Wegen „Rechtsruck“, Klimawandel und „Klo-Struggle“ haben ARD und ZDF keine Lust auf Sommer
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Sommer, Sonne, Sonnenschein – oder wie ARD und ZDF sagen würden: Sommer, Rechtsruck, Kniekehlen-Schweiß.
Im steten Bemühen, jeden Winkel menschlicher Existenz ideologisch aufzuladen, hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk die beliebteste Jahreszeit als Projektionsfläche für Bedenken aller Art entdeckt. Dabei wenden die Redakteure positive Emotionen ins Negative und dekonstruieren gesellschaftliche Erwartungshaltungen im Namen des Feminismus.
Besser daheim bleiben – wegen Rechtsruck
So vertritt die schwarze Social-Media-Redakteurin Ivy Nortey auf dem Instagram-Kanal von Deutschlandfunk Kultur die These: „Die politische Stimmung in einem Land beeinflusst, wie unbeschwert ich da Urlaub machen kann.“ Rechtspopulistische Parteien wettern laut Nortey gegen „migrantisierte Menschen“: „Die Wahlergebnisse zeigen, dass Menschen überall in Europa diese Parteien wählen, das macht was mit der Gesellschaft – und das spürt man auch.“
Dann referiert die Redakteurin über Wahlergebnisse im europäischen Ausland. In Frankreich plane der Ressemblement National (RN), Migration einzuschränken, Berufsverbote „für Menschen mit französischer Staatsbürger*innenschaft“ auszusprechen und „nicht-französische Bürger*innen“ zu benachteiligen. (Im Nachhinein berichtigte Deutschlandfunk Kultur in den Kommentaren die eigene Aussage über die Berufsverbote: Diese seien vom RN nur für wenige Berufe geplant.) Inwiefern migrantische Deutsche diese politischen Forderungen einer Oppositionspartei im Frankreich-Urlaub spüren, dafür liefert der Beitrag keine Erklärung.
Auch die Niederlande kommen in dem Video nicht gut weg: Dort sei eine „neue rechte, in Teilen EU-feindliche Regierung vereidigt“ worden: „Die wirbt mit der strengsten Asylpolitik ever.“ Warum dies Deutsche mit Migrationshintergrund daran hindern sollte, in den Niederlanden Urlaub zu machen, bleibt erneut unklar – schließlich beantragt man im Urlaubsland eher selten Asyl. Aber auch in Deutschland ist Urlaub für Migranten schwierig: „Von hier weiß ich ja erst, dass der Rechtsruck auch im Alltag spürbar ist.“
Kämpfe am Beckenrand
Der Kanal Mädelsabende des öffentlich-rechtlichen Jugendsenders Funk zeigt sich ebenfalls besorgt über die heiße Jahreszeit, allerdings aus anderen Gründen. „Nicht alle Struggles sind sichtbar“, schreibt er zu einem Bild, auf dem er versucht, zumindest so viele „Struggles“ wie möglich sichtbar zu machen: Über eine junge Frau, die am Pool sitzt, heißt es: „Hat ihre Periode und Angst, durchzubluten“, über eine andere: „Vergleicht ihren Körper mit anderen und fühlt sich unwohl“.
Ein Mann im Wasser ist „unsicher, ob die Freibad-Pommes diesen Monat noch drin ist“, eine Frau in Taucheranzug (oder Burkini) „fühlt sich einsam obwohl, sie mit Freund*innen da ist“. Die Kommasetzung im Beitrag wurde anscheinend nicht eingehend geprüft, dafür aber die Diversität. So findet sich am Beckenrand auch eine Frau im Rollstuhl, die folgendes Problem beschäftigt: „Braucht Me-Time, aber hat sich nicht getraut, abzusagen.“

Am Pool trägt sich so mancher innere Konflikt zu. Instagram von Mädelsabende.
Klingt belastend, wird aber noch übertroffen vom „Klo-Struggle im Sommer“: Eine Frau will draußen das Wetter genießen, wird aber vom Monster „öffentliche Toiletten“ heimgesucht. Vielleicht könnte sie den Toilettengang einfach auslassen, denn Essen und Trinken ist laut Mädelsabende ohnehin mit Ärgernissen verbunden: Eine Frau, die Pommes isst, muss sich die Bemerkung anhören: „Bei dem Wetter sowas Fettiges essen?“ Eine andere Frau spuckt ihre Limo wieder aus, weil jemand über den vielen Zucker spottet.

Der „Klo-Struggle“, schematische Darstellung.
Überhaupt scheint der Sommer für Mädelsabende ein Quell der Enttäuschung zu sein. Unter dem Titel „Expectation vs. Reality“, also Erwartung versus Realität, präsentiert der Kanal erst eine Frau, die entspannt mit einem Buch auf einem Handtuch liegt; daneben dieselbe Frau, die alle Viere von sich streckt: „Kopfschweiß, Achselschweiß, Underboob-Schweiß, Intimschweiß, Kniekehlen-Schweiß, Fußschweiß“ steht dort geschrieben, ergänzt durch erklärende Pfeile für all jene, die vergessen haben, wo Kopf, Kniekehle und Intimbereich sich beim Menschen befinden.

Mädelsabende konfrontiert die Follower auf Instagram knallhart mit der Realität.
Mädelsabende weiß auch, „wofür wir uns im Sommer nicht schämen müssen“, nämlich für blaue Flecken. Wer sich bis jetzt nicht wegen blauer Flecken schämt, wird so immerhin daran erinnert, dass Scham eine Option wäre.
Auch beim WDR-Format Quarks löst der Sommer Unbehagen aus. Quarks dekliniert die Frage durch, wie die Klimakrise den Urlaub verändert. So werden Städtetrips im Sommer „vermutlich deutlich weniger attraktiv“, weil es für Besichtigungen zu heiß werde. In die Berge ausweichen? Keine Option, da die „Gefahr für Sturzfluten und Erdrutsche“ zunimmt und zudem die Kultur der Bergvölker wegen „permanenten Katastrophen-Alarms“ in diesen Regionen verloren geht. Auch für Badeurlaub sieht es schlecht aus: „Für Urlaub am Mittelmeer wird es in den kommenden Jahren im Sommer vermutlich zu heiß“, weiß Quarks.
Aber nach dem Rechtsruck will da sowieso keiner mehr hin...

Über den Klimawandel tröstet keine noch so charmante Schwimmente hinweg.
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