Wehrpflicht: Ich bin DAGEGEN, weil ...
Ein Beitrag von
Das Thema Wehrpflicht bewegt viele Menschen in Deutschland. Braucht das Land ihre Wiedereinführung? So jedenfalls fordern es immer mehr Politiker. Auf ihrem Parteitag in Berlin beschloss die CDU am Dienstag die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht in veränderter Form wieder einführen zu wollen. Die Christdemokraten schlagen ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr vor.
Bei NIUS diskutieren zwei junge Redakteure über Sinn und Unsinn einer solchen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Marc Sierzputowski jedenfalls hat eine klare Meinung. Er ist gegen die Rückkehr zur Wehrpflicht.
Weshalb?
Für DIESES Deutschland möchte ich nicht sterben!
Die Älteren erinnern sich an die NATO-Bombardements im Kosovo und Bosnien-Herzegowina. Die rot-grüne Bundesregierung verletzte das Völkerrecht und das Grundgesetz, indem sie 1999 deutsche Truppen bereitstellte. Politiker verteidigten den Einsatz als „humanitäre Intervention“ und als „notwendig“ gegen serbische Menschenrechtsverletzungen. Seit dem sind zahlreiche Einsätze hinzugekommen: in Mali, Niger, Südsudan und Afghanistan, bei dem sogar deutsche Soldaten beim Karfreitagsgefecht im Kampf gegen die Taliban starben. Mit diesen – nur umrissenen – Fällen sorgte die Bundeswehr, die eigentlich als „Verteidigungsarmee“ dienen sollte, für einen Zwiespalt im Land. Ausländische Interessen werden mit deutschem Blut vertreten. Fast alle Einsätze oder „Missionen“ sind meiner Meinung nach für eine „Verteidigungsarmee“ nicht vertretbar. Es sollte uns grundsätzlich nicht interessieren, was am anderen Ende der Welt los ist, solange wir unsere deutschen Interessen nicht formulieren können und stattdessen von einer „weitergeleiteten feministischen Außenpolitik“ schwafeln.
Unsere Außenministerin Baerbock erklärt quasi aus Versehen in einem Nebensatz Russland den Krieg. Der Tag der Deutschen Einheit, dessen Pendant in anderen Ländern wie ein Fest aus Weihnachten, Silvester und Geburtstag zusammen gefeiert werden, verkümmert hierzulande zum Corporate Design aus Schwarz-Rot-Gold am Regierungsgebäude.

Die Flagge der Bundesrepublik Deutschland ist doch so verpönt beim Staat. Und ich soll sie auf der Schulter tragen?
In den staatlichen Institutionen ist die Hölle los, plötzlich weiß niemand mehr, was eine Frau ist, und wir senden Milliarden von Euro und Waffen in die Ukraine. An Polizeistationen hängt im nächsten Monat zum sogenannten „LGBT-Pride-Monat“ wieder die Regenbogenflagge, Polizeistreifen hingegen dürfen zur Heim-EM keine Deutschlandfahne tragen. Migration, die an eine Invasion über Europa erinnert und täglich Opfer fordert, wird rücksichtslos auf die Gesellschaft losgelassen. Solange in Deutschland solche Zustände herrschen, werde ich mich hüten, die Wehrpflicht gutzuheißen. Und zuallerletzt werde ich für DIESES Deutschland sterben! An einem verpflichtenden Zivildienst habe ich nichts auszusetzen, aber für ein ideologisches Deutschland werde ich als junger Mann niemals kämpfen.
Krieg ist nicht mehr Krieg – Wehrdienst aber noch Wehrdienst
Das digitale Zeitalter kann widerlich sein, vor allem in Zeiten von Krieg. Videos aus Kriegsgebieten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Wer so makaber und pervers ist, sich solche Aufnahmen anzuschauen, stellt schnell fest: Krieg ist nicht mehr Krieg. Am Beispiel der Ukraine sieht man es gut. Am Himmel umhersirrende Drohnen beherrschen das Schlachtfeld. Weil Kampfhelikopter und Militärjets zu teuer sind, bauen ukrainische Soldaten fleißig kleine Bombendrohnen, um den Russen zurückzuschlagen. In diesen Zeiten braucht es eine hochtechnologisierte Bundeswehr und gut geschulte Spezialisten. Wehrpflichtige können während der kurzen Wehrdienstzeit kaum noch ausreichend in der Handhabung komplizierter Waffensysteme ausgebildet werden.
Fakt ist: von 27 EU-Staaten haben nur sechs eine Wehrpflicht. Die politischen Veränderungen seit 1989/1990 haben in Europa eine völlig neue sicherheitspolitische Situation geschaffen. Wir haben heute zum ersten Mal in unserer Geschichte ausnahmslos Freunde, Verbündete und Partner als Nachbarn. Die Bundesrepublik Deutschland hat am meisten davon profitiert und kann seine Streitkräfte entsprechend umstrukturieren sowie auf die Wehrpflicht verzichten. Deswegen finde ich, muss der Wehrdienst dringend reformiert werden.

Das Geschäft mit dem Krieg boomt. Das weiß inzwischen jeder. Im Krieg ist es förmlich so, als würde es vom Himmel fallen.
Krieg ist Geld
Wer den Film „War Dogs“ gesehen hat, weiß: Krieg ist Geld. Aber wer arbeitet eigentlich, wenn alle anderen am Krieg spielen sind? Deutschland steuert auf dem Arbeitsmarkt auf eine mittelgroße Katastrophe zu. Die Bevölkerung vergreist. Wenn jetzt alle kriegstüchtigen Männer eingezogen werden oder Zivildienst machen, wer zahlt denn dann eigentlich noch Steuern? Unsere frisch eingewanderten „Fachkräfte“ sind es definitiv nicht.
Eine Wehrpflicht wäre für Deutschland mit einem ohnehin schon fatalen „Fachkräftemangel“ ein ökonomischer Tiefschlag. Ein verpflichtender Dienst würde zu einem verzögerten Berufseinstieg führen, was mit Einkommensverlusten einhergehen würde. Das wäre für die Betroffenen des Wehrdienstes (wie mich) ähnlich vergleichbar wie eine zusätzliche Steuer. Die eh schon schrumpfende Zahl berufstätiger Menschen müsste eine wachsende Anzahl von Rentnern und Pensionären unterstützen, sehr wahrscheinlich durch höhere Steuern, Abgaben oder längere Arbeitszeiten.
Nein danke Deutschland, ich möchte keine Wehrpflicht.
Hier geht’s zur Pro-Meinung von Marcs Kollegin Helena: Wehrpflicht: Ich bin dafür, weil ...
Mehr NIUS:
Die Badewanne stirbt aus, dabei brauchen wir sie dringender denn je
Der Staat will nicht, dass Sie diese Werbung sehen!
Merz in Mecklenburg-Vorpommern: Der Beifall war enden wollend
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Mehr NIUS:
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sägt an dem Ast, auf dem alle Arbeitnehmer sitzen
Ein schwarz-grünes Northvolt-Debakel: Wie aus 300 Millionen Euro nur noch 31 wurden
Die Umbenennung des Hindenburgdamms steht für Deutschlands ewigen Kampf gegen die eigene Geschichte
Die Akte „Lügenfritz“ – Politiker verbreiten Desinformation, aber die Bürger werden verurteilt
Thomas und Lisa Müller: Blick hinter die Fassade des Glücks
Frei ist nur das Ich!
Warum Julia Klöckner die schickste Frau im Bundestag ist
Merz sagt, in 30 Jahren wird alles besser – ich freu mich schon drauf
Marc Sierzputowski
Artikel teilen
Kommentare