Hauptstadt-Journalismus: Warum verschweigen ARD und ZDF den SPD-Hintergrund ihrer Talkshow-Gäste?!
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- Hinter dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) steckt zu einem großen Teil die Kanzler-Partei SPD.
- NIUS hat bei ARD, ZDF und Co. nachgefragt, warum darauf nicht transparent hingewiesen werde.
- Die Antworten fallen nüchtern bis kreativ aus.
Haben Sie schon einmal von der Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) gehört? Sie ist zu 100 Prozent im Besitz der Partei SPD. Im Portfolio der DDVG befinden sich zahlreiche Medienhäuser, die zum Teil auch journalistisch tätig sind. Beim „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ ist das SPD-Unternehmen mit 23,1 Prozent beteiligt. Der Zeitungsverlag „Neue Westfälische“ ist sogar zu 100 Prozent in DDVG-Hand.
Sollte man bei Journalisten, die in SPD-Unternehmensgeflechten stecken, nicht transparent auf diesen Umstand hinweisen? ARD, ZDF und Co. laden Journalisten vom RND regelmäßig zu ihren Sendungen ein. Diese Frage gab NIUS direkt an die jeweiligen Redaktionen weiter.
Das ZDF, wo RND-Journalisten gerne in der Sendung „Markus Lanz“ zu Wort kommen, antwortete auf NIUS-Anfrage wie folgt:
„Kristina Dunz war in der ‚Markus Lanz‘-Sendung am 1. Februar 2024 als profilierte Politikjournalistin zu Gast. Ihre journalistische Tätigkeit in der Hauptstadtredaktion des Redaktionsnetzwerks Deutschland ist dabei eine Zusatz-Information für die Zuschauerinnen und Zuschauer. In der ‚Markus Lanz‘-Sendung ging es nicht um die Struktur der Verlagsgesellschaft Madsack.“

Bei Markus Lanz gilt RND-Frau Dunz als „profilierte Politikjournalistin“
Auch bei „Caren Miosga“ in der ARD war RND-Journalistin Dunz zu Gast. Zu den SPD-Verbindungen verlor man in der Sendung kein Wort. Auf Nachfrage von NIUS, warum man die SPD als größten Anteilseigner nicht erwähnt, antwortet die ARD:
„Bei der Gästeauswahl liegt der Fokus der Redaktion ‚Caren Miosga‘ darauf, qualifizierte Diskutanten einzuladen – und zwar gänzlich unabhängig von den Gesellschafterverhältnissen ihrer Arbeitgeber. Thema dieser Sendung waren die Anforderungen an die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Ampel-Koalition im Hinblick auf die Herausforderungen für Deutschland. Frau Dunz, die als stellvertretende Leiterin der Hauptstadtredaktion des Redaktionsnetzwerks Deutschland insbesondere über die Bundesregierung berichtet, hat sich als eine solche qualifizierte Gesprächspartnerin erwiesen.“

Kristina Dunz (links) diskutiert bei Caren Miosga mit.
Kristina Dunz wird auch gerne vom gebührenfinanzierten Deutschlandradio als Gast eingeladen.
NIUS fragte dort nach: Warum wird bei Auftritten von RND-Journalisten oder Zitierungen von RND-Kommentaren (etwa bei der Presseschau) nicht darauf hingewiesen, dass der größte Anteilseigner des Unternehmens unter Kontrolle der SPD steht?
Deutschlandradio antwortete:
„Immer wieder berichten wir in unseren Programmen über die Eigentümer- bzw. Beteiligungsstrukturen von Medienunternehmen, etwa in unserer Mediensendung @mediasres. Dass wir die zum Teil komplexen Eigentümerverhältnisse der vielen Zeitungen, die wir in der Presseschau erwähnen, nicht erläutern, hat nicht zuletzt pragmatische Gründe. Würden wir dies tun, müssten wir die Zahl der Publikationen, die zitiert werden, wegen des hohen Erläuterungsaufwands deutlich verkleinern. Ziel der Presseschau ist es jedoch, ein möglichst breites Meinungsspektrum unterschiedlicher Publikationen abzubilden. Die Besitz- und Eigentümerstruktur ist, insbesondere bei ausländischen Publikationen, oftmals komplex.“
Maischberger: Besetzung mit „unterschiedlicher politischer Ausrichtung“
NIUS fragte auch beim WDR nach, warum man die SPD-Beziehungen des Arbeitgebers und von Talkgästen, wie bei der Journalistin Kristina Dunz, nicht transparent mache. Der WDR zitiert neben Dunz auch andere RND-Journalisten, wie etwa Eva Quadbeck, allzu gerne als Experten.
Die Antwort vom WDR:
„In unserem Panel bei ‚Maischberger‘ werden aktuelle und relevante politische Vorgänge und Geschehnisse kommentiert und eingeordnet. Dementsprechend laden wir Journalistinnen und Journalisten ein, die die Kompetenz für solche Gespräche mitbringen. Dabei besetzen wir das Panel mit Kommentatorinnen und Kommentatoren unterschiedlicher journalistischer Blickwinkel und auch aus Medienhäusern mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung. So stellen wir auch mit einer Runde von drei Personen sicher, dass verschiedene Sichtweisen und Perspektiven auf die Themen eingebracht werden.“

Dunz ist immer wieder zu Gast bei Sandra Maischberger.
Beim Spartensender Phoenix, der von ARD und ZDF gemeinsam betrieben wird, betrachtet man die Bezahlung und Hintergründe von Journalisten als nicht erwähnenswert. Auf NIUS-Nachfrage heißt es:
„Kristina Dunz ist wie viele andere Journalistinnen und Journalisten ganz unterschiedlicher Medienhäuser und Verlage gelegentlich bei uns zu Gast. Aufgrund ihrer langjährigen persönlichen Erfahrung und Expertise ordnet sie aktuelle Entwicklungen ein. Über Gesellschafterstrukturen, Anteile o.ä. der jeweiligen Mutterhäuser, Verlage oder Stationen informieren wir dabei in der Regel nicht.“
Bei Phoenix kamen in den vergangenen 12 Monaten neben Kristina Dunz zahlreiche andere RND-Journalistinnen als Experten zu Wort: Alisha Mendgen, Daniela Vates, Eva Quadbeck.
Redaktionsnetzwerk Deutschland sieht keinen Einfluss
Auf Nachfrage von NIUS, ob und wie die RND-Journalisten ihre SPD-Verbindungen transparent machen, antwortet das Verlagshaus selbst mit einem eigenartigen Verständnis von Pressearbeit. Man gab ein ausführliches Statement ab, dass jedoch „nur vollständig und ohne Kürzungen oder Auslassungen zitiert werden“ dürfe. Zusammenfassend teilt man mit, dass man politisch unabhängig und parteipolitisch neutral sei. Es gebe laut Sprecher keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung.

Dachgesellschaft der Madsack Mediengruppe ist die Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG. Komplementärin ist die Dr. Erich Madsack GmbH, größte Kommanditistin ist das Medienbeteiligungsunternehmen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft.
Fazit: Alle angefragten TV-Sender sehen keine Notwendigkeit, die SPD-Hintergründe und die klare politische Ausrichtung von RND-Journalisten zu erwähnen. Im Gegenteil: Journalisten wie Quadbeck, Dunz und Vates werden als profilierte, unabhängige Experten dargestellt.
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