und Grünen. Es ist feige und unanständig, sich hinter ihnen zu verstecken. Das ist meine Botschaft.
Die AfD muss ihre historische Sturheit ablegen
Nun folgt meine Botschaft an die AfD, die sicher auch manchem nicht gefallen wird, die aber überragend wichtig ist, wenn die AfD dem Willen ihrer Wähler gerecht werden und in diesem Land wirklich etwas zum Besseren verändern will. Die Botschaft lautet: Wie oft will man noch in dieselbe Falle tappen und danach rumopfern?

Die AfD sollte ihre historische Sturheit ablegen, die sie immer wieder in die Nähe der Verbrecher des Nationalsozialismus bringt.
Wenn man sich um politische Verantwortung bewirbt, ist es dann wirklich zu viel verlangt, sich mal ein paar verantwortungsbewusste Sätze über den Nationalsozialismus und den Holocaust einfallen zu lassen?
Merkt Ihr nicht, dass Ihr bei 27 Prozent festklebt, weil Ihr immer wieder anständige Menschen, mögliche Wähler und Fürsprecher in anderen Parteien mit diesem seltsamen Gebrummel verschreckt?
Muss man wirklich immer wieder darüber diskutieren, ob es vielleicht doch ein paar anständige Kerle bei der Waffen-SS gab, ob man nicht wenigstens ein kleines bisschen mit der SA spielen darf? Ich bin mir sicher: Millionen Menschen wählen die AfD nicht WEGEN dieser Sprüche, sondern TROTZ dieser Sprüche. Niemand wählt doch die AfD, weil er endlich mal was Nettes über die SS sagen will. Ich persönlich glaube nicht, dass der Osten so tumb und rechtsradikal ist, dass man sich millionenfach von der AfD abwenden würde, wenn dort mal jemand eine kluge, empathische, geschichtsbewusste Rede über die deutschen Verbrechen der Vergangenheit halten würde.
Wenn man Ministerpräsident werden will, dann sollte man auch angemessen in Buchenwald und Mittelbau-Dora und Lichtenburg/Prettin sprechen können.
Die AfD ist dafür verantwortlich, dass ihre historische Sturheit ihren Wählern immer wieder als geistige Nähe zu den Verbrechern der Nazi-Zeit ausgelegt wird. Wer seine Wähler liebt und für sie einstehen und sprechen will, der sollte sie vor solchen Verdächtigungen – wie infam sie auch sein mögen – mit aller Kraft beschützen und schon aus Eigeninteresse alles dafür tun, dass man sich sorglos zur Partei bekennen kann. Es bringt nichts, diese Verantwortung nörgelnd immer nur bei allen anderen zu suchen.

Ulrich Siegmund ist der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt und will im nächsten Jahr Ministerpräsident werden.
Ulrich Siegmund wurde gefragt, ob der Holocaust „das schlimmste Menschheitsverbrechen“ war. Ich persönlich glaube, dass das Adjektiv „schlimm“ nicht ausreicht, um die größten Völkermorde der Geschichte zu kategorisieren oder zu ranken, was mir ohnehin als befremdliches Bedürfnis erscheint – man hätte als Journalist präzise nach der Singularität fragen müssen, statt mit schlimm, schlimm, schlimm dieses Thema zu banalisieren und zum politischen Talking Point zu machen.
Unangefochtener Täterstolz ist Teil linker Identität
Ich glaube auch, dass auf dieser Welt Millionen Menschen leben, die ihr eigenes, persönliches Leid, zum Beispiel in China, in Ruanda, in Kambodscha, in Russland, als nicht weniger „schlimm“ empfinden als das, was den Juden von Deutschen angetan wurde. Worte wie „schlimm, schlimmer, am schlimmsten“ führen zu nichts, wenn es um die Gräuel der Menschheitsgeschichte geht.
Man spürt bizarrerweise besonders bei den Linken immer eine gewisse Sorge, dass der deutsche Täter-Superlativ in Gefahr geraten könnte. Je mehr Deutschland durch links-grüne Politik abstürzt, desto verzweifelter klammert sich dieses Milieu daran, wenigstens noch beim schlimmsten Völkermord auf dem Spitzenplatz zu liegen. Unangefochtener Täterstolz ist Teil linker Identität, niemand braucht Faschisten dringender als selbsterklärte Antifaschisten.
All das stimmt. Aber es stimmt eben auch, dass der Holocaust mit seiner Gewissenhaftigkeit, seiner Automatisierung, seiner industriell-innovativen Leidenschaft für die Ausrottung von Millionen Menschen für immer schrecklich herausragend, seiner Finesse und Präzision des Tötens singulär in der Geschichte der Menschheit bleiben wird, weil er eben kein Blutrausch war, sondern ein industriekulturelles, in effiziente Arbeitsschritte aufgeteiltes, willig durchgeführtes Hochamt von Gründlichkeit und rassistischer Menschenverachtung, ein ungeahnter Zivilisationsbruch, an dem sich alle gesellschaftlichen Schichten gleichermaßen beteiligten und bereicherten – und im Versprechen von der bedingungslos gesäuberten Herrenrasse, die über die Welt herrscht, keine Monstrosität, sondern eben ein Heilsversprechen sahen. Jeder anständige Mensch in unserem Land kann nur zu diesem Schluss kommen.
Genauso befremdlich wie die ewige Weltrangliste der Schlimmsten ist dieses latente Bedürfnis, den Holocaust in die Vergleichbarkeit zu zerren und angesichts anderer Schrecken ein bisschen runterzuranken, ein bisschen weniger „schlimm“ zu machen.
Wer Verantwortung für Deutschland anstrebt, darf nicht in jede journalistische Falle tappen
Die AfD will endlich mitmachen dürfen bei der Gestaltung unserer Zukunft, und ihre Millionen Wähler geben ihr jedes Recht dazu. Aber zu einer erwachsenen Partei gehört eben auch, nicht immer in den Trotz zu flüchten und das Auschwitz-Schmollen aufzusetzen, sondern sich erwachsen zu benehmen, sich einmal ein paar Gedanken zu machen, welche Rolle Nationalsozialismus und Holocaust in der deutschen Identität einnehmen sollen und welche Haltung die Partei dazu hat. Die ist nämlich nicht erkennbar.
Die Geschichte der deutschen Nachkriegszeit ist die Geschichte eines Wunders von Demokratie und Wohlstand auf den Trümmern und Gebeinen eines Menschheitsverbrechens.
Man kann als Partei nicht den Mythos der Trümmerfrauen beschwören, die Legende von „Wir sind wieder wer“, ohne zu thematisieren, dass die Frauen die Trümmer ja auch mitangerichtet hatten und WARUM wir überhaupt WIEDER jemand sein mussten.
Ich halte Ulrich Siegmund für eine wahre Chance auf Normalisierung für die AfD, aber auch für die Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers, hinweg über die gescheiterte „Brandmauer“.
Aber wenn man solche Verantwortung für Deutschland anstrebt, dann sollte man erstens nicht in jede höchst erwartbare Journalistenfalle tappen und zweitens mit Herz und Verstand über die deutsche Verantwortung sprechen können. Dieser Tiefpunkt der deutschen Geschichte, wie Siegmund sagt, sollte einem spürbar etwas bedeuten. Das alles nicht bewerten zu wollen, weil man die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann, es tut mir leid, ist eine billige Ausflucht, die am Ende auch nichts anderes ist als klassisches Polit-Quecksilber, wie man es von CDU und SPD zu den Themen hört, die SIE scheuen.
Liebe AfD, es ist wirklich nicht besonders schwer, kritische Worte über Hitler zu finden, er hat dafür die ein oder andere Vorlage geliefert.
Es ist der typische Irrglaube einer jungen und sagenhaft erfolgreichen Partei, die deutschen Wähler wollten immer nur „klare Kante“ und von allem, was gescheitert ist, das brutale Gegenteil. So ist es nicht. Die deutsche Wählerseele ist – durchaus auch aufgrund unserer Geschichte – ein zerrissenes, manchmal geradezu schizophrenes Wesen. Deutsche wollen Reformen, aber nicht, dass jemand an die Rente rangeht. Deutsche wollen keine illegalen Migranten und haben doch unzählige illegale Migranten in ihre Mitte aufgenommen; aus leidvoller Erfahrung scheuen deutsche Mehrheiten die Extreme. Wir alle verabscheuen den Nationalsozialismus und seine Taten, und doch sind die meisten von uns mit Eltern und Großeltern aufgewachsen, die wohl Hitler verehrt haben oder ihm zumindest verfallen sind – und die wir ja trotzdem geliebt haben. Wir erinnern uns an die Uniformen des Bösen in unseren Familienfotoalben, an Hakenkreuze und SS-Kragenspiegel, und haben trotzdem nicht mit Abscheu auf diese Fotos geblickt, sondern mit Zuneigung, weil es eben Familie war. Liebe und das Böse. Täter und Väter. Das alles ist die deutsche Seele, das alles ist nah beieinander und all das muss man in der Politik berücksichtigen.
Nur weil für die Linken alles, aber auch wirklich alles, immer gleich Hitler ist, heißt das nicht, dass auf der anderen Seite gar nichts Hitler ist, nicht mal Hitler selbst, und man Hitler einfach zu einer von vielen Episoden in der langen Geschichte unseres Landes zusammenschnurren lassen kann. Man muss nicht ständig über Hitler REDEN, aber gerade als Politiker sollte man über Hitler doch sehr gut nachdenken und klare Gedanken dazu formulieren, wenn man Reife zeigen will.
Welches Land wir sein wollen – diese Frage kann man nicht nur, aber man sollte sie eben auch aus der deutschen Vergangenheit heraus beantworten, denn die wahre Lektion aus dem Holocaust und der Weltgeschichte des Antisemitismus lautet: Was gut für Juden ist, ist gut für alle in einer Gesellschaft. Was für Juden gefährlich ist, wird irgendwann IMMER für die gesamte Gesellschaft zum mörderisch-reißenden Strudel.
Zu vielen in der AfD fällt darauf nichts anderes ein als meist bedeutungsloses, manchmal zynisches, in einigen Fällen auch bewusst verharmlosendes Rumgedruckse. Wer in der AfD glaubt, DESWEGEN erfolgreich zu sein, liegt meiner Meinung nach falsch.
Die AfD ist DESWEGEN viel weniger erfolgreich, als sie eigentlich sein könnte. Politischer Erfolg liegt nämlich nie in Umfragen, nicht mal in Wahlergebnissen, sondern immer nur in der selbst erschaffenen Möglichkeit zur Gestaltung.
Mehr NIUS:
Die Badewanne stirbt aus, dabei brauchen wir sie dringender denn je
Der Staat will nicht, dass Sie diese Werbung sehen!
Merz in Mecklenburg-Vorpommern: Der Beifall war enden wollend
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Mehr NIUS:
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Frei ist nur das Ich!
Warum Julia Klöckner die schickste Frau im Bundestag ist
Merz sagt, in 30 Jahren wird alles besser – ich freu mich schon drauf
Julian Reichelt
Artikel teilen
Kommentare