Özdemirs Öffenbarungseid: Wer alle Bauern als Rassisten beschimpft, darf nicht Landwirtschaftsminister sein
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Eigentlich hatte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) im Interview mit der Funke-Mediengruppe offenbar versöhnliche Töne anschlagen wollen: „Die Bäuerinnen und Bauern haben jedes Recht der Welt, für ihre Anliegen zu demonstrieren.“ Und natürlich hätten die meisten mit Radikalen und Extremisten nichts am Hut ... Doch dann bricht ganz am Ende plötzlich der wahre Özdemir aus dem Minister heraus, der sich selbst als eine Art fundamentalen Gegenspieler der Landwirte sieht.
Özdemir: „Mit mir haben es die Landwirte natürlich schwerer, weil ich eine dreifache Zumutung bin: Ich habe ein Ö im Namen, also türkische Wurzeln, bin Vegetarier und auch noch Grüner.“
Wie bitte? Deutschlands Bauern allesamt Fremdenfeinde, Rassisten, Kleingeister? Was war das? Verfolgungswahn? Hilflosigkeit? Frühes Kindheitstrauma? Oder schlicht Verachtung für ausgerechnet jenen Berufsstand, den Cem Özdemir in der Bundesregierung vertreten soll? Was auch immer: Es ist Özdemirs Öffenbarungseid. Wer so denkt und alle Bauern als Rassisten beschimpft, darf nicht Landwirtschaftsminister sein.

Heimspiel im Ländle: Bauern demonstrieren beim Özdemir-Besuch gegen den Landwirtschaftsminister.
Drei Unterstellungen, dreimal Unsinn pur!
Ein „Ö“ im Namen und türkische Wurzeln: Agrardiesel und Mehrbelastungen wären also nur Vorwand gewesen, weil die Bauern einen Minister mit Migrationshintergrund loswerden wollen? Ein Vorwurf, der so ungeheuerlich ist, wenn man ihn zu Ende denkt, dass sich die Frage aufdrängt, ob sich Landwirte und ihre Vertreter überhaupt noch mit Özdemir an einen Tisch setzen können, solange das im Raum steht und Özdemir sich nicht entschuldigt. Die stehende Redewendung vom „türkischen Basar“, die auf der ersten Berliner Bauern-Demo fiel, auf sich zu beziehen, war schon damals abwegig und allenfalls Ausweis von Hilflosigkeit, und bei einer Viertelmillion demonstrierender Bauern gab es nicht einmal Spuren von Ressentiments in dieser Richtung. Am ehesten stehen hier noch Stadt und Land als Gegensätze gegenüber und nicht die Herkunft des Ministers.

Mittwochmittag in Ellwangen: Özdemir schleicht sich durch den Hintereingang zu einer Bauern-Kundgebung.
Ich bin Vegetarier: Klar. Bauern sehen in Gemüse-Liebhabern eine Zumutung. Was glaubt Özdemir eigentlich, wo vegetarische Lebensmittel herkommen und wer sie produziert? Kleiner Spoiler: Landwirte sind da nicht ganz unbeteiligt. Nicht alle Bauern sind Viehzüchter, wie diese Unterstellung insinuiert. Ein solches Feindbild aufzubauen, ist einfach abwegig und zeugt davon, dass Özdemir in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit viel mehr Hofbesuche hätte absolvieren sollen. Um es mal klar zu sagen: Den meisten Bauern ist es völlig wurscht, was der Minister isst!
Weil ich ein Grüner bin: Offenbar ist es dem Minister entgangen, dass auch die Öko-Bauern auf der Straße waren, die von grüner Politik stark profitieren, aber auch keine Alternative zum Diesel-Traktor haben. Zugegeben: Manche Vorstellungen von „grüner Landwirtschaft“ sind naiv und weltfremd und folgen – wie es Bayerns Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler und selbst Landwirt) bei „Schuler! Fragen, was ist“ ausdrückte – einem romantischen „Heidi-Syndrom“. Daraus aber eine Frontstellung zu den Grünen zu stilisieren, ist weder für den Minister und seine Akzeptanz klug noch zutreffend. Es sind die Bauern, die von intakten Böden, gesunden Tieren und der Pflege unserer Kulturlandschaften leben und mit immer neuen Zumutungen der Politik das Leben schwer gemacht bekommen.
Minister Cem „kein-Bauer-liebt-mich“ Özdemir sollte schnell aus seiner Schmoll-Ecke herauskommen und mit den Landwirten vor Ort reden. Und übrigens: Seine Amtsvorgängerin Julia KlÖckner (CDU) hatte auch ein „Ö“ im Namen ...
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