Berlin muss sich bei Bordell entschuldigen – und Betreibern 250.000 Euro zahlen
- Wegen einer Razzia im Großbordell „Artemis“ muss das Land Berlin 250.000 Euro Entschädigung zahlen.
- Die Betreiber waren nach der Durchsuchung vor Gericht gezogen – jetzt wurde ihnen Recht gegeben.
- Entschädigung gab es auch für die Zeit, die die Bordellbetreiber zu Unrecht in U-Haft verbringen mussten.
Sieben Jahre nach einer Razzia im Berliner Großbordell "Artemis" hat sich Berlin bei den Betreibern entschuldigt und zahlt 250 000 Euro Entschädigung, berichtet die BZ. „Das Land Berlin entschuldigt sich für die Untersuchungshaft und die erheblichen Nachteile, die die damals Beschuldigten durch die Durchsuchung, die Untersuchungshaft, die Anklageerhebung und die Äußerungen der Staatsanwaltschaft erlitten haben“, heißt es in einer Mitteilung der Senatsjustizverwaltung. Vor dem Kammergericht sei ein Vergleich geschlossen worden, mit dem der komplette Rechtsstreit abgeschlossen sei.
Hintergrund: Hunderte Polizisten, Zollfahnder und Staatsanwälte hatten am 14. April 2016 das Berliner Bordell durchsucht. Mehrere Verdächtige waren damals festgenommen worden. Danach hatte die Staatsanwaltschaft unter anderem von Verbindungen zur organisierten Kriminalität gesprochen. Doch die Vorwürfe fielen in sich zusammen. Ende 2018 ließ das Berliner Landgericht die Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zu.

Die zwei Betreiber des Bordells zogen daraufhin vor Gericht - mit Erfolg. Das Kammergericht Berlin verurteilte das Land im vergangenen Dezember zur Zahlung von 100 000 Euro Schadenersatz. Dabei ging es um Äußerungen der Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz im April 2016, die zum Teil «schuldhaft amtspflichtwidrig» und vorverurteilend, überzogen und reißerisch formuliert gewesen seien, begründete das Gericht.
Es lief noch ein weiterer Prozess: Die Bordellbetreiber klagten auf Entschädigung für die Zeit in der Untersuchungshaft. Dem Land Berlin drohte laut «Tagesspiegel» eine neue Niederlage vor dem Kammergericht. Die Justizverwaltung lenkte ein und es kam am vergangenen Dienstag zu einem Vergleich. «Der Vorgang ist damit insgesamt abgeschlossen», teilte ein Sprecher mit.
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