Magdeburg-Attentäter Taleb al-Abdulmohsen: „Ich bin ein Linker“
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Fast elf Monate nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt mit sechs Toten und über 300 Verletzten hat vergangene Woche der Prozess gegen den Attentäter begonnen. Heute wurde im Prozess der Frage nachgegangen, woran sich die Polizeibeamten, die als Erste mit ihm Kontakt hatten, erinnern.
Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt wirkte nach der Tat auf Polizisten aufgeregt, aber klar und ließ sich widerstandslos festnehmen. Mehrere Polizisten berichteten vor dem Landgericht Magdeburg über ihre Begegnung mit dem inzwischen 51 Jahre alten angeklagten Taleb al-Abdulmohsen am 20. Dezember 2024.
Ein 25-jähriger Beamter, der sich dem Todesfahrer direkt nach der Tat mit gezogener Waffe entgegenstellte und ihn aufforderte, aus dem Auto zu steigen, berichtete von dessen weit aufgerissenen Augen. Er habe aufgeregt gewirkt und etwas verzögert auf die Ansprache reagiert. Der Mann habe mit mehreren Äußerungen rechtfertigen wollen, was er getan habe.

Schwer bewaffnete Beamte sichern den Angeklagten.
„Er war orientiert, wusste, was er getan hat“
Er habe auf ihn wahnhaft gewirkt, schilderte der Beamte. Der heutige Angeklagte habe gesagt, er sei an einer „großen Sache dran“, sei Psychiater, man wolle ihm etwas antun. Ein weiterer Polizist, der bei der Festnahme dabei war, sagte: „Er war orientiert, wusste, was er getan hat“. Der Mann habe auf keinen Fall einen verwirrten Eindruck gemacht.
Ein weiterer Beamter sagte, al-Abdulmohsen habe auf seinen X-Account verwiesen, dort sei alles erklärt. Der Mann, der bis zur Tat als Arzt im Maßregelvollzug mit psychisch kranken Straftätern arbeitete, war in sozialen Netzwerken sehr aktiv. Bei Behörden war er als Vielschreiber eingestuft wegen einer Vielzahl von Anzeigen und Schriftwechseln. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss im Landtag von Sachsen-Anhalt hat bereits herausgearbeitet, dass al-Abdulmohsen bei den Sicherheitsbehörden durch alle Raster fiel.
Das sagen die Vernehmer über ihre Begegnung mit dem Todesfahrer
Die beiden Polizeibeamten, die den Todesfahrer am Tag nach der Tat als Erste vernahmen, berichteten von einem Beschuldigten, der seine eigenen Anliegen in den Vordergrund stellte und zum Tatgeschehen schwieg. Er habe auf ihn sehr gefasst und höflich gewirkt, sagte einer der beiden Beamten.
Es sei für den damals 50-Jährigen sehr wichtig gewesen, über seine Erfahrungen mit Behörden, der Polizei und Gerichten zu berichten, von denen er sich nicht ernst genommen gefühlt habe. Dabei habe er auch Tränen in den Augen gehabt. Über die Tat auf dem Weihnachtsmarkt habe der Mann aus Saudi-Arabien nicht reden wollen.

Blumenmeer am Anschlagsort in Magdeburg
Der zweite Beamte, der bei der ersten Vernehmung dabei war, sagte: „Mein Eindruck war, dass er zumindest nicht logisch erklären konnte, was ihn zu der Tat bewegt hat.“ Was er berichtet habe, habe auf ihn nicht nachvollziehbar gewirkt, so der Beamte. „Ich persönlich hatte den Eindruck, es ging ihm mehr um sein eigenes Wohl.“ Er habe gesagt, er habe nicht geschlafen und nichts gegessen und sei bei der Festnahme unsanft behandelt worden.
„Ich bin ein Linker“
Auf die Frage von Rechtsanwalt Sievers, einem der 40 Nebenklage-Vertreter „Stufen Sie sich selbst als Rechtsextremisten ein?“, antwortete al-Abdulmohsen laut Bild: „Nein, ich bin ein Linker. Ich verteidige ganz vehement die Rechte von Transsexuellen. Die Folter, die ich erlebe, tötet das Mitgefühl in mir. Im Jahr 2020 habe ich versucht, Veganer zu werden. Ich glaube, Veganismus ist die einzige Form der Menschlichkeit, die einzige moralische Instanz für mich.“
In dem Prozess sind Verhandlungstage bis Mitte März angesetzt, pro Woche wird zwei- bis dreimal verhandelt. Etwa 180 Betroffene des Anschlags sind als Nebenkläger im Verfahren dabei, wenn auch die meisten zu den Verhandlungstagen nicht im Saal sind. Der Zuschauerraum war auch am Montag wieder gut gefüllt.
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