Relativierungen und Falschaussagen: BBC-Erklärstück macht die PR-Abteilung der Hamas überflüssig
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„Was ist die Hamas und warum kämpft sie gegen Israel?“, fragt die einst seriöse BBC – und gibt hochgradig verstörende Antworten. Der vermittelte Eindruck: Irgendwie hat der „Kampf“ der Islamisten schon seine Berechtigung.
Die Hamas wurde 1987 als Ableger der Muslimbruderschaft gegründet, ihr Name bedeutet „Islamische Widerstandsbewegung“. Das ist auch schon so ziemlich alles, was an dem BBC-Beitrag stimmt. Wenig überraschend, ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Vereinigten Königreichs, die einst für seriösen Journalismus stand, heute gerade für ihre Schlagseite in der Nahostberichterstattung bekannt. Gleichwohl beziehen sich viele ausländische Medien auf sie, auch die deutschen, weshalb das, was die BBC berichtet, weltweite Verbreitung findet.
Bereits die Wortwahl ist verräterisch. Die Hamas wird als „bewaffnete palästinensische Gruppe“ und „politische Bewegung“ bezeichnet, obwohl es sich zweifellos um eine islamistische Terror-Miliz handelt. Von den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Israel und vielen anderen Ländern werde die Hamas als Terrororganisation eingestuft, erfährt man in einem Nebensatz – von der BBC jedoch wohlwollend.
Hamas will Staat in Westbank und Gaza? Krasse Falschinformation!
Was sind die Ziele der Hamas? Laut der BBC: „Sie lehnt die Existenz Israels auf dem ihrer Meinung nach palästinensischen Gebiet ab. Sie strebt einen islamischen Staat an dessen Stelle und in den besetzten Gebieten Westjordanland, Ostjerusalem und Gazastreifen an. Sie hat jedoch ihre Bereitschaft signalisiert, einen vorläufigen palästinensischen Staat nur im Westjordanland, in Ostjerusalem und im Gazastreifen zu akzeptieren, ohne ihren Anspruch auf das gesamte historische Palästina aufzugeben.“

Die Hamas kommt im BBC-Beitrag gut weg.
Dabei haben die Islamisten offen und wiederholt erklärt, dass sie alle Juden und Israelis auslöschen will. Die Charta der Hamas ist eindeutig: „Israel wird existieren, bis der Islam es auslöscht.“ Die Hamas postuliert, dass das Land Palästina „ein islamisches Waqf-Land für die Generation der Muslime bis zum Tag der Auferstehung ist“. Ein Existenzrecht Israels kann schon deshalb niemals anerkannt werden, weil es in dieser Sicht gegen die diesbezügliche Deutung des Islam spreche, als Verstoß gegen den Willen Allahs. Auch in der Fassung von 2017 heißt es: „Hamas lehnt jede Alternative zu einer kompletten und vollständigen Befreiung von Palästina ab, vom Fluss zum Meer“ (Artikel 20).
Die Charta propagiert radikale Gewalt gegen Juden und einen Dschihad, der die Auslöschung des Staates Israel zum Ziel hat. „Widerstand und Jihad für die Befreiung von Palästina“ wird als „legitimes Recht“ betrachtet. Terror wird also als „Widerstand“ und „Befreiung“ getarnt, zwei positiv besetzten Begriffen.
Allerlei Rechtfertigungen für ein Massaker
Den blutigen Machtkampf im Gazastreifen, der zur Herrschaft der Hamas führte, beschreibt BBC so: „Die Hamas wurde 2007 nach dem Sieg bei den palästinensischen Wahlen und der gewaltsamen Vertreibung ihrer Rivalen zur alleinigen Herrscherin im Gazastreifen.“ Dass sie danach das ganze Küstengebiet zur Bildung einer militärischen Infrastruktur ausbaute – hunderte Kilometer Tunnel anlegte, Waffen ins Land schmuggelte, eine Terrorarmee aufstellte – und israelische Ortschaften seither täglich mit Raketen beschoss, wird nicht erwähnt.
Das Massaker vom 7. Oktober 2023 nennt die BBC mehrmals „Angriff“. Dieser sei von der Hamas „als Reaktion auf die ihrer Meinung nach jahrzehntelange Unterdrückung durch Israel, die Tötung von Palästinensern und die jahrelange Blockade des Gazastreifens“ bezeichnet worden. Hamas-Terrorfürst al-Hayya wird zitiert: „Es war notwendig, die Welt zu alarmieren, um ihr zu zeigen, dass es hier ein Volk gibt, das eine Sache vertritt und Forderungen hat, die erfüllt werden müssen“. Dass es sich nicht um eine Protestaktion handelte, sondern in die Vernichtungs-Agenda passt, davon kein Wort.
Zur weiteren Rechtfertigung wird noch hinzugefügt, die Hamas habe „außerdem erklärt, der Angriff sei eine Reaktion auf die ihrer Meinung nach bestehenden Bestrebungen Israels, die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem – die drittheiligste Stätte des Islam – zu übernehmen.“ Eine immer wieder aufgestellte Behauptung, die nach wie vor jeder Grundlage entbehrt. „Die Hamas fordert außerdem die Freilassung Tausender Palästinenser aus israelischen Gefängnissen.“ Wobei es sich um verurteilte Terroristen handelt, aber das wäre wohl ein Detail zu viel.

Alter Hut und immer noch so falsch wie damals: die Behauptung, Israel gefährde die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.
Zahlen aus trüben Quellen
Auch bei den – nach wie vor völlig unbekannten – Zahlen der Kriegsopfer stützt sich die BBC auf trübe Quellen wie das Gesundheitsministerium in Gaza, de facto eine Hamas-Quelle. Von 65.000 Toten ist die Rede, „die Hälfte davon Frauen und Kinder“. Was aber nur belegen würde, dass die israelische Armee tatsächlich gegen die Hamas kämpft und die Zivilisten aufgrund der Gefechte in zivilen Gebieten (welche die Hamas militärisch nutzt) in Mitleidenschaft gezogen wird.
Unterdessen habe Israel „eine Offensive gestartet, um die Stadt Gaza vollständig zu besetzen, die nach israelischen Angaben nach wie vor die ‚Hauptfestung‘ der Hamas ist. Die Offensive hat Hunderttausende Palästinenser zur Flucht aus der Stadt gezwungen.“ Das stimmt, denn die Hamas hat noch nicht kapituliert, und die IDF haben die Bewohner vorher zur Evakuierung aufgerufen. Zweifellos sind die Zerstörungen immens – aber sämtlich dem Stadtkrieg geschuldet, den die Hamas führt.

Die Zerstörungen in Gaza sind immens – weil die Terroristen mit den Geiseln den Krieg in den Küstenstreifen trugen.
Wenig überraschend, dass auch der UN-Kommissionsbericht erwähnt wird, der Israel „Genozid“ vorwirft, obwohl die klassische Definition nicht erfüllt ist, nämlich die Absicht besteht, eine Bevölkerungsgruppe (in diesem Fall die Bevölkerung Gazas) auszulöschen. Vielmehr spricht gegen den Vorwurf, dass Israel Hilfsgüter in das Gebiet lässt, vor Angriffen warnt und Evakuierungskorridore schafft.
Wer hat die Kriege vom Zaun gebrochen?
„Die Gespräche über einen Waffenstillstand und die Freilassung der verbleibenden Geiseln sind ins Stocken geraten“, sagt die BBC, geflissentlich ignorierend, dass die Anerkennung Palästinas durch Premierminister Keir Starmer dabei eine Rolle gespielt haben könnte. „Im Rahmen eines einmonatigen Waffenstillstands Anfang 2025 wurden 30 lebende und acht tote Geiseln im Austausch gegen etwa 1.900 palästinensische Gefangene und Häftlinge freigelassen.“ Eine Erpressung durch Geiselnehmer, die so nicht benannt wird.
„Haben Israel und die Hamas sich schon vorher bekämpft?“, lautet die nächste Frage. Bombenanschläge, Raketenangriffe und andere Terrorakte werden benannt, auch Israels Reaktionen darauf, wobei behauptet wird, bei solchen Operationen habe Israel „viele palästinensische Zivilisten getötet“.
„Die beiden Seiten haben auch mehrere größere Konflikte ausgetragen – in den Jahren 2008-09, 2012 und 2014.“ Genau genommen handelte es sich um Kurzkriege, die sämtlich durch die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen (2014 auch durch die Entführung und Ermordung dreier Jugendlicher) ausgelöst wurden und nicht aus dem heiteren Himmel kamen.

Raketenabschuss aus Wohngebieten in Gaza. Ziel: israelische Städte.
„Zutiefst beunruhigendes Muster der Voreingenommenheit“
„In jeder Kampfrunde gab es auf beiden Seiten Tote, die überwiegende Mehrheit davon waren Palästinenser im Gazastreifen.“ Hier wird suggeriert, dass Israel unverhältnismäßig hart vorging, dabei liegt die Ursache darin, dass in Israel großer Wert auf den Zivilschutz gelegt wird, die Hamas aber nur Tunnel zum eigenen Schutz gebaut hat und die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde missbraucht.
Korrekt ist, dass der Gazastreifen bis 1967 von Ägypten besetzt war und von Israel im Sechstagekrieg erobert wurde. Dennoch hält es die BBC für nötig, den vollständigen israelischen Rückzug im Jahr 2005 zu relativieren, denn die UN würden „das Gebiet weiter als besetzt betrachten“. Was nur zeigt, dass die Ansicht der Mehrheit in den UN nichts mit der Realität vor Ort zu tun hat.
Relativierungen, Auslassungen, Verharmlosungen – wer als in Nahostfragen nicht sattelfester Medienkonsument so etwas wie das BBC-Erklärstück liest, kann nur den Eindruck gewinnen, als habe der „Kampf“ der Hamas gegen den jüdischen Staat schon irgendwie seine Berechtigung. Die antiisraelische Schlagseite in der Berichterstattung der BBC ist längst auf dem Schirm kritischer Medienbeobachter. Vor einem Jahr berichtete der Telegraph, die BBC habe während des Höhepunkts des Krieges zwischen Israel und der Hamas mehr als 1.500 Mal gegen ihre eigenen redaktionellen Richtlinien verstoßen. Ein entsprechender Bericht enthüllte ein „zutiefst beunruhigendes Muster der Voreingenommenheit“ gegenüber Israel, so die Autoren, die vier Monate lang die Berichterstattung der BBC in Fernsehen, Radio, Online-Nachrichten, Podcasts und sozialen Medien analysierten.

Die BBC bescheinigt der Hamas einen mehr oder wenigen legitimen „Kampf“ gegen Israel.
Ein Team aus rund 20 Juristen und 20 Datenwissenschaftlern war an der Untersuchung beteiligt, bei der mithilfe von KI neun Millionen Wörter aus BBC-Sendungen analysiert wurden. Die Forscher stellten insgesamt 1.553 Verstöße gegen die redaktionellen Richtlinien der BBC fest, darunter Verstöße gegen die Grundsätze der Unparteilichkeit, Genauigkeit, redaktionellen Werte und des öffentlichen Interesses.
Der Bericht hob den arabischen Kanal der BBC hervor und bezeichnet ihn als einen der voreingenommensten aller globalen Medien in seiner Berichterstattung über den Konflikt zwischen Israel und der Hamas. Er führte elf Fälle auf, in denen die Berichterstattung der BBC Arabic über den Krieg Reporter gezeigt habe, die zuvor öffentlich Erklärungen zur Unterstützung des Terrorismus und insbesondere der Hamas abgegeben hatten, ohne dass die Zuschauer darüber informiert worden seien.
Wie bei uns: „Faktenchecker“ mit Agenda
Problematisch ist auch das BBC-Format „BBC Verify“, das auf Faktenchecker-Art daherkommt. Die meisten seiner Untersuchungen befassen sich mit dem Israel-Hamas-Krieg und werfen unverhältnismäßig viele Zweifel an Israel auf, während Terrororganisationen wie die Hamas und Institutionen wie die UNO ungeschoren davonkommen. Wie auch aus Deutschland bekannt, verfolgen die „Faktenchecker“ eine bestimmte Agenda, anstatt faire und ausgewogene Überprüfungen anzubieten.
„Was ist die Hamas und warum kämpft sie gegen Israel?“, das waren die zwei Fragen der BBC. Die erste beantwortet sie nicht, um Israels Krieg in Gaza nicht zu legitimieren, und mit der zweiten wird so umgegangen, dass der Terror als Reaktion auf erlittenes Unrecht erscheint. Die Redaktionen von Tagesschau, heute-journal und Deutschlandfunk können sich hier reichlich Anregungen holen, wenn die eigene Propaganda einfach zu plump erscheint.
Lesen Sie dazu auch: Hamas-Propaganda im Gaza-Krieg: Mit diesen Bildern macht die Medienwelt sich schuldig
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