Schau doch mal der Robbe ins Maul: Irre Personalwerbung der Bundesregierung!
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Die Personalnot in Deutschland wird immer größer. Besonders gesucht ist Nachwuchs in traditionsreichen Berufen, zu denen keiner mehr so recht Lust hat, weil sie besonders anstrengend sind: Bäcker, Metzger, Müllfahrer zum Beispiel.
Das soll jetzt anders werden. In einer Werbekampagne auf Instagram will die Bundesrepublik gezielt junge Leute ansprechen. Wie sie das tut, wirft ein Schlaglicht auf das, was unsere Politiker unter Arbeit verstehen. Die wichtigste Aussage der Info-Kampagne: Arbeit soll Spaß machen. Das ist an sich nicht falsch. Aber auch Werbung sollte ein bisschen was mit Realität zu tun haben, sagt mir mein gesunder Menschenverstand. Vor allem, wenn die Werbung von offizieller Stelle kommt, also von der Bundesregierung.
Nehmen wir mal das Motiv, das Sie im abgebildeten Instagram-Post der Bundesregierung sehen: Ein junger Mann hat einer Robbe das Maul geöffnet und prüft offenbar den Zustand der Zähne. Vielleicht auch, ob sich das Tier an einem Stück Fisch verschluckt hat? Wir wissen es nicht, auch nicht, was gesucht wird – Tierpfleger, Robbenzahnarzt? Was wir aber wissen: Robben sind sympathische Tiere, ihr Fell glänzt, und sie gucken uns aus großen runden Augen an. Psychologen nennen diese Sympathie, die wir bei einem solchen Anblick empfinden, „Kindchen-Schema“ – sieht immer aus wie ein Kind, ist immer liebenswert.
Nur was in aller Welt hat die Robbe mit dem zu tun, was Deutschland dringend benötigt: junge Leute, die arbeiten wollen, aber noch nicht wissen, was genau – und wo sie einen Ausbildungsplatz finden?
Betreutes Denken für Lebensunfähige?
Das Motto der Regierungskampagne heißt: Was ist für dich drin? Damit ist der junge Arbeitssuchende gemeint, der vielleicht einen Job sucht. Der möchte sicher auch wissen, wieviel er oder sie verdienen kann. Und wieviel Freizeit es gibt und wieviel Urlaub. Aber wichtiger ist für ihn: Was kann ich werden, was ist das für ein Beruf? Diese Werbung ist die klassische Verniedlichung von dem, was junge Menschen in der Arbeitswelt erwartet. Es ist, als würde man Menschen ansprechen, die selbst lebensunfähig sind. Betreutes Denken sozusagen, die Bundesregierung denkt für dich, in jeder Lebenslage.
Ein anderes Werbemotiv zeigt eine junge Tischlerin, die Holz schleift. Im Text geht es aber nicht um die Schönheit des ehrwürdigen Tischlerberufes. Die Überschrift heißt: „Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt zwei Heimfahrten pro Monat (Fettung in der Anzeige) in deinem ersten Ausbildungsjahr!“

Ausbildung mit Perspektive: Besonders im Handwerk fehlt es an jungen Azubis.
Man möchten jedem jungen Menschen gönnen, dass er zweimal im Monat von seinem Arbeitsplatz nach Hause fahren kann, auch seine Eltern werden sich freuen. Aber sollte das wirklich das wichtigste Kriterium für die Berufswahl sein? Ich finde: nein! Die Kampagne der Bundesregierung ist voll am Ziel vorbeigegangen. Sie sollte schnell beendet werden.
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