Manifest für Meinungsvielfalt: Wie der öffentliche Rundfunk gegen Abweichler mobilisiert
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In dem Manifest für Meinungsvielfalt fordern mehr als 100 Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter des öffentlichen Rundfunks mehr Meinungsfreiheit, Ausgewogenheit in der Berichterstattung und bessere Arbeitsbedingungen bei ARD und ZDF. Ihre Forderungen, Statements und Empfehlungen an die Anstalten sind unter Meinungsvielfalt.jetzt einsehbar. Parallel verweisen die Initiatoren auf ihre Petition, die in wenigen Tagen mehr als 11.000 Unterstützer sammeln konnte.
Doch während zunächst nur die privaten Medien über das Manifest berichteten, war es an der Front der öffentlich-rechtlichen Sender erstaunlich still. Während die Landes-Rundfunkanstalten auf ein gemeinsames Statement der ARD auf NIUS-Anfrage verweisen, schlägt der Deutschlandfunk scharfe Töne an, unterstellt den Initiatoren eine fragwürdige Gesinnung und attestiert ihnen eine Nähe zu den sogenannten „Querdenkern“.

Der Deutschlandradio-Funkturm in Köln
Es werden alle Register gezogen: von „Klimaleugnern“ bis „Querdenkern“
In dem Beitrag „Kultur und Wissenschaft: Reaktionen und Kritik zum Manifest Meinungsvielfalt“ wird das Manifest für die Hörer des Deutschlandfunks eingeordnet. Es werden alle Register gezogen, um den Machern des Manifests ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen.
Zunächst geht es um den Kritikpunkt mangelnde Meinungsvielfalt bei ARD und ZDF. Ein Problem, was lange bekannt ist und auch innerhalb des Zukunftsrats der Anstalten sowie in den Landesparlamenten immer wieder benannt wird. Der Deutschlandfunk versteht darunter, dass im Manifest gefordert würde, die Meinungen von „Klimaleugnern“ und „Querdenkern“ abzubilden. Eine Forderung, die auf der Website des Manifests nicht abgebildet ist.

Auf Meinungsvielfalt.jetzt haben die Kritiker ihr Manifest veröffentlicht.
Auf die Frage des Moderators, was man über die Initiatoren des Manifests wisse, entgegnet die Sprecherin der Medienredaktion des Deutschlandfunks, dass es sich teilweise um ehemalige Mitarbeiter von ARD und ZDF handele, sowie Schauspieler und Musiker und eben „vergleichsweise wenig“ Journalisten aufgeführt seien. Diese Gruppe sei zu klein, um die Mitarbeiter von ARD und ZDF zu repräsentieren. Was die Unterzeichner aber verbinden würde, wäre ihre Haltung zu Corona. Sie hätten sich „mindestens kritisch, teilweise fragwürdig oder falsch“ zu Corona-Maßnahmen der Regierung geäußert. Spätestens an dieser Stelle wird den Zuhörern seitens des Deutschlandfunks eindrücklich klargemacht, dass die einstigen Kritiker der Corona-Maßnahmen mit ihrem Manifest nicht ernst zu nehmen seien.
Offenbar findet es der Deutschlandfunk ungünstig, dass sich viele Ehemalige unter den Unterzeichnern befänden und spricht ihnen somit ab, sich zu der aktuellen Schieflage der öffentlich-rechtlichen Anstalten äußern zu können. Ehemalige Mitarbeiter blicken allerdings auf viele Jahre Berufserfahrung in den Anstalten zurück und können sicherlich die besorgniserregende Entwicklung, die der öffentliche Rundfunk in den letzten Jahren durchlaufen hat, mit einer umfassenderen Perspektive beurteilen, als Mitarbeiter mit wenig Berufserfahrung in den Rundfunk-Anstalten.
Weiter nimmt der Deutschlandfunk das Impressum von Meinungsvielfalt.jetzt unter die Lupe und weist darauf hin, dass es sich bei der angegebenen Person um Ole Skambraks handele, der wegen seiner Äußerungen zur Corona-Berichterstattung seinerzeit vom SWR gekündigt wurde. Skambraks war Redakteur und hatte während der Coronazeit die Berichterstattung des SWR bemängelt. Er kritisierte, dass zu wenig wissenschaftliche Perspektiven angehört worden wären und die Berichtserstattung demnach zu einseitig ausgefallen sei.

Ole Skambraks sieht die Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr kritisch.
Journalistenverband muss eigenen Kommentar korrigieren
Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) meldete sich am Donnerstag mit einem wortgewaltigen Kommentar zu Wort. Das Manifest sei „dubios“, es befeuere die „notorischen Medienhasser“ und auch in diesem Artikel knöpft man sich das Impressum der Manifest-Website vor. Zunächst hieß es, dass der „Verein Zivile Allianz“, der von Sven von Storch (Ehemann von AfD-Politikerin Beatrix von Storch) „bis vor Kurzem“ im Impressum gestanden hätte. Eine falsche Behauptung, die nun auf Druck der Initiatoren des Manifests richtiggestellt wurde.

Die Gegendarstellung seitens des Deutschen Journalistenverbandes. (Quelle: djv.de)
Breite Debatte über den öffentlichen Rundfunk
In dem Statement der ARD heißt es, dass kritische Diskussionen geführt werden und das Manifest als Ausdruck genau dieser Debatte gesehen würde. „Dass ein Dokument wie das sogenannte ‚Manifest‘ erscheint, ist dabei Ausdruck der Tatsache, dass in den ARD-Medienhäusern Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit herrschen“, so die ARD.
Inwiefern Beiträge, wie zuletzt im Deutschlandfunk, dazu beitragen, eine sachliche Debatte über die Zukunft des öffentlichen Rundfunks zu führen, bleibt an dieser Stelle offen.
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