Malle statt Maloche: Deutschland verliert die Lust am Arbeiten – ein trauriger Trend
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Die Linkspartei will Stress gesetzlich verbieten lassen.
Sie fordert eine flächendeckende Viertagewoche – also weniger Stress und mehr Freizeit. Wörtlich heißt es im Konzept: „Die Regierung muss eingreifen und die Arbeitszeit zügig mit vollem Lohnausgleich reduzieren.“ Sie trifft damit einen Trend, der von Claus Weselsky, dem Chef der Lokführergewerkschaft, angestoßen und durch die Republik trompetet wurde: 4-Tage-Woche für alle!
Es ist aber nicht nur der notorisch polternde Gewerkschaftsboss vom Typ Weselsky, der Erwerbstätigkeit irgendwie zu einem Nebenaspekt erklären will. „Der Wunsch, kürzer zu treten, es ruhiger anzugehen, ist tief in die gesellschaftliche Mitte durchgesickert“, analysiert die Neue Zürcher Zeitung. „Selbst Teile der Grünen und der SPD sprechen sich inzwischen für eine 4-Tage-Woche aus. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass auch der Staat Schuld ist an einer Einstellung, die man so definieren könnte: Für alles ist gesorgt in deinem Leben. Der Staat schützt dich vor allen Unwägbarkeiten – egal ob Arbeitslosigkeit oder Altersarmut.
Was, du arbeitest noch? Wie blöd bist du denn!
Wolfgang Schäuble hatte kurz vor seinem Tod im Dezember 2023 Sätze gesagt, die auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben. In einem Interview mit der Welt am Sonntag formulierte er: „Wir müssen endlich die Prioritäten setzen. Dazu gehört auch die bittere Wahrheit, dass wir zu wenig arbeiten. Wenn es einen massiven Arbeitskräftemangel gibt, müssen wir auch selbst wieder mehr arbeiten. Deutschland ist das Land, das unter den führenden Industrienationen die wenigsten Arbeitsstunden pro Person leistet. Heute gilt es schon als Menschenrechtsvergehen, wenn man bei der 38-Stunden-Woche bleiben möchte …“

Wolfgang Schäuble (* 18.9.1942; † 26.12.2023 ), ehemaliger Präsident des 19. Deutschen Bundestags
Mich ärgert es, wenn Leute ständig über zu viel Arbeit klagen. Noch schlimmer finde ich es, wenn Arbeit als solches schlecht gemacht wird. Nach dem Motto: „Was, du arbeitest noch? Wie blöd bist du denn!“ Oder: Wenn Menschen arbeiten wollen, es aber nicht tun, weil sie mit staatlichen Sozialzuwendungen am Ende des Monats besser dastehen, Stichwort Bürgergeld.
Die Freude etwas zu tun, das irgendwie wichtig ist ...
Ich finde, Arbeit ist ein fundamentaler Teil unseres Lebens. Sie ist das, was die meisten antrieb und antreibt: Die Freude etwas zu tun, das irgendwie wichtig ist – auch für andere Menschen. Geht es im Beruf gut, ist das Leben gut. In meiner Jugendzeit war auch samstags Schulpflicht. Die IG-Metall feierte die 48-Stunden-Woche, verteilt auf sechs Tage. Die meisten Deutschen machten einmal Urlaub im Jahr. Wer es nach Torremolinos an die Costa Brava schaffte, war schon wer. Work-Life-Balance – den Begriff kannte man nicht. Natürlich hatte wie heute jeder Lust auf Freizeit und Freiheit: Fußball kloppen (die Jungen), um die Häuser ziehen, Freunde treffen. Aber damals hieß es: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, so platt dieser Satz für manche heute klingen mag.

Früher war nicht alles besser – aber einmal im Jahr Urlaub in Spanien, das war schon was.
Natürlich haben wir in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte im Arbeitsleben gemacht. Früher war nicht alles besser, aber teurer. So musste man 1970 noch über 145 Stunden arbeiten, um sich eine Waschmaschine leisten zu können. Heute sind es nur noch 19 Stunden. Und natürlich möchte keiner zurück zur 48-Stunden-Woche bei sechs Tagen Arbeit.
Aber wir sollten zurück zu dem, was Deutschland auszeichnet und stark gemacht hat: Qualität Made in Germany. Und das geht nur, wenn die Arbeit auch Spaß macht.
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