Spaßbremse Fernsehen: Warum müssen wir uns von ARD und ZDF immerzu belehren lassen?!
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„Jetzt einen schönen Film“, dachte ich mir am Wochenende. „Oder ’ne spannende Doku.“ Da war sie – „Die Otto-Story“ im ZDF.
Es ging nicht um den Komiker, sondern um Deutschlands größtes Versandhaus Otto. Der Traum vom schönen Leben in einem Katalog, den Millionen Deutsche früher zu Hause hatten – meine Familie auch. Die Seiten waren verknittert vom vielen Durchblättern. Mit diesem Katalog sind wir in Gedanken in die Karibik gereist (als höchstens der Schwarzwald bezahlbar war). Haben die neuesten TV-Geräte bestaunt, die neuesten Jeans aus der Otto-Kollektion, Rennräder, Planschbecken, den Swimmingpool des kleinen Mannes, Badeanzüge, die ersten Outdoor-Jacken. Der Otto-Katalog war der Eintritt in die große Welt, als man selbst noch mit der kleinen vorliebnehmen musste.

Rückblick 2003: Die schwangere Heidi Klum stellt die neue Ausgabe des Otto-Katalogs vor. In den Jahren danach folgten auf dem Cover unter anderem Eva Padberg und Sylvie van der Vaart (heute Meis).
Lieferketten statt Lebensgefühl
An all das dachte ich, als ich die Doku einschaltete. Eine Reise in die Welt der letzten Jahrzehnte – erzählt am Beispiel des Versandhauses Otto. Es kam anders. Im Film wurde geprüft, wie nachhaltig das Unternehmen ist. Tester zersägten und zerhackten Stühle, um zu kontrollieren, woher das Holz stammte. Man erfuhr viel über zertifizierten Abbau von Eiche, Fichte und Co. Die kritischen Journalisten reisten mit großem Team in kroatische Wälder, um vor Ort die Angaben des Herstellers zu kontrollieren. So ging es weiter: Jeans wurden auf ihr Material geprüft – natürlich ging es um die nachhaltige Wertschöpfungskette. Immer kritisch, immer skeptisch.

Der legendäre Otto-Katalog wurde im Jahr 2019 das letzte Mal ausgegeben.
Vom Lebensgefühl Otto kam nichts rüber. Ganz kurz wurden Titelbilder der großen Zeit der Otto-Kataloge gezeigt: Lieblingsmodell war Claudia Schiffer. Und die ganze Modewelt war wie sie: strahlend, mondän, cool. Deutschland wollte chic sein, wie schön. Der Traum dieser Bilder wurde in der Doku jäh unterbrochen. Schnell wieder nörgelnde ZDF-Reporter, die einen Unternehmenssprecher über die Einhaltung des Lieferkettengesetzes verhörten.
„Genug davon“, dachte ich mir und schaltete um. Gott sei Dank habe ich Sky. Teuer, aber gut für Sport-Fans.
Von Tennisplätzen weit und breit nichts zu sehen
Ich schaltete eine andere Doku-Serie ein – „Wimbledons Tennisgötter“. Da können sie nichts falsch machen, dachte ich. Björn Borg, Martina Navratilova damals, Steffi Graf und Boris Becker in den 80ern und 90er Jahren. Die besten Szenen, die spannendsten Ballwechsel: Jubel, Schweiß und Tränen. Was wirklich kam: Eine lange Passage über Arthur Ashe, 1975 Wimbledon-Sieger gegen Jimmy Connors. Ashe war ein großartiger Spieler, zweifellos. Und er war der erste Schwarze, der Wimbledon gewann. Das war das große Thema der Doku – die Situation der schwarzen Tennisspieler in jener Zeit. Man zeigte natürlich den Apartheid-Staat Südafrika, US-Südstaaten. Kann man alles machen, aber was hat das mit Wimbledon zu tun?

Wimbledon 1975: Arthur Ashe (rechts) gewinnt das Finale gegen Jimmy Connors.
Dann ging es um Billie-Jean King, eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten. Ein paar Ballwechsel durften die Sky-Zuschauer sehen. Hauptthema aber war die Frage der gleichen Bezahlung von Mann und Frau im Tennis, wofür sich Billie-Jean King damals sehr eingesetzt hatte. Minutenlang wurde sie zum Thema Gleichberechtigung befragt. Sie saß in einem düsteren Hotelzimmer. Von Tennisplätzen weit und breit nichts zu sehen. Von Wimbledon schon gar nicht. Da sagte ich zu mir: „Danke, das wars für heute mit Fernsehen.“

Wimbledon 1973: Billie-Jean King holte bei den Damen den Titel.
Warum müssen sie uns immer belehren, fragt sich mein gesunder Menschenverstand? Kein Beitrag bei ARD und ZDF, in dem nicht „kritisch hinterfragt“ wird, Probleme gewälzt werden, wo meist keine sind. Und es geht immer in die gleiche Richtung: Wokeness, Klima, Nachhaltigkeit. Und nun auch beim Pay-TV-Sender Sky, inzwischen ein US-Konzern. Spaßbremse Fernsehen – wie traurig!
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