Tagesschau berichtet über Kohlekraft-Studie, die gar keine Studie ist
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- Die Tagesschau berichtet über eine Studie, der zufolge fast alle Kohlekraftwerke weltweit bis 2030 ersetzt werden könnten.
- Allerdings ist die vermeintliche Studie keine wissenschaftliche Arbeit, sondern eine Modellrechnung von „Klimaschutz“-Lobbyisten.
- Der als „exklusiv“ beworbene Artikel zeigt: Wenn das Ergebnis ideologisch passt, ist der Tagesschau die Qualität von Daten herzlich egal.
„Fast alle Kohlekraftwerke weltweit könnten bis 2030 durch eine Kombination aus Fotovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher ersetzt werden.“
Der Einstieg in den Artikel der Tagesschau klingt vielversprechend. Erst recht, wenn man nur wenige Sätze später erfährt, dass die Quelle der frohen Botschaft nicht etwa „Fridays for Future“ oder die „Letzte Generation“ ist, sondern eine „Studie“ und demnach die Wissenschaft höchstpersönlich.

„Exklusiv“ und „neue Studie“: Der Leser bekommt hier sofort den Eindruck, dass die Daten objektiv erhoben wurden.
Der Leser weiß nun: Die Daten sind belastbar, man muss sie ernst nehmen. Dass „Studien“ die harte Währung im Kampf um die Wahrheit sind, ist Allgemeinwissen, spätestens seitdem Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Dauergast in deutschen Talkshows wurde.
Wer allerdings die Studie, auf die die Tagesschau verweist, sucht, wird nicht fündig! Sie wurde in keinem Fach-Journal publiziert und ist weder über die gängigen Studien-Server zu finden noch über Google. Nach zahlreichen Hinweisen auf X (ehemals Twitter) aktualisierte die Redaktion den Artikel schließlich und verlinkte die angeblich vielversprechende Studie.

Florian Gallwitz von der Technischen Hochschule Nürnberg wies als einer der Ersten auf die Unwissenschaftlichkeit der Analyse hin.
Werbung einer Lobbyorganisation als Wissenschaft getarnt
Inzwischen führt ein Klick direkt auf das, was die Tagesschau als „Studie“ bezeichnet: „Switch coal profitably to renewable energy“ steht über dem 41-seitigen Schreiben, das vieles ist, aber keine wissenschaftliche Arbeit.
Bereits nach wenigen Seiten wird klar: Das ist keine Studie, die in einem Fachjournal veröffentlicht werden würde. Hier hat eine Lobbyorganisation ihre Werbung in ein wissenschaftlich anmutendes Format gepackt, um zu überzeugen. Mit Erfolg, wie man sieht. Mit Modellrechnungen erklären die Autoren, dass die Stilllegung von rund 90 Prozent der weltweit etwa 2.500 Kohlekraftwerke dem Klimaschutz erheblich nutzen würde und zugleich auch profitabel sei.

Seite Eins der Analyse ist in warnenden Signalfarben gestaltet.
SwitchCoal („Kohle ersetzen“) nennt sich der Thinktank, der die Analyse erstellt hat, sein Claim lautet: „Die Ersetzung der weltweiten Kohlekraftwerke durch erneuerbare Energien ist der rentable Weg in eine saubere Zukunft.“
Eine der Autorinnen ist Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr und Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die bereits bei Lanz, Illner und Anne Will für die Energiewende warb, und ein Buch mit dem Titel „Schockwellen: Letzte Chance für sichere Energien und Frieden“ schrieb.

Claudia Kemfert war bereits Rednerin auf einer Demonstration von Fridays for Future.
Auch die restlichen Mit-Autoren engagieren sich für die sogenannten „erneuerbaren Energien“. Dass hier vor allem ideologische Befangenheit und nicht objektive Wissenschaft im Spiel war, scheint die Tagesschau allerdings nicht zu stören.
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