So teuer ist es, alt zu werden
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Die letzten zehn Jahre vor dem Tod eines Menschen sind die teuersten – und zwar unabhängig davon, ob das Sterbealter bei 65 oder 90 Jahren liegt. Das belegt die Statistik eines englischen Versicherungsunternehmens.
Die Zahlen sind in ganz Europa ähnlich, auch wenn sie von Land zu Land leicht variieren. Die Krankheiten nehmen zu, die Behandlungen werden umfangreicher, komplizierter – und teurer. Die allerletzten Monate verbringen Menschen oft in Pflegeheimen. In Einrichtungen wie dem Seniorenpflegeheim „Domicil“ im Berliner Stadtteil Lichtenberg. Dort hatte sich die letzte ausgebildete Pflegekraft in den Feierabend verabschiedet – und die Ablöse kam einfach nicht. Feuerwehr und Polizei mussten einspringen, damit die 140 Heimbewohner nicht im Haus über Nacht allein blieben mussten. Diese „Pflegeschande“ in einem Berliner Seniorenheim wurde weit über die Grenzen der Hauptstadt bekannt – und wirft ein Schlaglicht auf ein brisantes Thema in unserem Land. Die Frage: Wie teuer ist es, in Pflegeheimen gut versorgt zu werden?
Antwort: Es ist teuer, sehr teuer. Die Allianz-Versicherung nennt folgende Preise: Zum Beispiel Pflegestufe 2 (es gibt fünf Pflegestufen) kostet 3.548 Euro im Monat. Beim höchsten Pflegegrad 5 sind es insgesamt 4.783 Euro im Monat. Diese Summe muss nicht zwingend vom Pflegebedürftigen selbst oder dessen Familie aufgebracht werden. Reicht der Zuschuss der Pflegekasse nicht aus, um die Pflegekosten zu decken, wird ein Eigenanteil fällig. Der beträgt laut Verband der Ersatzkassen (vdek) im Bundesdurchschnitt 1.139 Euro im Monat.

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Menschen in Pflegeberufen leisten Großartiges – und werden miserabel bezahlt
Soweit die Statistik. Jetzt komme ich zu meiner Mutter, und ich tue das bewusst, weil es in dieser Kolumne um die Kosten der Pflege geht, um die Kosten, wenn man alt wird. Und um die Frage, wie würdevoll Menschen behandelt werden, die nicht mehr ohne fremde Hilfe den Alltag gestalten können. Was in Berlin-Lichtenberg passiert, ist aus meiner Erfahrung eine absolute Ausnahme. Die Pflegekräfte – so heißen sie offiziell – haben sich alle liebevoll und aufopfernd um meine Mutter gekümmert. Und diese Frauen und Männer verdienen im Durchschnitt 19.000 bis 25.000 Euro im Jahr. Ich habe die Rufe eines sehr alten Herrn noch im Ohr. Er schrie immer wieder: „Schwester, Schwester“. Das hallte durch das ganze Gebäude. „Sollten Sie da nicht hin?“, fragte ich eine Pflegekraft. „Er hat nichts“, sagte sie lächelnd. „Es ist seine Art, uns anzusprechen. Er möchte nicht allein sein.“
Diese Erinnerungen sind ein paar Jahre her. Meine liebe Mutter ist längst von uns gegangen. Ich glaube und hoffe, dass sie ihre letzten Monate in Frieden verbracht hat. Ich konnte sie jeden Tag besuchen. Ihr Gesicht hatte sich jedes Mal aufgehellt, obwohl ihre Erinnerung schon von Schatten umwölkt war.
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Pflege ist teuer, sehr teuer. Auch für die Angehörigen. Aber es ist eine große Aufgabe, die Menschen in Pflegeberufen leisten. Und genau die werden immer noch miserabel bezahlt. Es ist – man kann es nicht anders sagen – ziemlich traurig.
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