Verzweifelte Suche nach dem „Current Thing“: Für linke Gutmenschen sind die Bauern leider zu normal
Ein Beitrag von
Gefühlt jedes halbe Jahr suchen sich Gutmenschen ein soziales oder weltpolitisches Thema, das sie zu ihrer Identität machen. Im modernen Diskurs nennt sich das „Current Thing“, also das „jetzige Ding“. Der protestierende Bauer hätte eigentlich eine gute Chance, dazuzugehören. Tut er aber nicht.
Sei es der unkritische Umgang mit der „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM) samt Sakralisierung des verurteilten Drogenabhängigen George Floyd (jeder, der dazu Kritik äußerte, wurde direkt zum Rassisten erklärt), der Umgang mit der Corona-Pandemie und der Impf-Frage (jeder, der die Maßnahmen kritisierte und sich nicht impfen lassen wollte, wurde zum Schwurbler und Nazi), die Solidarität mit der Ukraine und ukrainischen Flüchtlingen (jeder, der nicht begeistert ist, wird automatisch zum Putinversteher) – all das war ein gesamtgesellschaftlicher Lackmustest. Entweder man stimmte dem Gutmensch-Narrativ zu oder man wurde ausgegrenzt, beleidigt und von öffentlich-rechtlichen Medien oder einschlägigen sozialen Plattformen „gecancelled“.

Ein beliebtes satirisches Meme über die bunte Vielfältigkeit des Guten.
Kurzzeitig sah es so aus, als würde die Parteinahme für Israel im Kampf gegen die Hamas das nächste „Current Thing“ werden, aber der Hass der Linken auf den Nationalstaat Israel und eine sich wehrende jüdische Minderheit war zu groß, um, wie im Falle der Ukraine, an deutschen Universitäten israelische Fahnen zu hissen und Israelkritiker aus der Gesellschaft gänzlich auszugrenzen.
Es ist wichtig zu begreifen, dass man für eines der genannten Themen durchaus einstehen kann, ohne gleich dem „Current Thing“ zu folgen. Doch noch wichtiger ist es zu verstehen, dass die meisten, die es tun, es aus einem Aspekt der Selbstbeweihräucherung tun. Dem Gutmensch geht es nicht um die Ukraine oder den Kampf gegen den anti-schwarzen Rassismus – nein. Dem Gutmensch geht es darum, zu zeigen, dass er gut ist und von einem hohen moralischen Ross hinabblicken zu können auf jene, die dem Narrativ nicht folgen mögen, um ihnen möglichst öffentlichkeitswirksam auf den Kopf zu spucken.
Ob BLM, Corona oder die Ukraine – keines der Themen scheint für die Gutmenschen noch eine aktive Rolle zu spielen. Darauf angesprochen, werden sie bekümmert das Gegenteil behaupten, doch der ebenso inhaltsleere wie modische Aktionismus, der die ersten Wochen der Themenfindung zeichnete, ist längst vorüber.
Und? Was wird das nächste „Current Thing“?
Eine Antwort darauf zu liefern, ist eine Aufgabe für Nostradamus oder Wolf Messing.
Doch eine Sache kann man sicher behaupten: Die Bauernproteste werden es nicht.
Wieso eigentlich? Die Bauern sind das Rückgrat der Gesellschaft, bauen gesundes Obst und Gemüse an, sind nachhaltig – also bestens geeignet, um den nächsten perfekten „Current Thing“ Moment auszurufen. Hierbei vergisst man aber, dass die Bauern vor allem eins sind: Opposition. Sie haben keinen Bock auf die Ampel, auf deren falsche Prioritäten, und auch keine Lust mehr auf die Medien, die sie seit Anfang der Proteste durch den Kakao ziehen.

Die Bauernproteste richten sich gegen die Politik der Ampel.
Die Bauern sind eine echte „Grassroots“-Bewegung, also eine Graswurzelbewegung – natürlich entstanden, ohne dass die Medien die Narrative erstmal schmackhaft verkaufen mussten. Sie werden getrieben von existentiell bedeutsamen Motiven, der Wut auf die Regierung und ihrem Status als arbeitende Bevölkerung.
Doch genau da ist der Punkt – die Wut der Bauern lässt sich nicht für das jetzige System instrumentalisieren. Deswegen stehen die regierungsbildenden Politiker mit den Bauern auf Kriegsfuß. Die einzigen politischen Organisationen, die die Bauern wirklich unterstützen, sind diejenigen, die ebenfalls gegen die Ampel agieren. Ob nun die Linksjugend, die AfD oder vereinzelte CDU-Politiker. Die Solidarität aus der politischen Welt kommt ausschließlich aus der Opposition.
Kein Wunder, dass die Medien versuchen, die Bauern als rechte Gewalttäter darzustellen, obwohl die Polizei sämtlichen Vorwürfen mit Fakten und entsprechenden Presseerklärungen widerspricht. Die ARD-Tagesthemen gehen sogar so weit, dass Aufnahmen des Fähren-Vorfalls passend geschnitten werden, sodass der Zuschauer denken muss, dass Feuerwerkskörper gegen Habeck eingesetzt wurden, obwohl diese erst zum Einsatz kamen, als die Fähre bereits verschwunden war.
Hier der besagte Tagesthemen-Ausschnitt:
Auf NIUS-Anfrage hieß es dann, dass es sich „um eine Zusammenfassung der Ereignisse“ handle. „Der Beitrag befasst sich mit Reaktionen und Analysen zu den Ereignissen in Schlüttsiel und stellt keine chronologische Schilderung dar“, schreibt ein Pressesprecher. Wie schön, dass die Pressestelle da so ehrlich ist, noch schöner wäre es, wenn die Tagesthemen von vornherein eine richtige Chronologie liefern würden, statt ein Anti-Bauern-Framing zu betreiben.
Bei den „Current Things“ sprachen die moralisch Überlegenen stets davon, dass die Zivilgesellschaft nun zusammenhalten muss. Beim Bauernprotest hört man das nie – logisch, denn die Bauern sind genau diese zusammenhaltende Zivilgesellschaft. Nur diesmal ist sie nicht angeleitet durch die Regierung und geht sogar mit einer ordentlichen Portion Wut und Kritik gegen eben jene auf die Straße.
Mehr NIUS:
„Die Ampel muss weg!“ Bauern-Sprechchöre bei Özdemirs Ländle-Heimspiel
Mehr NIUS:
Die Badewanne stirbt aus, dabei brauchen wir sie dringender denn je
Der Staat will nicht, dass Sie diese Werbung sehen!
Merz in Mecklenburg-Vorpommern: Der Beifall war enden wollend
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Mehr NIUS:
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Frei ist nur das Ich!
Warum Julia Klöckner die schickste Frau im Bundestag ist
Merz sagt, in 30 Jahren wird alles besser – ich freu mich schon drauf
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare