Warum der Barbie-Film eine einzige Mogelpackung ist
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Barbie hat es geschafft. Nur zweieinhalb Wochen nach dem Kinostart knackte der Film die magische Marke von einer Milliarde Dollar (rund 910 Millionen Euro), wie das Hollywood-Studio Warner Bros. mitteilte. Schneller als jeder andere Film des Filmstudios, einschließlich der Harry Potter-Filme. Damit gehört Barbie schon jetzt zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Nur etwa 50 Streifen spielten weltweit überhaupt mehr als eine Milliarde Dollar ein. Zugleich lief Greta Gerwig damit Patty Jenkins den Rang als bis dato erfolgreichste weibliche Solo-Regisseurin ab. Mit 822 Millionen Dollar an den Kinokassen muss sich ihr DC-Hit „Wonder Woman“ von 2017 „Barbie“ geschlagen geben.
Filmstudio-Chefs voll des Lobes
Passend zur feministischen Message des Films (alle Männer sind böse und Frauen können nur frei und glücklich ohne sie sein) wird deshalb auch der Erfolg von „Barbie“ nun vor allem als weibliche Erfolgsgeschichte geframed. Kein Wunder also, dass die Meldung des Einspielergebnisses von Süddeutscher Zeitung bis Spiegel mit nahezu derselben Euphorie verkündet wird wie der Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft. Aber auch die Chefs von Warner Bros. sind voll des Lobes für die 40-jährige Regisseurin („Lady Bird“).
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Margot Robbie als Barbie steht im Zentrum einer Party in Barbieland in einer Szene der Films „Barbie“
„Niemand außer Greta Gerwig hätte diese generationsübergreifende Ikone und ihre Welt in einer so witzigen, emotionalen und unterhaltsamen Geschichte zum Leben erwecken können (…). Dass der Film die Milliardengrenze geknackt habe, sei „ein Meilenstein, der von ihrer Brillanz und ihrem Engagement zeugt, einen Film abzuliefern, den Barbie-Fans jeden Alters auf der Kinoleinwand sehen wollen“, so Jeff Goldstein und Andrew Cripps.
„Barbie – The Movie“ lebt von dem, was Menschen mit Barbie assoziieren
Ich bin mir an dieser Stelle nicht ganz sicher, ob ich denselben Film gesehen habe wie die beiden Studio-Chefs, aber wenn ich „Barbie“ als eines nicht bezeichnen würde, dann als Film, der jede Generation von Barbie-Fans abholt. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass er sowieso nur eine ganz bestimmte Sorte von Frauen abholt, während der Rest schlicht und ergreifend dem genialen Marketing auf dem Leim gegangen und nur deshalb ins Kino gerannt ist, weil er einmal im Leben ein Foto von sich in einer lebensgroßen Barbie-Verpackung machen wollte.
„Barbie -The Movie“ lebt von der Barbie-Legacy. Von dem, was Menschen mit Barbie assoziieren, nicht von seiner tatsächlichen Handlung, die eher ein deprimierendes Licht auf eine Welt wirft, in der Frauen per se als unterdrückte Opfer von Männern gelten. Was gerade daran herausragend emanzipiert und feministisch sein soll, hat sich mir noch nie erschlossen.
Die größte Enttäuschung ist allerdings die Tatsache, dass es keine Lovestory mit Ken gibt, was im Übrigen das ganze Konzept von Barbie und Ken völlig ad absurdum führt. Ohnehin findet sich in Gerwigs Film kein einziger Mann, der kein Depp ist. Und so geht jedes kleine Mädchen, das sich den Film mit seiner Mutter angeschaut und eine pinke Spaßexplosion erwartet hat, mit der Botschaft nach Hause, dass Männer pauschal Idioten sind und ein jeder von uns auf der Welt besser dran sei, wenn Frauen und Männer getrennte Wege gehen.

Ryan Gosling, Schauspieler aus Kanada, und Margot Robbie, Schauspielerin aus Australien, kommen zur Premiere des Films „Barbie“.
Dabei finde ich eine ironische, kritische Auseinandersetzung mit den Schwächen des männlichen Geschlechts und gesellschaftlichen Benachteiligungen von Frauen, die in manchen Bereichen durchaus noch existieren, nicht per se falsch. Dennoch fehlen mir hier die Nuancen. Alles ist, wie bei vielen Filmprojekten der letzen Jahren, die stets den Ansprüchen einer woken Minderheit gerecht werden wollen, zu angestrengt, zu ideologisch.
Was dabei stets auf der Strecke bleibt, ist die Emotion. Das, was das Herz berührt. Zumindest für diejenigen, bei denen Wärme im Herzen noch durch zwischenmenschliche Beziehungen und nicht durch ideologische Messages erzeugt wird.
Feministischer Wink mit dem Zaunpfahl
Dabei dürfen Filme durchaus gesellschaftskritische und politische Botschaften beinhalten. Ich bin nur der Meinung, dass die beste Lehre, die ein Film seinen Zuschauern mit auf den Weg geben kann, diejenige ist, die ihn nicht mit dem Zaunpfahl erschlägt.
Dass sich Raum für eigene Gedanken und Gefühle dann am besten bildet, wenn eine gewisse Subtilität Platz dafür lässt. Weder Melanie Griffith in die „Die Waffen der Frauen“ noch Whoopi Goldberg in „The Associate“ mussten Worte wie „Patriarchat“ in den Mund gelegt werden, um ihre Benachteiligung in einer männerdominierten Branche zu verdeutlichen. Vielmehr vermittelten die Filme ihre durchaus feministische Botschaft ganz von selbst durch ihren hohen Unterhaltungswert. Heute ist zumeist das Gegenteil der Fall. Je mehr politische Botschaft, desto geringer der Spaß. Zumal wirklicher Humor im Zeitalter der Schneeflocken ohnehin immer Gefahr läuft, irgendeine Minderheit in ihren Gefühlen zu verletzen.
Und so besteht auch bei „Barbie“ der Unterhaltungswert allenfalls in der pinken Bonbon-Kulisse und den wirklich guten Kostüm-Designs. Erträglich ist der Film tatsächlich jedoch nur für diejenigen, die entweder selbst zum woken Spektrum gehören oder so unpolitisch sind, dass sie die pseudo-intellektuelle Trump-Analogie (Ken baut eine Mauer um Barbie-World - höhö) nicht verstanden haben. Für alle anderen ist und bleibt der Film eine Beleidigung des eigenen Intellekts und eine einzige Mogelpackung, die Aqua-Barbie-Girl-Vibes verspricht und angestrengten Woke-Feminismus liefert.
Dass der Erfolg des Films zugleich seinen eigenen Plot über die Unterdrückung der Frau im Patriarchat widerlegt, ist da nur noch eine ironische Randbemerkung.
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