78 Prozent mehr Gewaltdelikte: Linksextremistische Straftaten in NRW mehr als verdoppelt
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Die Zahl linksextremistischer Straftaten in NRW hat sich 2025 laut Innenministerium mit über 2.400 Fällen mehr als verdoppelt, auch Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte legten deutlich zu – letztere um rund 78 Prozent.
Innenminister Herbert Reul hat am Mittwoch, 25. Februar 2026, gemeinsam mit Verfassungsschutzchef Jürgen Kayser ein neues Lagebild zum Linksextremismus in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Der rund 100 Seiten starke Bericht beschreibt nach Angaben des Ministeriums Strukturen, Strategien und aktuelle Entwicklungen der Szene. Es ist das dritte gesonderte Lagebild des NRW-Verfassungsschutzes zu einem Extremismusbereich – nach einem Lagebild zum Islamismus (2024) und zum Rechtsextremismus (2025).
Kampfsport als „Selbstschutz“ und Linksextremismus als „Lifestyle“
Laut Lagebild haben in Nordrhein-Westfalen sowohl linksextremistische Angriffe und Sabotageakte gegen Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur als auch Gewalt „auf der Straße“ zugenommen – besonders gegen politische Gegner und gegen die Polizei. Im Vergleich zu anderen Bundesländern seien die Strukturen in NRW zwar noch nicht so ausgeprägt, sie würden aber vielfältiger. Das Spektrum reiche laut Ministerium von Linksextremismus in Parteien und deren Umfeld über kommunistische Kleingruppen bis hin zu autonomen Szenen, die teils auch Kampfsport als „Selbstschutz“ nutzten.
Wie Extremisten aus anderen Phänomenbereichen setze die Szene zudem stark auf soziale Medien, gemeinsame Aktionen und ein „Lifestyle“-Image, um vor allem Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen. Dazu komme eine Mischung aus klassischer kommunistischer Symbolik und moderner Jugendkultur. Inhaltlich weite die Szene ihre Themen aus: Neben Klimaschutz stünden inzwischen „viele Krisen gleichzeitig“ im Fokus.

NRW-Innenminister Herbert Reul stellt das „Lagebild Linksextremismus“ vor.
Zahl der linksextremistischen Straftaten verdoppelt
Bei den Straftaten meldet das Innenministerium deutliche Zuwächse: Nach vorläufigen Zahlen stiegen die linksextremistischen Straftaten im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen auf insgesamt über 2.400 Fälle. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2024 (1.187). Auch die Gewaltdelikte nahmen deutlich zu – von 86 im Jahr 2024 auf 153 im Jahr 2025 – ein Anstieg von rund 78 Prozent. Genannt werden vor allem Körperverletzungsdelikte und Widerstandshandlungen gegen die Polizei. Besonders auffällig sei zudem die Entwicklung bei Sachbeschädigungen: Sie hätten sich innerhalb eines Jahres deutlich mehr als verdoppelt – von 488 (2024) auf 1.190 (2025).
Einen Schwerpunkt legt das Lagebild außerdem auf gezielte Angriffe gegen Kritische Infrastruktur. Genannt werden Sabotageakte an Bahnstrecken, Stromleitungen und Anlagen großer Unternehmen. Für 2025 weist das Ministerium sechs erfasste Angriffe beziehungsweise Sabotageakte auf Kritische Infrastruktur der Bahn aus, die dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden (2024: 2). Dazu zählten unter anderem ein Brandanschlag auf die Bahnstrecke Duisburg–Düsseldorf Ende Juli 2025 sowie eine Serie von Brandanschlägen auf drei Funkmasten in Langenfeld, Erkrath und Hilden im Mai 2025.
„Die Taten werden brutaler, professioneller, persönlicher“
Reul erklärte, das Papier mache „den Linksextremismus transparent, in Strukturen und Aktivitäten“ und zeichne ein Bild wachsender Gewaltbereitschaft. „Die Taten werden brutaler, professioneller, persönlicher“, sagte der Minister. Kollateralschäden würden im Namen eines vermeintlich höheren Ziels in Kauf genommen. Linksextremismus trete „unsere Art zu leben mit Füßen“. Wer die Gesellschaftsordnung ablehne und aktiv gegen sie kämpfe, sei eine Gefahr. Die Sicherheitsbehörden hätten „alle Feinde unserer Demokratie im Blick“.
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