Neue Untersuchung: Wer mit der Hand schreibt, wird klüger
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Es ist schon paradox, was da gerade passiert: Deutschland will bis 2030 Milliarden in die Digitalisierung von Schulen investieren. Dänemark denkt über das Gegenteil nach – und unser nördlicher Nachbar hat gute Gründe.
Vor drei Jahren setzte Dänemark um, wovon Deutschland weit entfernt ist: die fast vollständige Digitalisierung des Bildungssystems. Wie die Welt berichtet, gibt es in Dänemark Schulbücher fast nur noch in elektronischer Form für den Tablet-Computer oder Laptop. Die dänischen Schüler hatten – laut der aktuellen Pisa-Studie – die meiste digitale Zeit im Unterricht. 72 Prozent von ihnen gaben an, in jeder oder fast jeder Unterrichtsstunde digitale Hilfsmittel zu nutzen. In den anderen OECD-Ländern sagten das im Schnitt gerade einmal 16 Prozent. Und wegen des dramatischen deutschen Rückstands in diesem Bereich gilt der dänische Vorstoß von vor drei Jahren hierzulande weiterhin als Vorbild.

Dänische Schulkinder im digitalen Schulunterricht.
Dänemark investiert Millionen Euro in neue Schulbücher
Die neue Bildungsministerin Karin Prien (CDU) deutete an, dass die Umsetzung des Digitalpakts eine der entscheidenden Aufgaben in ihrer Amtszeit sein werde. Pech, dass sich ausgerechnet die Ikone Dänemark gerade wieder von ihrem bedingungslosen Digitalisierungskurs abwendet. Denn die Technologieoffensive brachte dem Land nicht den erhofften Erfolg – im Gegenteil. Neue Untersuchungen weisen darauf hin, dass Konzentrationsprobleme unter den Schülern zunehmen. Im Vergleich stürzten auch die Mathematikergebnisse im Land ab. Der dänische Bildungsminister schlug im Februar deshalb sogar vor, private Smartphones und Tablets zu verbieten. Stattdessen sollen umgerechnet mehrere Zehnmillionen Euro in Bücher investiert werden.
Deutschland steht beim digitalen Unterricht weit hinten – zwischen Griechenland und Costa Rica. Aber: Beispiele wie Dänemark zeigen, dass die elektronische Ausstattung nicht automatisch zu tiefgreifenderem Themenverständnis – und damit zu besseren Schülern – führt. Professor Alexander Renkl von der Universität Freiburg sagt: „Die elektronischen Tools sind oft nicht dafür geeignet, Themen tiefgreifender zu reflektieren. Es ist etwa ein riesiger qualitativer Unterschied, ob ich eine WhatsApp-Nachricht tippe oder einen kohärenten längeren Text verfasse.“

„Es ist etwa ein riesiger qualitativer Unterschied, ob ich eine WhatsApp-Nachricht tippe oder einen kohärenten längeren Text verfasse“, sagt Professor Alexander Renkl von der Universität Freiburg.
Schreiben ist besser als Tippen
Studien der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) bestätigen das: Die Wissenschaftler stellten dort mittels Gehirnscans fest, dass Schreiben per Hand eine höhere geistige Kapazität auslöst als bloßes Tippen am Computer. Übersetzt heißt das für mich: Wer mit der Hand schreibt, wird klüger! Professor Alexander Renkl: „Es muss ein Nutzungskonzept für die digitalen Medien geben. Dann kann ihr Einsatz eine sinnvolle Ergänzung sein. Wir sollten uns aber immer fragen: Gibt es wirklich einen benennbaren Vorteil?“

Wissenschaftler der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie stellten mittels Gehirnscans fest, dass Schreiben per Hand eine höhere geistige Kapazität auslöst als bloßes Tippen am Computer.
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Natürlich ist es ein riesiger Vorteil, dass wir Google & Co benutzen können – auch an den Schulen. Aber das manchmal fast zwanghafte (und sogar stumpfsinnige) googeln (wie heißt der neue Papst? Wie heißt die Hauptstadt der USA?) fördert das Hirn nicht, im Gegenteil. Mein Kollege Alexander Kissler beendet seine wunderbare Kolumne bei NIUS stets mit den Worten: „Bitte nicht vergessen: Nur selber denken macht schlau!“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Und das geht ohne Computer, ganz bestimmt. Schreiben Sie doch mal wieder. Ihr Gehirn sagt „danke“.
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