Verspätungen, Ausfälle, Wartungsstau: Financial Times bezeichnet Deutsche Bahn als „Reisehölle“
Ein Beitrag von
Der desaströse Zustand der Bahn steht für den des Landes. Im Ausland registriert man das mit Fassungslosigkeit.
Jeder Bahnkunde hat bereits Bekanntschaft mit dem Horror gemacht: Überfüllte Bahnsteige, havarierte Züge, defekte Klimaanlagen, umgekehrte Wagenreihungen, nicht angezeigte Reservierungen, das Bord-Bistro zu. Der Ruf aus früheren Zeiten, besonders pünktlich und effizient zu sein, ist längst perdu, in diesen Tagen und Wochen wird er vollständig pulverisiert.
Pünktlich im Stadion? Glückssache!
Abertausende Fans aus aller Welt sind nach Deutschland gekommen, um die Spiele der Europameisterschaft zu sehen – und werden nun mit Chaos konfrontiert. Zuweilen gelangen sie nicht einmal rechtzeitig an die Spielorte.

Süffisant vermerkt das Blatt, dass sogar der Zug Berlin nach Frankfurt mit Journalisten an Bord, die die Bahn eingeladen hatte, um die umfangreichen neuen Investitionen in das deutsche Schienennetz vorzustellen, 45 Minuten Verspätung hatte. Der für das Programm zur Erneuerung der Infrastruktur zuständige DB-Vorstand Wolfgang Weinhold wurde mit den Worten zitiert: „Natürlich ist das scheiße.“ Selbst Philipp Lahm, Turnierdirektor und ehemaliger deutschen Kapitän, verpasste einen Fernsehauftritt, bei dem er ein EM-Spiel kommentieren sollte, weil sein Zug Verspätung hatte.
Eben gingen Meldungen über das jüngste Pünktlichkeitsdesaster um: 52,5 Prozent der Fernzüge waren nicht pünktlich (wobei Verspätungen unter 15 Minuten und ausgefallene Züge gar nicht mitgezählt werden). Reparatur am Zug, Stellwerkfehler, Personen im Gleis, Verspätung eines vorausfahrenden Zuges, Personalmangel und natürlich das Wetter – die angeführten Gründe sind zahlreich. Effizienz und Verlässlichkeit, das war gestern, stellte kürzlich auch die New York Times fest.
„Die deutsche Bahn ist so im Oasch“
Der Artikel ließ englische Fußballfans von ihren Erfahrungen mit der Deutschen Bahn berichten, und es war erschütternd: hoffnungslos überfüllte Bahnhöfe, auf einem anderen Gleis einfahrende Züge, Ankünfte um 2.00 Uhr nachts selbst auf Kurzstrecken. Müsste der japanische Bahnchef derartige Zustände verantworten, würde er angesichts der Schande wohl vor laufender Kamera Seppuku begehen.

Zur Fußball-EM sind Deutsche Bahn und UEFA extra eine Partnerschaft eingegangen. Einen Pokal hat sich die Bahn bislang aber noch nicht verdient.
Und das Schlimmste kommt noch, auch bei der Bahn: Da die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren wurde, sollen bis 2030 ganze 41 der wichtigsten deutschen Schienenverkehrskorridore modernisiert werden: Bahnhöfe, Gleise, Schotterbett, Weichen, Oberleitungen, Kreuzungen, oft alles gleichzeitig. „Die Deutsche Bahn ist so im Oasch“, sangen österreichische Fans vor Tagen.
Nebenbei war auch das Entsetzen über den Zustand von Städten wie Gelsenkirchen groß – und das muss in unseren Ohren umso besorgniserregender klingen, wenn ein Gast aus Birmingham davon gepackt wird. Ein Land im Abstieg, es ist überall sichtbar und die Besucher sehen mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Grausen zu.
Mehr lesen: Lahm kam zu spät zum Spiel: Bahn blamiert Deutschland bei der EM und findet's auch noch lustig
Mehr NIUS:
So sehen Sie mehr NIUS auf Google News
Youtuber-Paar treibt Baby mit Downsyndrom ab und erhält jetzt Morddrohungen
Wie damals für George Floyd: Tausende Menschen knien jetzt für ermordeten Henry Nowak auf TikTok
Karl Lauterbach teilt bei Lanz aus: „Dieser Zirkus erinnert mich an das Lügen-Gerede von Lindner“
Plötzlich gegen die Brandmauer: Hat die Bild-Zeitung ihren AfD-Kurs geändert?
Die fatale Rolle der UNRWA: ZDF will TV-Doku über das Palästinenserhilfswerk nicht zeigen
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Mehr NIUS:
Karl Lauterbach teilt bei Lanz aus: „Dieser Zirkus erinnert mich an das Lügen-Gerede von Lindner“
Plötzlich gegen die Brandmauer: Hat die Bild-Zeitung ihren AfD-Kurs geändert?
Die fatale Rolle der UNRWA: ZDF will TV-Doku über das Palästinenserhilfswerk nicht zeigen
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Neuer „Digitale Medien-Staatsvertrag“: Greift der Staat schon diesen Sommer nach den Algorithmen?
NIUS jetzt auch auf WhatsApp
CDU-Politiker Roland Koch über Schwarz-Rot bei Lanz: „Wir sind in einer Gefangenschaft mit der SPD“
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare