Mit diesen Tricks verzerrt die Tagesschau die Realität in England
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Die ARD-Tagesschau um 20 Uhr ist die wichtigste Nachrichtensendung Deutschlands. Sie ist eine Institution, in vielen Familien ein Ritual: Abends um acht Uhr hält die Welt Einzug ins Wohnzimmer. Die Aufgabe der Tagesschau ist es, ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechend, objektiv, ausgewogen und unparteilich zu berichten.
Sagen, was ist – so beschrieb der Gründer des Spiegels Rudolf Augstein die journalistische Kardinaltugend. Doch in der Berichterstattung über die Krawalle in England zeigt sich erneut, dass die Tagesschau immer öfter nach dem Credo agiert: sagen, was uns in den Kram passt.
Mord an drei Kindern: keine Erwähnung wert
Am 29. Juli stürmte ein 17-Jähriger in der britischen Stadt Southport einen Taylor-Swift-Tanzkurs und erstach drei Kinder. Acht weitere verletzte er, zudem zwei Erwachsene. Er selbst soll in Großbritannien geboren worden sein, seine Familie stammt aus Ruanda. In den Tagen nach der Tat formierte sich in Southport Protest, der bald in Gewalt ausartete und auf andere Städte überschwappte.

Auch am Sonntag hielten die Krawalle in England an, etwa im nordenglischen Rotherham.
Wie berichtet die Tagesschau über die Geschehnisse? Am Tag der Tat, dem 29. Juli, findet diese keine Erwähnung in den 20-Uhr-Nachrichten der ARD. Die brutale Ermordung von drei Kindern ist offenbar keine Nachricht wert.
Dies ist schon deshalb auffällig, weil über vergleichbare Taten, bei denen es sich um einen Amoklauf oder einen Terroranschlag handelt und Kinder zu den Opfern zählen, in der Regel berichtet wird. Auch am folgenden Tag wird die Tat in der Tagesschau nicht erwähnt.
Am 31. Juli spricht die Tagesschau erstmals über das Thema, der einleitende Satz lautet: „Das britische Southport kommt nicht zur Ruhe“ – ganz so, als wüssten die Zuschauer längst, um welchen Konflikt es sich handelt. Der Satz suggeriert, dass die Tagesschau bereits zuvor über die Unruhen berichtet habe, und lenkt so elegant vom Umstand ab, dass sie die Messerattacke unter den Tisch fallen ließ.
Falschmeldungen als vermeintliche Ursache
Offenbar erscheint das Thema mittlerweile selbst den ARD-Redakteuren relevant – zumal sie nun, dank einer Einschätzung der englischen Polizei, ein passendes Framing für die Ausschreitungen zur Hand haben. Die Tagesschau erklärt: „Nach Angaben der Polizei randalierten mehrere hundert Menschen. Auslöser seien Falschmeldungen im Internet über den Messerstecher gewesen.“ Im Korrespondenten-Bericht heißt es, die Polizei rechne die Randalierer „rechtsextremen Gruppen“ zu. Auf sozialen Medien hätten sich die Falschnachrichten verbreitet, dass der Täter illegal ins Land gekommen und Islamist sei.
Zudem lässt die Tagesschau einen Experten zu Wort kommen, Charlie Beckett von der London School of Economics and Political Science. Er erklärt: „Wenn so etwas passiert, wollen die Menschen natürlich wissen, was dahintersteckt. Das Problem ist: Die, die das ausschlachten wollen, sind darauf vorbereitet. Sie wissen, wie man die Algorithmen missbraucht.“
Die Tagesschau stellt die Lage also so dar, als beruhten die Ausschreitungen auf einer Art Missverständnis: der falschen Annahme, dass der Täter von Southport illegal eingewandert sei. Die Faktoren für die Eskalation auf Englands Straßen müssen sich in den Augen eines durchschnittlichen Tagesschau-Zuschauers wie folgt darstellen: Böse Rechte plus verzerrende Algorithmen gleich getäuschte Bürger, die randalieren.
Was in dieser Gleichung nicht vorkommt: die verfehlte Migrationspolitik, die zunehmende Islamisierung sowie die Gefahr von Gewalt durch illegale Migration, insbesondere für Kinder. Ebenfalls unterschlagen werden friedliche Proteste gegen Einwanderung in Großbritannien aus den letzten Wochen. Auch wenn manche der Randalierer tatsächlich im Netz falsch informiert und diese falschen Informationen gezielt gestreut wurden, auch wenn die Gewalt der vergangenen Tage aufs Schärfste zu verurteilen ist – nichts davon rechtfertigt die einseitige Berichterstattung der Tagesschau, die den Zuschauern kein vollständiges Bild der Lage offenbart.
An den beiden darauffolgenden Tagen, dem 1. und 2. August, finden die Proteste keine Erwähnung, bevor sie am 3. August wieder aufgegriffen werden: „Angeheizt werden die Krawalle durch Rechtsextremisten. Die Wut richtet sich vor allem gegen Einwanderer und Muslime“, erfahren die Zuschauer. „Andere sind gekommen, um gegen Rassismus auf die Straße zu gehen.“ Die Tagesschau zeigt Bilder der Stadt Sunderland, in der vorausgegangenen Nacht ein Geschäft angezündet worden war: „Muslimische Gemeindemitglieder stellten sich schützend vor ihre Moschee.“

In Bristol trafen am Samstag Demonstrationen unterschiedlicher Gruppen aufeinander.
Was die Tagesschau verschweigt: Die Gegenproteste sind keineswegs bloß harmlose Proteste gegen Rassismus. Längst versammeln sich auf den Straßen Englands auch Linksextreme und vor allem Islamisten, die bewaffnet und unter Allahu-Akbar-Rufen Jagd auf die Randalierer machen. Sogar die BBC, der britische öffentlich-rechtliche Sender, berichtet darüber. In der Tagesschau jedoch: kein Wort darüber.
Randalierer sind ein „Blitz“
Am 3. August lässt die Tagesschau nochmals die Geschehnisse durch einen Experten einordnen, diesmal durch Milo Comerford, Extremismusforscher am Institute for Strategic Dialogue. Comerford sagt: „Der Horror des Messerangriffs hat rechtsextreme Gruppierungen angezogen wie der Blitzableiter einen Blitz.“ Er vergleicht die Randalierer also mit einem Naturereignis. Das ist in mehrfacher Hinsicht interessant: Erstens steht die Menschheit Naturereignissen vergleichsweise passiv gegenüber, sie kann sich ihnen nur anpassen. Die Politik wird so aus der Verantwortung genommen, die Frage, ob eine fahrlässige Migrationspolitik für die Situation mitverantwortlich ist, im Keim erstickt. Zweitens werden die Krawalle dem demokratischen Diskurs entzogen – schließlich helfen gegen einen Blitz keine Argumente, sondern nur physische Abwehr.
Am 4. August werden erneut die täglichen „antimuslimischen Proteste“ erwähnt, „geschürt unter anderem durch Falschmeldungen über den Täter“. Am 5. August, genau eine Woche nach der Tat, berichtet die Tagesschau über Maßnahmen der britischen Regierung gegen die Proteste.
Gezielte Verleugnung der Realität
Nach einer Woche der Berichterstattung wird deutlich: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat immer öfter kein Interesse mehr daran, ein Abbild der Realität zu zeichnen. Dies gilt nicht nur für die 20-Uhr-Nachrichten, sondern auch für Texte, die online veröffentlicht werden und Beiträge in den sozialen Netzwerken. Es gilt ebenso für andere öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF – und auch für private Medien und Zeitungen.
So kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung die Zustände in Großbritannien mit den bemerkenswerten Worten: „Rechtsradikale inszenieren auf Englands Straßen einen Bürgerkrieg, den es nicht gibt.“ Der Satz verdeutlicht, wie weit man in linksliberalen Kreisen zu gehen bereit ist im Kampf um die Deutungshoheit: Selbst Ereignisse, die sich vor den eigenen Augen abspielen, werden für inexistent erklärt, sofern sie nicht in das bevorzugte Narrativ passen. Im Falle der Neuen Osnabrücker Zeitung darf man dies einfach als irrwitzig abtun.
Im Falle der Tagesschau hingegen finanzieren wir alle die gezielte Verleugnung der Realität.
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