Wagenknecht & Weidel: Zwei, die sich finden könnten …
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Die Parteien, die wir seit Jahrzehnten von unseren Wahlscheinen kennen, hören gerade ganz genau hin, wenn zwei Frauen sprechen. Vor allem, wenn sie übereinander sprechen. Die Rede ist von Alice Weidel und Sahra Wagenknecht.
Die eine hat mit der AfD die deutsche Parteienlandschaft schon aufgewirbelt, die andere würde gerne mit einer Partei, die es noch nicht gibt, das Momentum der Protest-Stimmung im Land nutzen.
Weidel attackiert von rechts, Wagenknecht von links. Beide fischen aber in allen politischen Lagern, das linke Arbeitermilieu ist genauso im Visier wie konservative Kreise. Und vor allem: frustrierte Nichtwähler, die keiner politischen Kraft mehr vertrauen, sollen ihr Kreuz bei der AfD oder der Wagenknecht-Partei machen.
Mein Kollege Ralf Schuler hat ein 45-minütiges Gespräch mit AfD-Chefin Weidel geführt. Und sie direkt gefragt: Würde sie eine Koalition mit Wagenknecht bilden? Weidel antwortet ohne Zögern: „Da müsste man reden. Ich würde das nicht ausschließen. Aber Frau Wagenknecht möchte ja nicht mit uns. Ich glaube auch nicht, dass das überhaupt spruchreif ist, weil sie sich erst einmal bewähren muss.“

Weidel im Gespräch mit NIUS-Politik-Chef Ralf Schuler
Die Schmuddelkinder im Sandkasten
„Nicht ausschließen“ heißt: Natürlich würde Weidel ihre AfD in eine Zusammenarbeit mit der Wagenknecht-Partei führen. Die AfD gilt weiter als unberührbar im deutschen Parteien-Koordinatensystem. Niemand will mit der Rechtsaußen-Partei paktieren. Wagenknecht muss ihr Profil noch schärfen, je nach Positionierung bei Wirtschafts- oder Migrationsthemen droht ihr ein ähnliches Schicksal. Mit den Schmuddelkindern links und rechts will keiner im Sandkasten spielen. Aber was, wenn sie zueinander finden? Dann wird die Hufeisen-Theorie auf einmal gelebte Praxis …
Was dafür spricht: Die beiden sprechen respektvoll übereinander, nicht angewidert, wie es viele in ihrem politischen Lager über den jeweiligen Gegner tun. Weidel nennt Wagenknechts Initiative „mutig“, und drückt sichtbar ihre Sympathie dafür aus, dass die Linken-Ikone ihre „eigenen Positionen vertreten und emanzipieren“ will. Wagenknecht wiederum betont im ARD-Interview, dass Weidel „natürlich zuspitzt“, aber die Art des Umgangs mit der AfD sei „falsch“. „Natürlich ist Alice Weidel kein Nazi“ – ein Satz, der nicht vielen Linken über die Lippen kommt. Weitere inhaltliche Überschneidungen: Klares Nein zu Russland-Sanktionen, klares Ablehnen einer restriktiven Klima-Politik und kollektives Kopfschütteln bei der Gender-Thematik.
Was dagegen spricht: Es prallt ein linkes, kollektivistisches auf ein konservativ-bürgerliches Menschenbild. Selbst wenn die beiden Frontfrauen miteinander können, wird es im schwer zu kontrollierenden Innenleben der beiden Organisationen heftig rumoren.
Andererseits: Der Nektar der Macht ist süß. Am Ende wollen beide gestalten und nicht nur palavern. Wenn zwei Lager, die sich am Protest laben, auf einmal Mehrheiten generieren können, wird es sicherlich Gespräche geben. Dann werden aus Weidel und Wagenknecht zwei Frauen, die sich finden könnten …
Das ganze Gespräch von Ralf Schuler mit Alice Weidel sehen Sie hier:
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