ZDF-Intendant Himmler nach NIUS-Recherche intern unter Druck
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Die Krise im ZDF hat die Führung des Senders offenbar weit stärker erfasst, als es die öffentlichen Erklärungen bislang erkennen ließen. Wie der Spiegel berichtet, sah sich Intendant Norbert Himmler in der Affäre um die KI-Bilder im „heute journal“ sogar zu gleich drei Schreiben an den Fernsehrat veranlasst. Ein Mitglied des Gremiums wird mit den Worten zitiert: „Da hat man gemerkt: Es ist die Kacke am Dampfen.“
Damit wird deutlich, wie groß das interne Alarmniveau nach der NIUS-Recherche gewesen sein muss. Aus Sicht der Senderführung ging es längst nicht mehr nur um eine peinliche Panne in einem Nachrichtenbeitrag, sondern um eine Krise, die bis in die Spitze des Hauses durchschlug. Der Spiegel beschreibt das ZDF in diesen Tagen als schwer angeschlagen, die Belegschaft sei aufgewühlt, das Vertrauen beschädigt.
Auslöser war ein überarbeiteter Beitrag der damaligen New Yorker ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht, der nach einer ersten Ausstrahlung im „Mittagsmagazin“ in veränderter Form auch im „heute journal“ lief. In dieser späteren Version tauchten zwei problematische Sequenzen auf: einmal KI-generierte Bilder, einmal altes Material aus Florida, das mit den behaupteten ICE-Razzien nichts zu tun hatte. Nachdem NIUS und andere auf die fragwürdigen Bilder hingewiesen hatten, geriet das ZDF massiv unter Rechtfertigungsdruck.
Hier mehr dazu: Die ZDF-Leaks: Schausten sagt, KI-Video wurde „wissentlich“ verwendet +++ Theveßen: „Kein Wort war falsch“
„Tausenden von Kollegen ins Gesicht gespuckt“
Doch intern verlagerte sich der Konflikt bald. Denn auf die Affäre folgte eine eilends einberufene digitale Krisensitzung der Chefredaktion mit rund tausend Mitarbeitern. Ausgerechnet aus diesem Treffen drangen anschließend Inhalte nach außen. Laut Spiegel wurde die Versammlung abgefilmt, Ausschnitte landeten bei Alexander Teske und später auch bei NIUS. Für viele im Sender war damit nicht mehr nur die journalistische Fehlleistung das Problem, sondern der Umstand, dass ein Mitarbeiter interne Vorgänge publik gemacht hatte. Der Spiegel formuliert dazu: „Ein Leak aus einer internen Versammlung ist eine Indiskretion, wie es sie im ZDF noch nie gegeben hat.“
Besonders scharf reagierte darauf Hubert Krech aus dem Personalrat. In einem Intranet-Text griff er den anonymen Informanten frontal an. Wörtlich schrieb er: „Du hältst Dich für einen Helden, weil Du es dem ZDF und den Chefs mal ‚so richtig gezeigt hast‘? Hast Du das wirklich?“ Krech legte nach: „Zumindest hast Du Leute mit Infos gefüttert, die nur ein Ziel haben: ARD und ZDF zu schaden.“
Weiter heißt es: „Gleichzeitig hast Du Tausenden von Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht gespuckt. Kollegen, die vielleicht seit Jahren oder Jahrzehnten neben Dir sitzen, mit Dir arbeiten und lachen und weinen und Frust schieben und sich freuen.“
Auch die Teilnehmer der internen Debatte stellte Krech ausdrücklich unter Schutz. Er schrieb: „Vor allem hast Du Kolleginnen und Kollegen, die sich in der OpenCR gemeldet haben, Portalen preisgegeben, die einen Krieg gegen uns führen.“
Damit nicht genug. In einem weiteren Satz sprach Krech dem Leak jede Form von Aufklärungspathos ab und bezeichnete den anonymen Informanten faktisch als Werkzeug der Gegner des Senders: „Ich glaube, Du bist für diejenigen, die uns zerstören wollen, nur ein ,nützlicher Idiot'. Du wirst benutzt, um uns zu schaden.“
Dass dieser Text im Haus große Zustimmung erhielt, ist wiederum ein Hinweis auf die Nervosität innerhalb des Senders. Laut Spiegel gaben fast 600 Mitarbeiter dem Beitrag ein Like, ein „Rekord im ZDF-Intranet“.
Teske widerspricht Spiegel-Darstellung
Alexander Teske widersprach der Darstellung des Spiegel öffentlich. Auf X schrieb der frühere ARD-Mitarbeiter: „Der Spiegel setzt drei Reporter auf die Geschichte über den KI-Fake beim ZDF. Keiner von denen hat mich kontaktiert. Schade. So konnte ich sie nicht davon abhalten, Falschnachrichten zu verbreiten. Ich besitze den ‚Mitschnitt‘ nicht.“ Teske weist damit den zentralen Eindruck des Spiegel-Berichts zurück, wonach er über internes Material aus der Krisensitzung verfügt habe.

Der Journalist Peter Welchering kommentierte die Situation auf X so: „Der Gesinnungsjournalist des ZDF nennt es ‚Verrat‘. Wir Journalisten nennen es ‚Information eines Whistleblowers von großem öffentlichen Interesse‘. Wie ZDF-Funktionär Hubert Krech hier einen verantwortungsvollen Kollegen beschimpft und diffamiert, der Informationen von großem öffentlichen Interesse aus einem journalistisch verwahrlosten Sender öffentlich gemacht hat, zeigt vor allen Dingen eines: Die ZDF-Funktionäre haben Angst.“
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