Correctiv sagt nach TV-Lüge, es sei „irrelevant“, ob man von „Deportation“ gesprochen habe
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„Wir haben nicht von Deportationen gesprochen. Das wurde dann von denen, die es interpretiert haben, [aufgenommen]“, behauptete die stellvertretende Chefredakteurin des teilweise steuergeldfinanzierten Rechercheportals Correctiv, Anette Dowideit, am Sonntag im ARD Presseclub bei einer Diskussion über das umstrittene „Geheimtreffen“ in Potsdam. Am Montagabend wurde das Wort dann still und heimlich von der Internet-Seite gelöscht. Wie kann es sein, dass selbsternannte „Faktenchecker“ derart intransparent mit eigenen Fehlern umgehen? Wir haben bei Correctiv nachgefragt.
Das steuerfinanzierte Rechercheportal Correctiv sieht sich selbst als Wächter der Wahrheit, geht hart ins Gericht mit all denjenigen, bei denen vermeintliche Lügen und Desinformation aufgespürt werden, wird dabei gerne kleinlich und wortklauberisch. Nun hat die Vize-Chefin selbst vor Fernsehpublikum die Unwahrheit gesagt. Anette Dowideit behauptete im „Presseclub“ der ARD, Correctiv habe den Begriff „Deportation“ nie verwendet: „Das wurde dann von denen, die es interpretiert haben, [aufgenommen].“

So sah die Buchbeschreibung noch am Montagnachmittag aus.
Lesen Sie auch: Nach kritischer Berichterstattung: Correctiv tilgt heimlich „Deportation“ von Homepage
Einen Tag später, am Montagabend wurde die Buch-Ankündigung zu „Der AfD-Komplex – Recherchen von Correctiv“ dann still und heimlich geändert. Aus „Die Pläne zur Deportation Millionen Deutscher mit Migrationshintergrund“ wurde „Die Pläne zur Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland“.

Über Wayback Machine kann man Änderungen an Artikeln nachvollziehen.
Man hatte offensichtlich erkannt, dass Dowideits Aussage nicht korrekt war und Probleme bereite könnte – wollte aber nicht dazu stehen. Dabei ist es in journalistischen Beiträgen üblich, Korrekturen von Fehlern – die zweifelsohne jedem passieren können – transparent und nachvollziehbar zu veröffentlichen. Bei einem Faktenchecker-Portal sollte dieses Gebot mindestens doppelt wiegen.
Auch Ex-Kollege Dowideits Röhn übt Kritik
Das sah auch Dowideits Ex-Kollege bei der Welt, Tim Röhn, ähnlich. „Gerade ein Medium, das für alles und jeden Faktenchecks anfertigt, muss nüchtern und sachlich bleiben“, schrieb er auf X.
Doch warum umging man das gängige Procedere, Änderungen kenntlich zu machen? NIUS fragte bei Correctiv nach:
1. Warum wurde behauptet, Correctiv habe das Wort nicht verwendet, obwohl das nachweislich falsch ist?
2. Warum wurde die Beschreibung auf der Website geändert, ohne transparent auf die Änderung hinzuweisen?
„Irrelevant, ob der Begriff in diesem Kontext als Bewertung benutzt wird oder nicht“
Die Antwort: „In unserem Text können Sie nachlesen, welche Formulierungen wir verwendet haben. Bei dem Treffen ging es um das Konzept Sellners, Menschen in drei Gruppen einzuteilen, die aus dem Land gedrängt werden sollen. Das betrifft Millionen von Menschen. Martin Sellner schlug dort ua einen Musterstaat in Nordafrika vor, in dem zwei Millionen Menschen leben könnten. Auf dem Treffen wurde dies Remigration genannt. So haben wir es auch im Text zitiert. Wenn man das bewerten will, läuft das auf eine Deportation hinaus.
Insofern ist es irrelevant, ob der Begriff in diesem Kontext als Bewertung benutzt wird oder nicht. Im Text haben wir in einem Absatz geschrieben: „1940 planten die Nationalsozialisten, vier Millionen Menschen auf die Insel Madagaskar zu deportieren“. Nicht geschrieben haben wir, dass beim Treffen selbst eine Deportation geplant wurde. Aber (s.o.), es ist nicht relevant. Es gibt von uns also kein Zurückrudern und keine falschen Behauptungen, weder im ARD-Presseclub noch anderswo, und es ist auch nichts, wie Sie schreiben „nachweislich falsch“.“
Correctiv verpasst es damit ein weiteres Mal, die Änderungen transparent zu machen.
Auch bei NIUS: Live im Presseclub: So verstrickt sich die Correctiv-Chefin in Lügen und Widersprüche
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