Kein einziger kritischer Bericht, trotz Ahrtal-Desaster: Wie ZDF-heute über Malu Dreyer berichtete
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Immer wieder stehen die öffentlich-rechtlichen Medien wegen einer zu großen Nähe zur Regierungspolitik in der Kritik. Ein besonders markantes Beispiel ist die frühere Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer.
Dreyer ist bis heute Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats, also des zentralen Aufsichtsgremiums des Senders. Diese Funktion hatte sie auch in jener Zeit inne, als sich im Sommer 2021 die Flutkatastrophe im Ahrtal ereignete. Das Ereignis gilt bis heute als gravierendes Staatsversagen und fiel in ihre unmittelbare Regierungsverantwortung.
In einer Rekonstruktion der Flutnacht urteilt die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte, das Ausmaß der Flut sei schlicht nicht absehbar gewesen. Doch die Warnungen des eigenen Landesamts kamen rechtzeitig. Es hätte Zeit gegeben, die Bevölkerung zu warnen.“
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Trotz dieser Vorgeschichte blieb kritische Berichterstattung über Dreyers Rolle während der Flutkatastrophe bei der Nachrichtensendung ZDF-heute aus.

Das Ahrtal wurde 2021 von einer schlimmen Flutkatastrophe heimgesucht.
Das Medienanalyse-Unternehmen Media Tenor, das regelmäßig die Berichterstattung von Tagesschau, ZDF-heute und RTL Aktuell wissenschaftlich auswertet, untersuchte, in welcher Tonalität führende Politiker dargestellt werden – positiv, negativ oder neutral.
Beiträge über Malu Dreyer fallen aus dem Rahmen
Das Ergebnis einer Auswertung ist auffällig: Beiträge von ZDF-heute über Malu Dreyer waren ausnahmslos positiv. Kritische Berichte kamen demnach nicht vor. Im Vergleich mit anderen Politikern stellte Dreyer damit einen Sonderfall dar.

Siehe links unten: Es gab keine kritischen Beiträge bei ZDF-heute über Malu Dreyer.
Der Geschäftsführer von Media Tenor, Roland Schatz, erläuterte diese Befunde in einem Interview mit dem Ökonomen Prof. Christian Rieck auf dessen YouTube-Kanal. Schatz wies darauf hin, dass eine solche personelle Konstellation strukturelle Effekte haben könne: Mitarbeiter eines öffentlich-rechtlichen Senders könnten befürchten, bei kritischer Berichterstattung über eine zugleich einflussreiche Aufsichtsperson mittelbar Nachteile zu erleiden. Umgekehrt entstehe ein Anreiz, problematische Aspekte zu vermeiden und stattdessen positive Darstellungen zu produzieren oder negative Aspekte zu übergehen.
Diese Einschätzung wiegt besonders schwer mit Blick auf die Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Bilder zerstörter Ortschaften, zahlreicher Todesopfer und chaotischer Zustände haben sich tief ins öffentliche Gedächtnis eingebrannt.
Dass eine kritische journalistische Aufarbeitung der politischen Verantwortung ausgerechnet in dieser Phase ausblieb, wirft grundsätzliche Fragen zur Unabhängigkeit und Kontrollfunktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf.
Interessenkonflikt: Wie reagiert das ZDF?
Vor diesem Hintergrund hat NIUS das ZDF nun mit den Ergebnissen der Media-Tenor-Analyse konfrontiert. Konkret wurde der Sender gefragt, ob er in der damaligen gleichzeitigen Funktion von Malu Dreyer als Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats und als Ministerpräsidentin eines Bundeslandes einen grundsätzlichen Interessenkonflikt sieht – und falls nicht, warum nicht.
Eine Antwort des ZDF steht bislang aus.
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