Was mache ich, wenn plötzlich unterm Tannenbaum gegendert wird?
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Alle Jahre wieder - kommt so verlässlich wie das Christuskind in etlichen Medien eine Anleitung dazu, wie man mit den „falschen“ Meinungen der Verwandtschaft umgeht, wenn man sich selbst auf der einzig richtigen Seite des Lebens wähnt. Den Auftakt liefern in diesem Jahr die Kollegen vom „Spiegel“: „Wenn Opa hetzt, Mama vorverurteilt oder der Onkel antisemitisch schwadroniert: In einem Workshop lernen Menschen, wie sie auf menschenfeindliche Äußerungen am Weihnachtsfest reagieren können“, ist ein Text überschrieben, der endlich einmal wirklich wichtige Lebenshilfe geben will: „So diskutieren Sie an Weihnachten mit dem rassistischen Onkel“. Echte Fragen, die das Leben stellt.
Mal abgesehen davon, dass sich die meisten Menschen wohl einigermaßen verblüfft den Polyesterschnee (echter ist ja wiedermal Mangelware) aus den ungläubigen Weihnachtsaugen wischen werden, was bei „Spiegel“-Redakteurs oder den im Text zitierten Carolin, Thessa, Patricia und Co. so am Heiligen Abend los ist, bleibt der wahre Kommunarde natürlich auch beim Christfest wachsam und lässt auch den lieben Verwandten kein politisches Abweichlertum durchgehen. Von wegen stille Nacht! Der Feind schläft nicht, pflegte mein Staatsbürgerkundelehrer ehedem zu sagen.

Das feierlich eingerichtete Heim kann an Heiligabend schnell zum Schlachtfeld der Ideologien werden.
Nun ist Antisemitismus zweifellos kein sympathischer Zug, dürfte aber ebensowenig zum deutschen Weihnachtsstandard gehören, wie Einladungen von Benjamin Netanyahu zur „Documenta“ in Kassel. Und selbstverständlich sind in den verschiedenen Ratgebern die Thessas und Carolins die Guten, deren Ansichten weder näher geschildert noch hinterfragt werden. Ein wenig ungerecht ist es aber schon, dass solche Workshops nur „gegen rechts“ und böse Onkels angeboten werden und nicht gegen gendernde Nichten, vegane Tanten oder grüne Klimaeiferer, die den CO2-Fußabdruck der Weihnachtsgans nachrechnen wollen.
Wie reagieren, wenn plötzlich Maria und Josepha an der Krippe sitzen und der Engel*Innen Schar jauchzet und frohlocket? Im „Kulturbüro Sachsen“, wo mit Seminaren auf die ideologische Kesselschlacht gegen „Menschenfeindlichkeit wie BILD-Schlagzeilen, nur krasser“ vorbereitet wird, empfiehlt man, mit großer Achtsamkeit und sensibler Analytik vorzugehen.
Also: Ganz wichtig, stoßen sie die mentale Lastenradlerin nicht vor den Kopf, sondern täuschen Sie ernsthaftes Interesse vor, wie bei einem trotzigen Kind. Gendert die Nichte, weil sie provozieren will oder ist es ihr ein wirkliches Anliegen? Welches tiefere Problem wird womöglich durch den Veganismus (ein stummer Schrei nach Liebe?) hilflos signalisiert? Und man muss auch einfühlsam berücksichtigen, dass der Aggro-Klima-Nazi in größerer Runde sein Gesicht nicht verliert. Deshalb ist auch die Strategie sehr durchdacht zu wählen: Entscheiden Sie sich, ob Sie eine große Diskussion führen oder den Antifa-Enkel behutsam dazu bringen wollen, einzelne seiner Aussagen zu hinterfragen. Mit anderen Worten: Gehen sie sehr konzentriert daran, den Gegenüber zu pathologisieren. Er ist ein Therapiefall, für den man sich Zeit nehmen sollte, um ihn auf den Pfad der ideologischen Tugend zurückführen.
Jedenfalls wenn man den Tipps für Fortgeschrittene vom „Kulturbüro Sachsen“ folgt, könnte man solchen Mummenschanz aufführen. Alle anderen, die noch im normalen Leben stehen, lassen mit einem einfachen Satz bewenden: „Du hast eins an der Waffel, mein Schatz! Frohe Weihnachten!“
Mehr NIUS: Die letzten Weihnachtsrätsel im Check: Gab es Jesus wirklich?
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